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Landgericht Berlin: Lebenslange Freiheitsstrafen im Prozess um einen Auftragsmord an einem Immobilienmakler (PM 6/2010)

Pressemitteilung vom 12.02.2010

Die Präsidentin des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Landgericht Berlin: Lebenslange Freiheitsstrafen im Prozess um einen Auftragsmord an einem Immobilienmakler

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin hat heute die beiden Angeklagten wegen Anstiftung zu versuchtem Mord und Mord jeweils zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Darüber hinaus ordnete die Kammer die Fortdauer der Untersuchungshaft an.

Nach der durchgeführten Beweisaufnahme kam das Gericht zu folgenden Feststellungen:

Die Angeklagten entschlossen sich, im September 2008 den Immobilienmakler Friedhelm S. „beseitigen“ zu lassen. Hintergrund war, dass die beiden Angeklagten faktisch als „Alleinunternehmer“ einer Baugesellschaft tätig waren und den Immobilienmakler für die Nichtbezahlung einer Forderung in Höhe von ca. 1,3 Millionen Euro verantwortlich machten. Friedhelm S. deckte nämlich Unregelmäßigkeiten bei den gestellten Rechnungen des Bauunternehmens auf. Daraufhin wurden alle Zahlungen der noch offenen Forderungen an das Unternehmen eingestellt. Die Angeklagten wollten aus diesem Grunde den Makler gegen Bezahlung töten lassen.

Die Angeklagten beauftragten daher einen gesondert Verfolgten, der sich zurzeit in Indien in Auslieferungshaft befindet, mit der Tötung und vereinbarten eine Bezahlung in Höhe von 10.000,00 Euro zuzüglich Spesen. Der gesondert Verfolgte versuchte zunächst im Oktober 2008 Friedhelm S. mit einer Armbrust zu töten, was ihm jedoch misslang. Im November 2008 erschoss der gesondert Verfolgte den Immobilienmakler. Die Angeklagten zahlten insgesamt zwischen 25.000,00 und 30.000,00 Euro für diesen Auftrag, wobei sie die Gelder aus der Baufirma entnahmen.

Die Angeklagten seien durch den Kontakt zu dem Unternehmen, bei dem Friedhelm S. eine einflussreiche Position inne hatte, Übernacht zu reichen Menschen geworden, erklärte die Vorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung. Vorher sei die dem Angeklagten gehörende Baufirma klein und unbedeutend gewesen. Die Einstellung der Zahlungen sei ein „Supergau“ für die Angeklagten. Der Traum von Reichtum und Wohlstand sei zerplatzt. Als treibende Kraft hätten die Angeklagten den Immobilienmakler angesehen und dies hätte sie dazu veranlasst, ihn „beseitigen“ zu lassen, führte die Vorsitzende weiter aus.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Nr. 25/2009 vom 16. März 2009
Gemeinsame Pressemitteilung des Polizeipräsidenten Berlin und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Nr. 101/2008 vom 19. Dezember 2008
Presseberichtserstattung vom 04. November 2008 bis 10. Februar 2010
Landgericht Berlin – Urteil vom 12. Februar 2010, Az.: (540) 1 Kap Js 2129/08 Ks (12/09)

§ 26 des Strafgesetzbuches
Anstiftung
Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener Tat bestimmt hat.

Dr. Petra Carl
Pressesprecherin