Lebenslange Freiheitsstrafen für Mord an Pferdewirtin Christin R. (PM 5/2015)

Pressemitteilung vom 29.01.2015

Die Präsidentin des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Die 35. große Strafkammer das Landgerichts Berlin – Schwurgerichtskammer – hat heute im Prozess um den Mordfall Christin R. die Angeklagten Cornelia H. (57 J.), Robin H. (26 J.), Sven L. (25 J.) und Steven M. (24 J.) zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Bei den Angeklagten Cornelia H. und Robin H. ist zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden. Die Angeklagte Tanja L. (29 J.) ist zu einer Freiheitsstrafe von vierzehn Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Zu Beginn der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende der 35. Strafkammer darauf hin, dass es sich um ein außergewöhnliches Verfahren gehandelt habe. Die Taten der Angeklagten seien von einer immensen kriminellen Energie geprägt gewesen, die auch für eine Schwurgerichtskammer, die ständig über Tötungsdelikte zu befinden habe, weit außerhalb des üblichen liege.

Nach den Feststellungen des Gerichts hatten die Angeklagten Cornelia und Robin H. beschlossen, die Freundin des Angeklagten Robin H., die Christin R., zu töten, um an Versicherungssummen aus mehreren Lebensversicherungen in Millionenhöhe zu gelangen. Die ersten beiden Tötungsversuche seien jedoch fehlgeschlagen. Am 9. April 2012 habe die Angeklagte Cornelia H. in Absprache mit Robin H. versucht, Christin R. zu erstechen, sei jedoch an deren Gegenwehr gescheitert. Im Juni 2012 habe die Angeklagte Tanja L. auf Betreiben des Angeklagten Robin H. der Christin R. Kaliumchlorid in ein Getränk gegeben. Da dieses Gift jedoch bei oraler Einnahme keine Wirkung entfaltet, habe Christin L. auch diesen Tötungsversuch überlebt. Darauf habe der Angeklagte Sven L., der Bruder der Angeklagten Tanja L., den Angeklagten Steven M. beauftragt, die Christin R. zu töten. In der Nacht vom 20. zum 21. Juni 2012 hätten die Angeklagten Robin H. und Tanja L. die Christin R. unter einem Vorwand zu einem Parkplatz in Berlin-Lübars gelockt, wo der Angeklagte Steven M. sie dann mit einem Seil erdrosselt habe.

Die Angeklagten Cornelia H. und Robin H. wurden des Mordes sowie des zweifachen versuchten Mordes für schuldig befunden. Die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld bei diesen beiden Angeklagten begründete die Kammer damit, dass es sich bei ihnen um die treibenden Kräfte gehandelt habe, die über einen Zeitraum von sieben Monaten mit enorm hoher Energie daran gearbeitet hätten, den Tod von Christin R. herbeizuführen. Der Angeklagte Steven M. wurde des Mordes und der Angeklagte Sven L. der Anstiftung zum Mord für schuldig befunden. Bei ihnen hat das Gericht davon abgesehen, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Die Angeklagte Tanja L. ist wegen Mordes sowie versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von vierzehn Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Von der Verhängung der für Mord vorgesehenen lebenslangen Freiheitsstrafe sah das Gericht ab, weil sie durch ihr Geständnis und ihre Aussagen zu den Tatbeiträgen auch der übrigen Angeklagten maßgeblich zur Aufklärung des Geschehens beigetragen habe. Diese Möglichkeit ist in § 46b des Strafgesetzbuches vorgesehen. Die übrigen Angeklagten hatte eine Tötungsabsicht bestritten.

Mit seinem Urteil entsprach das Gericht im wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der Angeklagten hatten teilweise Freispruch und im Übrigen die Verhängung von Freiheitsstrafen unterhalb von 15 Jahren beantragt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche ab Urteilsverkündung mit der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

Dr. Tobias Kaehne
Pressesprecher

Urteil des Landgerichts Berlin vom 29. Januar 2015, Az. (535) 234 Js 296/12 (24/12)

§ 211 StGB
(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
(2) Mörder ist, wer
aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
einen Menschen tötet.

§ 46b StGB
(1) Wenn der Täter einer Straftat, die mit einer im Mindestmaß erhöhten Freiheitsstrafe oder mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht ist,
1. durch freiwilliges Offenbaren seines Wissens wesentlich dazu beigetragen hat, dass eine […] die mit seiner Tat im Zusammenhang steht, aufgedeckt werden konnte, oder
2. […]
kann das Gericht die Strafe nach § 49 Abs. 1 mildern, wobei an die Stelle ausschließlich angedrohter lebenslanger Freiheitsstrafe eine Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren tritt. […]
(2) Bei der Entscheidung nach Absatz 1 hat das Gericht insbesondere zu berücksichtigen:
1. die Art und den Umfang der offenbarten Tatsachen und deren Bedeutung für die Aufklärung oder Verhinderung der Tat, den Zeitpunkt der Offenbarung, das Ausmaß der Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden durch den Täter und die Schwere der Tat, auf die sich seine Angaben beziehen, sowie
2. das Verhältnis der in Nummer 1 genannten Umstände zur Schwere der Straftat und Schuld des Täters.
[…]