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Hall of Fame – Portraits von Ehrenamtlichen in Moabit

Als Hall of Fame wird eine Ruhmeshalle bezeichnet, in der die bedeutendsten Vertreter des jeweiligen Bereiches geehrt werden. Die vorliegende Hall of Fame ist eine Abwandlung davon, denn wer wollte es wagen zu beurteilen, wessen ehrenamtlicher Beitrag zum Leben im Kiez bedeutungsvoller ist als der Anderer? Darum wurden die Ehrenamtlichen, die in dieser Ausstellung portraitiert werden, auch nicht ausgewählt sondern im Rahmen des Ehrenamtstags 2006 ausgelost.

Das Ziel dieser Ausstellung ist es, einige der Menschen, die sich hier im Quartier in den vergangenen Jahren mit ihrem Engagement eingebracht haben, vorzustellen, um damit auch Anderen Mut zu machen und sie zu motivieren: es ist ganz leicht, sich, im besten Sinne, einzumischen - und die Wirkung ist enorm! Die, die das bereits tun, erzählen in dieser Ausstellung ein bisschen davon und was das für sie bedeutet.

Es hat mir großen Spaß gemacht, mich meinen Gesprächspartnern und -partnerinnen mit meinen Fragen und dem Objektiv der Foto-Kamera nähern zu dürfen. Ich bedanke mich bei allen für ihr Vertrauen und ihre Offenheit.

Übrigens: eine andere Definition beschreibt eine Hall of Fame als eine „große, legale Fläche, an der oft große, gute Bilder zu sehen sind“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Kennenlernen der portraitierten Ehrenamtlichen.
Eva-Maria Kaes


Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und mit Unterstützung des Quartiersmanagement Moabit West

Alexander Soth

wird geehrt für sein Engagement im Mediationsprojekt Moabit West. Das Themenfeld Recht und Unrecht und die Frage nach Konflikten und ihren Lösungen liegt ihm im Blut: der gebürtige Heidelberger ist der Sohn eines Rechtsanwaltes und diesem Fach durch das eigene Studium eng verbunden.

2003/04 nahm er an der vom Quartiersmanagement Moabit West initiierten Ausbildung in Gemeinwesen-Mediation teil. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, ihre Kenntnisse als Konfliktvermittler ehrenamtlich für die Anwohner des Kiezes zur Verfügung zu stellen. Das reizte Alexander Soth:
„Ich finde es schön, wenn ich Kontakt habe mit den Leuten in meiner Umgebung, wenn ich die kenne, denen ich auf der Straße begegne, wenn man sich grüßt, ein Schwätzchen hält ... Das ist mein Gegengewicht zur Anonymität der Großstadt“.

Seither ist er im Quartiersgebiet Moabit West ehrenamtlich als Mediator tätig. Daneben hat er maßgeblichen Anteil am Aufbau des Mediationsprojektes Moabit West, einer Gruppe von ehrenamtlichen Mediatoren und Mediatorinnen, mit denen er seit 2004 daran arbeitet, das Angebot für Mediation und Konfliktberatung im Quartiersgebiet bekannt zu machen und zu etablieren.

Aber sein Engagement reicht noch über diese Tätigkeit hinaus: seit mehreren Jahren leitet Alexander Soth die wöchentlichen Treffen einer Moabiter Selbsthilfegruppe und ist überdies auch literarisch tätig: seine „Moabit Monologe“ und andere Werke hat er bereits öffentlich vorgetragen. Über ein Zuviel an Freizeit kann sich der vielseitige Moabiter also gewiss nicht beklagen – dennoch sagt er: „Bürgerschaftliches Engagement ist mir wichtig, denn ich möchte etwas über meine persönlichen Interessen Hinausgehendes mitgestalten“!

Eben dadurch gewinnt sein Appell an Dringlichkeit: „Die Erkenntnis, dass nicht nur das etwas wert ist, womit man viel Geld verdienen kann, hat sich - insbesondere in der Politik- noch nicht durchgesetzt. Wenn wir alle so handeln, werden wir zu einer Gesellschaft von entsolidarisierten Egoisten. Wir müssen umdenken“!

Andrea Freimüller

wird geehrt für ihr ehrenamtliches Engagement als Elternsprecherin in der Wartburg-Schule. Auf die Frage, was ihr ehrenamtliches Engagement für sie denn bedeutet, lacht Andrea Freimüller zuerst einmal ihr ansteckendes, freundliches, gutgelauntes Lachen – die gelernte Krankenschwester lacht überhaupt viel und gern.

