PM: Anklage gegen zwei Brüder wegen Ermordung ihrer Schwester als Bestrafung für ihre westliche Lebensweise

Pressemitteilung vom 28.12.2021

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat gegen die beiden 26 und 22 Jahre alten afghanischen Brüder
Sayed H. und Seyed H. vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin Anklage
wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen erhoben. Die Angeschuldigten sollen ihre 34-
jährige Schwester am 13. Juli 2021 in Berlin unter einem Vorwand zu einem Treffen gelockt
und sie am Nachmittag des Tattages gemeinschaftlich durch Drosseln, Würgen und
Aufschneiden der Kehle getötet haben. Die Leiche ihrer Schwester sollen sie noch am Tattag
in einem Rollkoffer mit einem Taxi zu einem Berliner Fernbahnhof, von dort mit der Bahn nach
Bayern und schließlich mit einem PKW in die Nähe des Wohnortes des 26-jährigen
Angeschuldigten transportiert und dort vergraben haben.

Der Anklageschrift zufolge wollten sie ihre Schwester durch die Tat für ihren westlich
orientierten Lebenswandel bestrafen, der nicht ihren archaischen Ehr- und Moralvorstellungen
und ihrem Frauenbild entsprach. Insbesondere wollten sie nicht hinnehmen, dass ihre
Schwester sich nach Gewaltvorfällen von ihrem Ehemann, mit dem sie im Alter von 16 Jahren
verheiratet worden war, hatte scheiden lassen und einem anderen Mann zugewandt hatte.
Beide Angeschuldigten sind seit dem 3. August 2021 in Untersuchungshaft.

Steltner
Oberstaatsanwalt
Pressesprecher