Das Gerichtsgebäude in der Turmstraße

Entworfen wurde das Kriminalgericht Moabit von den Architekten Rudolf Mönnich (1854 – 1922) und Carl Vöhl (1853 – 1932) nach vierjähriger Bauzeit wurde das Kriminalgericht am 17.April 1906 als “Königliches Criminalgericht” eingeweiht. Die Bodenfliesen der Eingangshalle enthalten noch heute die Initialen “KCG”.

Es handelt sich bei dem Bau eigentlich um das “Neue Kriminalgericht”. Denn bereits seit 1881 befand sich das “Alte Kriminalgericht” an der Ecke Alt-Moabit/Rathenower Straße. Dieses war jedoch zu kein geworden. Aufgrund erheblicher Beschädigungen im 2. Weltkrieg wurde es 1953 endgültig abgerissen.

Zu seiner Zeit war das neue Kriminalgericht modern und einzigartig. So war es der erste Stahlbetonbau auf dem europäischen Festland und das erste elektrisch erleuchtete Gebäude Berlins. Die hierfür benötigte Energie wurde zu Beginn durch ein eigenes Kraftwerk erzeugt. Es verfügte außerdem über eine eigene Uhren- und Telefonanlage sowie einen Wasserturm, der das hauseigene Wassersystem mit dem nötigen Wasserdruck versorgte. Hervorzuheben ist auch das umfassende Gänge- und Lüftungssystem, das es ermöglichte, die Angeklagten von dem anliegenden Untersuchungsgefängnis ohne mögliche Kontaktaufnahme zu den Zeugen nichtöffentlich zu den Gerichtssälen zu führen.

Besonders beeindruckend präsentiert sich die geschwungene Haupttreppe in der Eingangshalle des Kriminalgerichts Moabit – vielleicht aufgrund der zweckgerichteten “Einschüchterungsarchitektur” der damaligen Zeit.
Der fast sakrale, jedenfalls außerordentliche Effekt der Treppenhalle wird hauptsächlich dadurch bewirkt, dass die Treppenläufe nicht wie gewöhnlich übereinander, sondern auseinander gezogen sind. Die monumentale Mittelhalle mit einer Höhe von 29 Metern überspannt eine Fläche von 40 mal 27 Metern. Sogar das Brandenburger Tor würde hier hineinpassen. Imposant ist auch die in der Haupthalle thronende Figurengruppen: Sie symbolisiert die Religion, Gerechtigkeit, Streitsucht, Friedfertigkeit, Lüge und Wahrheit.

Vor dem Eingang in der Wilsnacker Straße ist das von A. Wolff geschaffene Bronzestandbild “Löwe, seine Jungen gegen eine Schlange verteidigend” zu sehen. Es soll den siegreichen Kampf der Gerechtigkeit gegen das Schlangengezücht der Lüge symbolisieren.

Über diesen Eingang erreicht man die Anbauten B, C, D und E des Gerichts. Sie waren erforderlich, da die anfänglichen 21 Sitzungssäle im Altbau nicht ausreichten. Das direkt über den Eingang zu betretende Gebäude B wurde 1991 fertig gestellt und stellt den vorerst letzten Erweiterungsbau dar. Insgesamt verfügen Alt- und Anbauten des Kriminalgerichts nunmehr über 60 Sitzungssäle.