Sie findet es ganz nahe liegend, sich ehrenamtlich einzubringen – „geradezu unvermeidlich“ - und lacht: „Ich habe schon immer mitgemacht, wenn es die Möglichkeit dazu gab. Ich kann das gar nicht anders, das habe ich im Blut! Früher war es halt ein Engagement im Rahmen der Arbeit; seit die Kinder da sind, richtet es sich danach, an welcher Lebensstation sich die beiden Mädchen gerade befinden. Solange sie den Kinderladen besuchten, habe
ich eben da mitgemacht. Seit sie zur Schule gehen, bringe ich mich dort ein. Dadurch kriege ich als Mutter auch viel mehr von mit, was so hinter den Kulissen geschieht und kann vieles besser nachvollziehen.“

Und da die beiden Töchter altersmäßig drei Jahre auseinander liegen, kommt es natürlich auch vor, dass die Jüngere noch im Kinderladen ist, die ´Große´ aber schon die Schulbank drückt – oder, wie es jetzt grade ist: die 13-jährige besucht bereits die Oberschule, während die 10-jährige noch zur Grundschule geht. „Na - dann arbeite ich eben bei beiden Einrichtungen mit“, sagt Andrea Freimüller - und lacht.

Auf diesem Weg kam sie auch zu einem neuen Job: nachdem sie immer wieder als ´ehrenamtliche Mutter´ eingesprungen war, bot man ihr eines Tages eine feste Stelle als Erziehungs-Helferin im Moabiter Schülerladen Regenbogen an – und Andrea Freimüller sagte zu. Und -wen wundert´s – auch hier engagiert sie sich: „Wir haben mit anderen Schülerläden im Kiez einen Verbund gegründet.“

Für die, die sich ehrenamtlich einbringen, wünscht sich Andrea Freimüller mehr Würdigung und Anerkennung ihrer Leistungen: “Eine kleine Aufmerksamkeit, ein kleines Dankeschön – das tut gut und zeigt, dass man mit seinem Einsatz noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Das ist die beste Motivation!“ Sagt sie – und lacht...

Arlete von Kries

Mit der Ehrenamts-Urkunde wird das Engagement von Arlete von Kries im Schulgarten wertgeschätzt. Sie hilft dort bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen und Bazaren. Zu diesem Ehrenamt kam die gebürtige Brasilianerin durch ihre beiden Kinder, die dort oft und gerne die angebotenen Freizeit- und Ferien-Kurse besuchen.

Wenn Arlete von Kries in bedachten Worten darüber redet, wie wichtig es für die Entwicklung von Kindern ist, solche Eindrücke von Kunst und Natur zu erleben und mitzugestalten, wie sie in den Schulgarten-Kursen vermittelt werden, dann spricht aus ihr die Expertin. Sie ist promovierte Neuropsycholinguistikerin, d.h. sie erforscht, wie das Gehirn neue Informationen verarbeitet, insbesondere beim Erwerb neuer Sprachen und Musik. Wegen eines Forschungsprojektes auf ihrem Fachgebiet kam sie vor rund 14 Jahren nach Deutschland – und lernte dabei ihren jetzigen Ehemann Klaus kennen – die beiden Kinder Philipp und Lina sind jetzt 10 und 8 Jahre alt ….

Auf ihre ehrenamtlichen Einsatz angesprochen, winkt Arlete von Kries bescheiden ab: „Ich mache gar nicht so viel; es gibt andere, die sind im Schulgarten viel aktiver als ich. Und außerdem macht es mir auch Spaß, mit dabei zu sein, wenn dort gemeinsam etwas vorbereitet wird. Meistens sind es ja die Mütter, die im Schulgarten aktiv mithelfen, und das ist auch gut so! Wir geben damit unseren Kindern ein gutes Vorbild!“

Darüber hinaus ist es für sie völlig normal, sich für etwas, das sie gut findet, auch einzusetzen: „Ich nehme Anteil an dem, was meine Kinder erleben, und wenn ich mithelfen kann, etwas Gutes zu unterstützen, dann tue ich das natürlich.“

Für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich sehr stark in ihrem jeweiligen Bereich engagieren und immer zur Stelle sind, wenn Hilfe gebraucht wird, wünscht sich Arlete von Kries eine besondere Anerkennung: „Eine Wertschätzung dieses Engagements halte ich für sehr wichtig, denn ohne diesen Einsatz würde vieles gar nicht funktionieren; das könnte man ja überhaupt nicht finanzieren. Und Anerkennung tut gut und motiviert“.

