Im Interview: Die KEK und ihr Angebot für Berliner Unternehmen

Eine Interviewerin schreibt Text und hält das Mikro in der Hand

Interview mit der Koordinierungsstelle für Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) im Rahmen des Sondernewsletters des Masterplans Industriestadt Berlin: Timon Meyer und Grit Golda, T-Base Consulting, sprachen mit Dr. Kirsten Kubin, ÖKOTEC, und Jakob Brückner, VDI/VDE-IT.

Was ist die Aufgabe der KEK und was macht ihr Angebot in Berlin einzigartig?

Kubin: “Die KEK unterstützt als zentrale Anlaufstelle kleine und mittlere Unternehmen aus Berlin bei der Umsetzung von Energieeffizienz- sowie Klimaschutzmaßnahmen, da besonders in diesen Unternehmen der Fokus häufig auf dem Kerngeschäft liegt und daher wenig Zeit und Ressourcen bereitstehen, um sich anderen Themen und Aufgaben zu widmen. Hauptziel der Koordinierungsstelle ist es daher, KMU zu motivieren, sie in ihren Energie- und Klimazielen zu unterstützen und einen niedrigschwelligen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen. Zudem übernimmt sie eine Lotsenfunktion: einmal durch den Förderdschungel und einmal, um die richtigen Ansprechpersonen zu finden.”

Brückner: “Die KEK bietet ein kostenfreies und neutrales Beratungs- und Unterstützungsangebot für Unternehmen mit Sitz in Berlin, dass sich zum einen an diejenigen richtet, die sich bisher noch nicht mit Energieeffizienz und Klimaschutz auseinandergesetzt haben, aber zum anderen auch an jene, die bereits erste Vorstellungen haben und eine Beratung für ihr weiteres Vorgehen oder auch Wissen über Fördermöglichkeiten benötigen. Zudem vermitteln wir die Unternehmen bei Bedarf an spezialisierte Expertinnen und Experten und weitere Beratungsstellen wie das Solarzentrum Berlin, die IHK oder auch Berlin Partner.”

Welchen Mehrwert bietet die KEK gegenüber bereits bestehenden Angeboten und Beratungsstellen?

Brückner: “Ein großer Vorteil dürfte sein, dass wir in unserer Ansprache offen für alle Berliner Unternehmen sind, anders als exklusive Beratungsangebote, die sich zum Beispiel nur an die jeweiligen Mitgliedsunternehmen wenden oder nur branchenspezifisch agieren. Das Basisangebot, unsere Hotline, ist eine niedrigschwellige Erstberatungsmöglichkeit und kann in einer kostenfreien KMU-Detailberatung münden.”

Kubin: “Die Beratungen werden zudem von Ingenieurinnen und Ingenieuren durchgeführt, die jahrelange Erfahrung haben und teils hochgradig spezialisiert sind. Als von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe getragene Stelle beraten wir zudem themenoffen, unabhängig und neutral.”

Übernimmt die KEK die Aufgaben der freien Beraterinnen und Beratern? Ergibt sich hier eine Konkurrenzsituation oder kurbeln Sie mit der KEK den Markt sogar an?

Kubin: “Solche Fragen kommen verständlicherweise auf, da wir ja erst seit Februar am Markt sind. Wir sehen uns vor allem als Impulsgeber, die den Unternehmen Möglichkeiten und nächste Schritte aufzeigen. Nach erfolgten Beratungen durch uns empfehlen wir ggf. entsprechende Expertinnen und Experten sowie weitere Anlaufstellen und kurbeln so den Markt zukünftig sicherlich an.”

Worum geht es insbesondere bei den Beratungsgesprächen? Können Sie uns einen Einblick in die Themen und die Beratungstiefe geben?

Brückner: “Die KMU-Detailberatung, die insgesamt bis zu acht Stunden umfasst, kann an die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen ausgerichtet werden. Durch die fachliche Bandbreite der zur Verfügung stehenden Beraterinnen und Berater für die KMU-Detailberatung können je nach Bedarf auch einzelne Themenbereiche, wie z. B. konkrete Optimierungsideen im Bereich der Versorgungs- oder Produktionstechnik, die Prüfung der Fördervoraussetzungen bestimmter Maßnahmen oder auch die vollständige Transformation hin zu einem klimaneutralen Unternehmen in den Fokus genommen werden. Zudem werden nächste Schritte zur Weiterentwicklung möglicher Maßnahmen aufgezeigt.”

Wie stellen Sie sicher, dass ihr Angebot dem tatsächlichen Bedarf der Unternehmen entspricht?

