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Landgericht Berlin Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Tötung einer Angestellten auf einem Recyclinghof (PM 45/2010)

Pressemitteilung vom 16.09.2010

Die Präsidentin des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin hat heute den Angeklagten wegen Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Darüber hinaus hat das Gericht die besondere Schwere der Schuld festgestellt.
Die Kammer kam unter anderem zu folgenden Feststellungen:

Am 7. Januar 2010 kam der Angeklagte zu seinem Schichtbeginn auf den Recyclinghof in Berlin-Alt-Mahlsdorf. Aufgrund eines unbedeutenden Anlasses (er schnitt sich unter anderem in den Finger) entschloss sich der Angeklagte, einen Menschen zu töten. Er nahm ein 30 cm langes Messer und ging in die Umkleideräume. Dort traf er auf die 26 Jahre alte Nicole J., packte diese, misshandelte sie massiv, vergewaltigte sie und töte sie anschließend mit einem Messerstich in den Rücken.

Der Angeklagte hat die Tat überwiegend gestanden. Das Gericht schloss sich den Ausführungen des Sachverständigen an, nach denen bei dem Angeklagten zwar eine Persönlichkeitsstörung vorhanden sei, er aber voll schuldfähig sei.

Nicole J. sei ein zufällig das Opfer des Angeklagten geworden. Sie sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, erklärte der Vorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung.
Das Gericht hielt das Mordmerkmal „heimtückisch“ sowie das Merkmal „Mordlust oder aus sonst niedrigen Beweggründen“ für verwirklicht. Auch die besondere Schwere der Schuld bejahte die Schwurgerichtskammer. Dies habe die Abwägung der Umstände ergeben. Zugunsten des Angeklagten seien zwar unter anderem sein Geständnis anzuführen sowie die Tatsache, dass er unter einer Persönlichkeitsstörung leide und bisher durch keine Gewaltdelikte in Erscheinung getreten sei. Allerdings spreche zu Lasten des Angeklagten, dass er zwei Mordmerkmale verwirklicht habe und eine besonders schwere Vergewaltigung begangen habe. Des Weiteren sei zu berücksichtigen, dass er sein Opfer vielfach geschlagen und massiv misshandelt habe.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.
Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Nr. 36/2010 vom 30. Juli 2010 Gemeinsame Pressemeldung des Polizeipräsidenten in Berlin und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Nr. 04/2010 vom 13. Januar 2010
Landgericht Berlin – Urteil vom 16. September 2010, Az.: (540) 1 Kap Js 78/10 Ks (7/10)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Petra Carl
Pressesprecherin