Landgericht Berlin: Urteil im Prozess um die Tötung eines britischen Staatsangehörigen (PM 36/2016)

Pressemitteilung vom 11.07.2016

Der Präsident des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Die 29. Strafkammer des Landgerichts Berlin hat heute den 63-jährigen Rolf Z. wegen Mordes in Tateinheit mit Verstößen gegen das Waffengesetz zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und 7 Monaten verurteilt. Nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer hat der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 20. September 2015 dem 31-jährigen Luke H. vor einer Bar in Berlin-Neukölln ohne Vorwarnung mit einer doppelläufigen Schrotflinte in den Bauch geschossen. Das Opfer sei wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Ein Motiv für die Tötung des aus Großbritannien stammenden Juristen, mit dem der Angeklagte zuvor nach den Feststellungen des Gerichts keinerlei Kontakt gehabt hatte, konnte die Kammer nicht mit Sicherheit feststellen. Zwar habe die 20-tägige Hauptverhandlung ergeben, dass der Angeklagte Waffen und Nazi-Devotionalien gesammelt habe, daraus lasse sich jedoch nach der Beweisaufnahme nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit auf eine Ausländerfeindlichkeit als Tatmotiv schließen. Der Umstand, dass sich das zufällig ausgewählte Opfer keines Angriffs versah, erfülle jedoch das Mordmerkmal der Heimtücke. Wegen der festgestellten Alkoholisierung des Angeklagten zum Tatzeitpunkt ging die Kammer von einer verminderten Schuldfähigkeit aus, so dass von der Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe abgesehen und auf eine zeitige Freiheitsstrafe erkannt wurde.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche mit der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

(Aktenzeichen: 529 Ks 1/16)

Lisa Jani
Pressesprecherin der Berliner Strafgerichte