Landgericht Berlin Schuldspruch im Koma Wirt Prozess (PM 34-2009)

Pressemitteilung vom 03.07.2009

Die Präsidentin des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin hat heute im so genannten „Koma-Wirt-Prozess“ den 28 Jahre alten Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz zu einer Gesamtfreiheitsstrafe 3 Jahren und 5 Monaten verurteilt. Wegen einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung von 6 Monaten hat die Kammer angeordnet, dass bereits 2 Monate der Gesamtfreiheitsstrafe als vollstreckt gelten.

Der Angeklagte hatte als Wirt einer Gaststätte nach den Feststellungen der Kammer mit einem 16-jährigen Geschädigten ein Tequila-Wetttrinken vereinbart, welches im Februar 2007 stattfand. Bedingung dieses Wetttrinkens sei gewesen, dass so lange Alkohol getrunken werde, bis einer der beiden bewusstlos werde. Allerdings habe der Angeklagte sich -ohne Kenntnis des Geschädigten- überwiegend Wasser servieren und dem Geschädigten Tequila ausschenken lassen. Letztlich habe der Geschädigte 48 Gläser Tequila getrunken, was zu einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 4,4 ‰ geführt habe. Er sei ins Koma gefallen und an den Folgen dieses übermäßigen Alkoholkonsums am 29. März 2007 verstorben.

Der Geschädigte sei durch den Angeklagten über das Risiko, welches er bei dem Wett-trinken eingehen würde, getäuscht worden, erklärte der Vorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung. Aufgrund dieses Irrtums sei das Tequila-Trinken dem Angeklagten als eigene Handlung zuzurechnen. Der Geschädigte habe in diese Handlung aufgrund der Täuschung auch nicht eingewilligt.

Bei der Strafzumessung hat die Kammer strafmildernd berücksichtigt, dass die Initiative zu dem Wetttrinken von dem Geschädigten ausgegangen sei. Auch das Geständnis, seine bisherige Unbescholtenheit und die Dauer der Untersuchungshaft (7 Monate) hielt das Gericht dem Angeklagten zugute. Im Ergebnis erkannte die Kammer aufgrund der straf-mildernden Umstände auf einen minder schweren Fall der Körperverletzung mit Todesfol-ge.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

Pressemitteilungen der Pressestelle der Berliner Strafgerichte Nr. 5/08 vom 11. Februar 2008 und Nr. 6/2009 vom 03. Februar 2009

Presseberichterstattung vom 9. März 2009 bis zum 20. Juni 2009

Täterschaft

§ 25 StGB

(1) Als Täter wird bestraft, wer die Straftat selbst oder durch einen anderen begeht.

(2) Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter bestraft (Mittäter)

Körperverletzung mit Todesfolge

§ 227 StGB

(1) Verursacht der Täter durch die Körperverletzung (§§ 223 bis 226) den Tod der verletzten Person, so ist die Freiheitsstrafe nicht unter 3 Jahren.

(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

Dr. Petra Carl
Pressesprecherin