Kubin: “Wir beobachten die gestellten Anfragen, um den tatsächlichen Beratungsbedarf der Berliner Unternehmen einschätzen zu lernen und unser Beratungsangebot entsprechend auszugestalten. Wichtig ist uns, die Unternehmen dort abzuholen, wo sie bereits stehen. So hatten wir zum Beispiel die Anfrage eines Unternehmens, dessen Ziel die Treibhausgasneutralität ist. An dieser Stelle hätte ein standardisierter Energie-Audit keinen Sinn gemacht, da das Unternehmen in den eigenen Überlegungen schon sehr viel weiter war. Wir betrachten jede Anfrage individuell und ordnen ein, ob wir sie mit unserem Angebot abdecken können oder weitervermitteln.”

Brückner: “Zudem lassen sich auch klare Trends in den Nachfragen über die Hotline erkennen, die wir monitoren und in unserem Beratungsprogramm aufgreifen. Aktuell sind das vor allem Fragen zur Transformation hin zu Klimaneutralität, aber eben auch die bereits angesprochene Treibhausgasbilanzierung und entsprechende Kompensationsprogramme oder – aufgrund der politischen Lage – das Thema Solar, bei dem wir in der Regel aber an das Solarzentrum Berlin weiterverweisen.”

Wie würden Sie eine Unternehmerin oder einen Unternehmer vom Nutzen von Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen überzeugen?

Kubin: “Die aktuelle weltpolitische Lage trägt dazu bei, dass Themen wie Klimaschutz, aber ganz besonders auch Energieeffizienz, ganz oben auf der Agenda stehen. Diese Phase wollen wir natürlich bestmöglich begleiten und mit handhabbaren Lösungen unterstützen. Nichts ist schließlich schlimmer, als wenn Interesse besteht, aber es keine Anlaufstelle gibt, die kostenfreie und niedrigschwellige Beratungsangebote zur Verfügung stellt. Aktuell befinden wir uns zudem in einer Phase, in der das Klimaschutz- und Energieengagement der Unternehmen auch von staatlicher Seite gefördert wird. In ein paar Jahren könnte daraus eher ein Fordern werden. Daher empfehlen wir den Unternehmen, sich schon jetzt mit den Möglichkeiten zu befassen. Mit Vorträgen und der Präsenz auf Messen und Konferenzen versuchen wir, genau hierfür zu sensibilisieren und die Angebote der KEK bekannter zu machen.”

Brückner: “Zudem gibt es für viele Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen sehr interessante Fördermöglichkeiten, die die Amortisationszeiten solcher Maßnahmen deutlich verkürzen und somit sehr attraktiv für Unternehmen machen. Hier können wir geeignete Investitionsprogramme zur Förderung von Klimaschutz und Energieeffizienz speziell für die Industrie empfehlen und somit eine Neubewertung der Rentabilität anreizen. Außerdem kann die Umsetzung solcher Maßnahmen langfristig einen erheblichen Wettbewerbsvorteil und sogar Innovationssprung für Unternehmen bedeuten. Auch das ist ja ein Ziel der KEK: Die Berliner Wirtschaft stärken und zukunftsfähig machen.”

Welche Aufgabe erfüllt die KEK im Hinblick auf Netzwerke für Energieeffizienz und Klimaschutz?

Kubin: “Die KEK ruft selbst keine neuen Netzwerke ins Leben, möchte die Gründung aber natürlich unterstützen und Unternehmen sowie Institutionen auch dazu motivieren, sich anzuschließen. Der Aufwand für eine Netzwerkteilnahme, sei es finanziell oder auch zeitlich, erscheint vielen KMU nicht machbar. Daher versuchen wir als KEK aufzuklären und über niedrigschwellige Informations- und Austauschformate die Vorteile eines solchen Zusammenschlusses erlebbar zu machen.”

Welche Austausch- und Vernetzungsangebote sind im Allgemeinen geplant und welche Informationsveranstaltungen und Austauschformate planen Sie noch für 2022?

Kubin: “Wir setzen zum Beispiel auf Informationsveranstaltungen und Dialogformate, wie runde Tische, zu denen interessierte Unternehmen eingeladen werden, um sich zu Fachthemen zu informieren und in den Austausch zu kommen. Entsprechende Termine und Themen veröffentlichen wir auf unserer Website. Noch bis Ende Juni erheben wir dort über zwei Abfragen, die aktuellen Bedarfe sowie relevante Themen. Eine Abfrage richtet sich dabei an potenzielle Netzwerkträgerinnen und Initiatoren und die andere an interessierte Unternehmen. Wir erhoffen uns rege Beteiligung, um im Anschluss passgenaue Informationsveranstaltungen initiieren zu können.”

