Landgericht Berlin: Getöteter Säugling- Hohe Freiheitsstrafen für die Eltern (PM 39/2008)

Pressemitteilung vom 29.09.2008

Die Präsidentin des Kammergerichts
- Pressestelle der Berliner Strafgerichte -

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen zum Nachteil seines Sohnes hat heute eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin den 23 Jahre alten Angeklagten Manfred R. zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.
Gegen seine frühere Lebensgefährtin und Mutter des Kindes, die 20-jährige Angeklagte Daniela F., erkannte die Kammer auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen Beihilfe durch Unterlassen zu den Taten des Angeklagten. Beide Angeklagten verblieben in Untersuchungshaft.

Der Vorsitzende fand in seiner mündlichen Urteilsbegründung deutliche Worte für die Angeklagten und das Tatgeschehen:

Das am 9. Dezember 2007 geborene Kind sei durch eine „zutiefst verabscheuungswürdige Tat“, die „unbegreiflich“ und „nicht nachzuvollziehen“ sei, am 23. Januar 2008 getötet worden.
Manfred R. hatte nach den Feststellungen des Gerichts am Vormittag dieses Tages seinen Sohn so grob angefasst, geschüttelt und misshandelt, dass der knapp sechs Wochen alte kleine Junge massive Hirnverletzungen erlitt, denen er nur wenig später erlag.
Die angeklagte Mutter des Kindes habe dies zugelassen und sei nicht eingeschritten. Sie habe die Beziehung zu R. unbedingt aufrechterhalten und ihn nicht verärgern wollen.

Die Beweisaufnahme habe erbracht, so der Vorsitzende, dass der Säugling eine Vielzahl älterer Verletzungen aufgewiesen habe. In derartig gelagerten Fällen werde wenig über das Opfer geredet, dafür umso mehr über die Täter. Aber es sei schwer, „über ein nicht ganz sechs Wochen altes Baby zu reden, das einen Großteil seines Lebens Schmerzen hatte, die ihm sein Vater zufügte, während die Mutter zuschaute“.

Beide Angeklagte hätten – auch nach sachverständiger Beurteilung – Persönlichkeitsdefizite aufgewiesen, seien unreif gewesen und hätten eine „verkorkste“ Beziehung geführt. Der Angeklagte R. habe zudem Drogen konsumiert; es sei bei beiden Angeklagten nicht auszuschließen, dass sie zur Tatzeit in ihrer Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen seien. Für sie sprächen darüber hinaus die abgelegten Geständnisse in der Hauptverhandlung.

Vorwürfe gegen staatliche Stellen lägen neben der Sache, so die Urteilsbegründung.
„Die Stellen waren da und haben sich bemüht, obwohl es nicht einmal direkte Anzeichen für eine Misshandlung oder gar Tötung des Kindes gegeben hat.“ Es sei niemand da, auf den man die „Schuld schieben“ könne, diese liege bei den Angeklagten.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

Pressemitteilung der Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Nr. 6/08 v. 24. Januar 2008 und Nr. 47/08 v. 23. Juni 2008

Presseberichterstattung vom 25. Januar 2008 bis zum 6. September 2008

Iris Berger
Pressesprecherin