Bernd Hildebrandt

Anstelle seines Namens könnte man auch sagen „Heimatmuseum Tiergarten“ oder, seit der Eingliederung der Tiergartener Einrichtung in ein Gesamt-Museum für den Bezirk Mitte, „Geschichtswerkstatt Tiergarten“ - und es wüsste jeder, wer damit gemeint ist! Kaum ein Anderer hat sich so sehr für die Erforschung der Lokalgeschichte engagiert wie der ehemalige Leiter des Heimatmuseums Tiergarten, Bernd Hildebrandt. In den 13 Jahren seines Wirkens zwischen 1990 und 2003 zeigte das Heimatmuseum viele spannende Ausstellungen, die die Historie des Stadtteils erhellten.

Mit Bernd Hildebrandt über sein ehrenamtliches Engagement zu sprechen, ist nahezu unmöglich: ehrenamtliches Engagement? – Forschen über die Vergangenheit ist für ihn kein Ehrenamt, es ist seine Leidenschaft. Er sprudelt über vor Informationen, Hinweisen auf historische Hintergründe und geschichtliche Zusammenhänge. Durch seine jahrelangen Recherchen weiß er sehr viel über den Bezirk und seine Geschichte. Die Verbindung zwischen unserer Gegenwart und der Vergangenheit ist für ihn ganz lebendig und stets präsent – und das Beste daran ist: er ist auch in der Lage, andere an dieser Leidenschaft teilhaben zu lassen und zu eigenen Nachforschungen ´anzustiften´. Wer Bernd Hildebrandt zuhört, versteht Zusammenhänge und bekommt einen schärferen Blick für Details.

Ehrenamtliches Engagement? – „Ja, was soll denn aus all dem Wissen der Zeitzeugen werden, die jetzt noch leben? Wer erhält denn diese Erfahrungen für die Nachwelt?“ – Genau dafür setzt er sich gemeinsam mit anderen im Heimatverein und Geschichtswerkstatt Tiergarten e.V. ein, der aus dem ehemaligen Förderverein des Heimatmuseums hervorgegangen ist. „Das sind sehr engagierte Leute, die sich der weiteren Erforschung der Geschichte des Stadtteils widmen – und die machen das auch alles ehrenamtlich!“ sagt Bernd Hildebrandt.

Seit der Schließung des Heimatmuseums organisiert Bernd Hildebrandt die Angebote der Geschichtswerkstatt. Ehrenamtliches Engagement? - Das hat für ihn auch eine politische Dimension: „Wir wollen nicht, dass Institutionen, die im Kiez für Identifikation sorgen, einfach sang- und klanglos verschwinden!“

Eva Schürmann

Die gebürtige Harzerin erhält die Ehrenamts-Urkunde als Dank für ihr großes Engagement in der Sankt-Johannis-Kirchengemeinde in Moabit. Sie betreut das Gemeindebüro, hat ein offenes Ohr für die Nöte der Gemeindemitglieder, die immer mal vorbeikommen und jemanden brauchen, der ihnen zuhört; sie kümmert sich um die Mitarbeiter, die im Rahmen einer Maßnahme vom JobCenter in der Kirchengemeinde eingesetzt wurden und sorgt für reibungslose Kontakte zwischen Gemeinde, Verwaltung und Behörden. Bei all dem behält Eva Schürmann noch immer den Überblick über die Abläufe innerhalb der Gemeinde-Verwaltung, denn: „Wie soll denn der Pfarrer das alles alleine schaffen? Das ist doch gar nicht möglich!“

Dabei empfindet sie ihre Tätigkeit nicht mal als Arbeit: „Wenn ich hier bin, vergesse ich alles. Ich glaube, wir sind hier auf der Insel der Glückseligen! Wir haben einen wundervollen Pfarrer, der sehr offen ist. Wir können mit jedem Vorschlag zu ihm kommen“. Und obwohl sie Rentnerin ist, und sich eigentlich Ruhe gönnen könnte, kommt sie täglich ins Gemeindebüro. „Was soll ich denn zu Hause? – da würde ich ja doch bloß ein Loch ins Sofa liegen“,
sagt sie und lächelt. Dasselbe gilt übrigens auch für ihren Mann, er ist ebenfalls inzwischen als Ehrenamtlicher in der Kirchengemeinde aktiv.

