Erben und vererben

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Die Frage, wer nach dem Tod einer Person erbt, ist nicht nur für die Hinterbliebenen von größter Bedeutung. Möchte eine Person an jemanden anderen außerhalb der gesetzlichen Erfolge vererben oder sind keine Erben vorhanden, muss der Nachlass frühzeitig in einem Testament geklärt werden.

Wer erbt?

Erbrechtsansprüche hängen hauptsächlich davon ab, welches Verwandtschaftsverhältnis zur verstorbenen Person bestand, denn grundsätzlich erben in Deutschland nur Verwandte. Daneben ist zu berücksichtigen, ob die verstorbene Person verheiratet war oder bis zum Tod in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt hat oder ob ein Testament hinterlassen wurde.

Was ist mit „gesetzlicher Erbfolge“ gemeint?

Aufgrund der gesetzlichen Erbfolge sind

  • Erben erster Ordnung Abkömmlinge, also Kinder und Enkel.
  • Erben zweiter Ordnung sind die Eltern der verstorbenen Person und deren Kinder, also Geschwister, Nichten und Neffen.
  • Erben dritter Ordnung sind Großeltern oder deren Abkömmlinge (z. B. Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins).

Nehmen Erben der ersten Ordnung das Erbe an, sind die Erben der zweiten und dritten Ordnung nicht mehr erbberechtigt. Innerhalb einer Ordnung treten die Abkömmlinge nur dann an die Stelle ihrer Eltern, wenn diese bereits verstorben sind oder das Erbe ausschlagen.

Gibt es Erben der ersten Ordnung, erbt der hinterbliebene Teil der Ehegemeinschaft oder Lebenspartnerschaft die Hälfte des Nachlasses. Gibt es Erben der zweiten Ordnung und Großeltern erbt der Hinterbliebene Teil der Ehegemeinschaft oder Lebenspartnerschaft drei Viertel. Wer nicht verheiratet ist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, erbt nicht automatisch. Er oder Sie muss dafür in einem Testament bedacht worden sein.

Was regelt ein Testament?

Durch ein Testament lässt sich von der gesetzlichen Erbfolge beliebig abweichen („Testierfreiheit“). Wer ein Testament macht, muss allerdings berücksichtigen, dass einige enge Verwandte Anspruch auf einen Pflichtteil haben. Falls solche Verwandte durch ein Testament enterbt werden, steht ihnen ein Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils zu. Berücksichtigt werden muss, dass der Pflichtteilsanspruch immer ein Geldanspruch ist. Wenn der Nachlass vorwiegend aus Sachwerten besteht, werden Pflichtteile ausgezahlt.

Was tun wenn man erbt?

Wer im Besitz des Testaments einer verstorbenen Person ist, muss dieses zusammen mit der Sterbeurkunde unverzüglich an das Amtsgericht schicken, in dessen Bezirk die verstorbene Person zuletzt gewohnt hat. Beim sogenannten Nachlassgericht, das für Erbschaftsangelegenheiten zuständig ist, wird auch der Erbschein beantragt, den Erben benötigen, um ein Erbe annehmen zu können.

Nicht in jedem Fall ist allerdings einen Erbschein erforderlich. Oftmals genügt ein vom Amtsgericht eröffnetes Testament. Sofern ein Grundstück, eine Eigentumswohnung oder erhebliches Vermögen zum Nachlass gehören, wird ein Erbschein verlangt.

Wenn man als Erbe in Betracht kommt, gibt es auch die Möglichkeit, dieses auszuschlagen. Dazu muss innerhalb von sechs Wochen dem Nachlassgericht eine entsprechende Erklärung übermittelt werden. Das ist vor allem dann ratsam, wenn die Schulden der verstorbenen Person die hinterlassenen Vermögenswerte übersteigen.

Wer unterliegt der Erbschaftsteuerpflicht?

Alle Erben unterliegen der Erbschaftsteuerpflicht. Wer mit dem Erblasser - der verstorbenen Person - nicht nahe verwandt oder verheiratet war, muss höhere Steuern zahlen. Die Steuerklassen der Erbschaftssteuer und die Freibeträge sind je nach Verwandtschaftsverhältnis gestaffelt. Für Witwen und Witwer gibt es außerdem Freibeträge. Kinder oder – im Falle ihres Vorversterbens – Enkel sind unter den gleichen Voraussetzungen wie Ehegatten oder Lebenspartner bezüglich eines von ihnen ererbten bebauten Grundstücks von der Erbschaftsteuer befreit, wenn sie die Selbstnutzung unverzüglich aufnehmen und – als zusätzliche Bedingung – die Wohnfläche der Wohnung 200 m² nicht übersteigt (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG).

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