Wie sieht die Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Akteurinnen und Akteuren aus dem Kontext Energieeffizienz und Klimaschutz aus?

Brückner: “Wir stehen im regen Austausch mit Berliner Multiplikatoren, wie den Kammern und Innungen, Berlin Partner, den Bezirklichen Wirtschaftsförderungen und weiteren Beratungsstellen des Landes, wie dem SolarZentrum oder Bauinfozentrum. Außerdem sind wir im Kontakt mit bestehenden Netzwerken bzw. jenen, die derartige Netzwerke betreuen wie der dena (Deutsche Energie-Agentur) oder auch der IHK, um deren Erfahrungswerte in die Entwicklung unseres Portfolios einzubeziehen. Wir sind in der vorteilhaften Situation, unser Beratungsangebot jederzeit anpassen und spezifizieren zu können und nutzen dafür gern das Feedback der Kolleginnen und Kollegen anderer Einrichtungen, aber natürlich vor allem das der Berliner Unternehmen, die mit uns in Kontakt treten.”

Kubin: “Die zentrale Zielsetzung der KEK ist die produkt- und anbieterunabhängige Beratung, daher verweisen wir bei Bedarf auf weitere staatliche Beratungsangebote und überlassen den Raum für detailliertere Unterstützung dann dem freien Markt.”

Können Sie uns mehr zu den Qualifikationen der Beraterinnen und Berater sagen, die die KMU-Detailberatung vornehmen?

Kubin: “Die Beraterinnen und Berater der KEK sind bei der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) gelistete Energieberaterinnen und Energieberater. Sie haben sehr spezifische Qualifikationen, zum Beispiel im Bereich Treibhausgasbilanzierung, und verfügen zudem über jahrelange Erfahrung in der Beratung von Unternehmen in der Industrie und im Gewerbe.”

Brückner: “Es ist eines der Steckenpferde der KEK, dass wir mit Beraterinnen und Beratern arbeiten, die ausschließlich in der Beratung von Industrie und Gewerbe in der Energieeffizienzberatung und dem Klimaschutz engagiert sind und entsprechende Erfahrungswerte einbringen. Der breite Pool an vorhandenen Qualifikationen und Spezialisierungen macht es möglich, dass wir die Beraterinnen und Berater entsprechend der Bedürfnisse des Unternehmens auswählen, um bestmöglich unterstützen zu können.”

Wie hilft die KEK Berliner Unternehmen dabei, Einsparpotenziale zu identifizieren?

Brückner: “Durch den schon angesprochenen großen Pool an Beraterinnen und Beratern, versuchen wir zeitnah die aufkommenden Anfragen zu beantworten und dabei produkt- und anbieterneutral zu informieren. Stellen Sie sich vor, Sie sind interessiert und erhalten dann die Aussage „In vier Wochen könnten wir einen Termin machen“. Da würde das Interesse sehr schnell verebben, und dem versuchen wir entgegenzuwirken. Manchmal reicht eine erste Information durch die Basisberatung über unsere Hotline schon aus, aber häufig sind es dann doch spezielle Nachfragen, die im Rahmen der KMU-Detailberatung aufgegriffen werden.”

Die aktuelle Nachfrage für diese Themen ist höher als noch zu Beginn des Jahres. Ist die KEK auf einen möglichen Ansturm vorbereitet?

Brückner: “Wir haben ein entsprechend großes Personal-Backup innerhalb des umsetzenden Konsortiums aus VDI/VDE-IT und ÖKOTEC Energiemanagement und können auch eine erhöhte Nachfrage sehr gut abdecken.”

Wie schätzen Sie das Klimaschutz-Engagement der Berliner Wirtschaft im Bundesvergleich ein?

Brückner: “Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und auch das Teilziel der Emissionsminderung bis 2030 haben Vorreitercharakter, sind aber natürlich auch eine Herausforderung. Die aktuelle weltpolitische Lage gibt gerade noch einmal einen großen Schub in Richtung des Ausbaus erneuerbarer Energien, aber auch zum Beispiel die auf Bundesebene diskutierte Solarpflicht für das Gewerbe. Es ist grundsätzlich zu beobachten, dass viele Unternehmen die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz auf der Agenda haben und mitunter jetzt die Kaffeerösterei, die jahrelang die Abwärme ungenutzt in die Luft geblasen hat, doch darüber nachdenkt, eben jene für die Quartiersversorgung zu nutzen und dadurch 10.000 Wohneinheiten über das Fernwärmenetz zu beheizen. Unser Ziel ist es, mit Hilfe der KEK dazu beizutragen, solche Potenziale zu heben und zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.”

KEK-Leitung
Link zu Mareike Rösler