Und Verreisen, der Lieblingszeitvertreib vieler Rentner? – Eva Schürmann winkt ab: „Hin und wieder mal für ein paar Tage an die Küste – ja, das machen wir schon. Aber soviel kann man ja gar nicht verreisen, um so zufrieden zu sein, wie ich es hier bin. Hier werde ich gebraucht und kann mitwirken. Das hat einen hohen Stellenwert für mich.“

Wenn der Pfarrer es wegen seiner vielen Außentermine nicht schafft, dann kümmert Eva Schürmann sich auch schon mal um die Vorbereitungen für den Gottesdienst, denn es gibt – wie in vielen Gemeinden- keinen Küster mehr: „Mein Motto ist Helfen!“, sagt sie, „weil ich weiß, dass kein Geld da ist, um Stellen zu schaffen. Ohne ehrenamtliche Hilfe geht hier alles unter. Darum möchte ich dazu beitragen, dass die Gemeinde am Leben bleibt!“

Gertrude Kölbach-Arabu

„Der Gedanke der Mitmenschlichkeit ist mir von meiner Familie sehr vertraut. Ich erinnere mich gerne an meine Großeltern und Großtanten, deren soziales Denken und Handeln über die Verwandten hinausging. Sie halfen in der Nachbarschaft und waren in Vereinen tätig. „Ich wünsche mir, dass dieses Miteinander in unserer heutigen Zeit wieder öfter gelebt wird. Ich möchte jedenfalls meinen Beitrag dazu leisten.“

Die Ehrenamts-Urkunde erhält sie für ihr Engagement beim SOS Kinderdorf in Moabit, wo sie chinesische Qi-Gong-Übungen (Energieübungen) für Kinder und Erwachsene anbietet. Qi Gong aktiviert die Selbstheilungskräfte und bringt auf der körperlichen, geistigen und seelischen Ebene innere Ruhe, Gelassenheit sowie Klarheit.

Aus eigener Erfahrung weiß Gertrude Kölbach-Arabu, dass es nicht selbstverständlich ist, gesund und innerlich ausgeglichen zu sein. Chronische Krankheiten, Rückenschmerzen, Anspannung und Erschöpfung schränkten ihr Leben ein. Die schulmedizinischen Behandlungen brachten nur vorübergehend Linderung.

Sie lernte Qi Gong kennen. Mit dieser Methode kann die eigene Lebensqualität und Gesundheit verbessert, Krankheiten und Beschwerden vorgebeugt werden. Durch das regelmäßige Praktizieren der Qi-Gong-Übungen erlebte Gertrude Kölbach-Arabu allmählich körperliche und seelische Heilung, die zu Vitalität und Lebensfreude führten. Sie lernte das Leben ganzheitlich zu betrachten, in der die Menschen, die Erde und der Kosmos eine Einheit bilden. „Ich habe viel geschenkt bekommen, worüber ich sehr dankbar bin, und diese Geschenke möchte ich weitergeben.“

In Zukunft möchte Gertrude Kölbach-Arabu auch an Familien Qi-Gong-Übungen vermitteln, damit sie gemeinsam die stärkende und heilende Kraft der kosmischen Energie erfahren können. Mit dem regelmäßigen, gemeinsamen Üben wird ein Raum für mehr Liebe, Toleranz und Respekt füreinander geschaffen. „Etwas, das wir Menschen untereinander und das wir im Umgang mit der Erde, von der wir leben, dringend benötigen.“

Text: Gertrude Kölbach-Arabu, Eva-Maria Kaes

Gudrun Schander

Die Ehrenamts-Urkunde ist ein Dankeschön an Gudrun Schander für ihr Engagement als Elternvertreterin und Elternsprecherin in der Wartburg-Schule. Über die Anerkennung freut sich die Sozialpädagogin: „Ich finde es gut, dass die ehrenamtliche Arbeit eine Wertschätzung erfährt. Es muss ja kein Riesending draus werden – auch eine Kleinigkeit tut da schon ihre Wirkung!“

Mit ihrer esten Ausbildung aus dem Hotelfach kommend, entschied sie sich aus Unzufriedenheit mit dem Job, eine weitere Ausbildung zu machen. Sie schrieb sich an der Uni ein mit der Absicht, Grundschullehrerin zu werden, entdeckte aber im Verlauf ihres Studiums ihr Herz für Jugendliche. Als Themenschwerpunkt wählte sie die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen und war während ihres Anerkennungsjahrs in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tätig. Eine Ausbildung zur Sucht-Sozialtherapeutin schloss sich an, so dass am Ende klar war: ihr Weg führt in die Straßen-Sozialarbeit. In diesem Feld hat sie gelernt, Synergien zu nutzen.

Das Arbeitsgebiet von Gudrun Schander Charlottenburger Norden. Dort gibt es eine Sprayer-Gruppe, die, wie alle Sprayer, immer nach Übungs-Flächen sucht. Da zählte sie einfach Eins und Eins zusammen – und lud die Gruppe kurzerhand ein, sich an einer Aktion in der Wartburgschule zu beteiligen. „Der Anblick der grau-braunen Wand im Schulhof hat mich schon seit der Einschulung unserer Tochter gestört. Da kam mir die Idee, die Charlottenburger Sprayer und die Moabiter Schule zusammen zu bringen!“ Nicht genug damit, sie entwickelte ein Konzept für die Beteiligung der Schüler und Schülerinnen der Wartburg-Schule an der Aktion, mobilisierte andere Eltern als Hilfen bei der Aktion – und organisierte auch gleich die Mittel, um das alles finanzieren zu können …

Ihren Erfahrungen mit ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen entspringt der Appell: „Die, die sich im sozialen Bereich einbringen möchten, sollten sich genau überlegen, was sie leisten können und wollen!“ Sie schließt den Vorschlag an: „Ehrenamtliche Arbeit in bestimmten sozialen Bereichen sollte unbedingt professionell begleitet werden.“

Käthe Jacobi

Käthe Jacobi wird mit der Ehrenamtsurkunde ausgezeichnet für ihr Engagement in der Gemeindearbeit in der Moabiter Heilige-Geist Kirchengemeinde. Die zierliche alte Dame mit den weißen Locken schaut etwas irritiert: „Ich bekomme wofür eine Urkunde?“ fragt sie und lächelt ein wenig unsicher. „Dafür, dass ich den Handarbeitskreis in unserer Gemeinde organisiere? Ach, das …- das ist doch ganz normal!“ wehrt sie dann ab. Dabei ist sie es, die von allen Geehrten am längsten mit ihrer Aufgabe verbunden ist: seit zwölf Jahren bereits betreut sie den wöchentlich
im Gemeindesaal der Heilige-Geist-Kirche stattfindenden Handarbeitszirkel, seit dreiundzwanzig Jahren ist sie Mitglied dieser zumeist aus Frauen bestehenden Gruppe!

Sie zog 1952 als Jungverheiratete mit ihren Mann in die Stephanstraße und ist seither Mitglied der Heilige-Geist Kirchengemeinde, sie bezeichnet sie auch heute noch als „meine Heimat“. Auch als ihr Mann verstarb und sie vor 8 Jahren in eine kleinere Wohnung umzog, die weiter weg, im Wedding lag, blieb sie der Gemeinde verbunden: „Das ist doch eine Herzenssache, das formt einen Menschen!“

Für die Einundachtzigjährige ist der Handarbeitszirkel zu einer Konstanten geworden: „Unser Kreis ist schon so lange zusammen. Wir sind alle verbunden im christlichen Glauben“. Darum beginnt das gemeinsame Handarbeiten mit einer kleinen Andacht. Und seit einigen Jahren - „das ist etwas Neues“, sagt Frau Jacobi- bringt immer im Wechsel eine der Frauen aus der Runde eine Kleinigkeit zu essen mit, „weil gemeinsam essen verbindet“.

Zu den Aufgaben von Käthe Jacobi gehört es, die Materialien für den Handarbeitskreis zu sichten, bei Bedarf Neues zu besorgen und die Kasse zu verwalten. „Alles, was in unserem Zirkel entsteht, wird bei den Bazaren der Kirchengemeinde verkauft. Ein Drittel des Erlöses spenden wir immer einer sozialen Einrichtung. Mit dem Rest können wir dann Anschaffungen für unsere Gemeinde finanzieren, für die es sonst kein Geld gäbe.“ Mit einer Armbewegung umfasst sie den Gemeindesaal: „Die gesamte Einrichtung dieses Raumes samt Beleuchtung – das haben wir mit unseren Mitteln angeschafft!“ sagt sie stolz. „ Und das Geschirr in der Küche auch!“

Klaus-Peter Kurz

Er erhält die Ehrenamtsurkunde als Dank für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in verschiedenen Projekten des Moabiter Ratschlag e.V. Ursprünglich als Helfer für gärtnerische Arbeiten im Schulgarten eingesetzt, hat er bald Spaten und Hacke eingetauscht gegen Computer-Maus und Telefonhörer: er half bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen und Bazaren im Schulgarten und im Stadtschloss; er erstellte Foto-Dokumentationen dieser Ereignisse, war für die Werkstatt im Nachbarschaftshaus tätig, bereitete die Programme der Schulgarten-Kurse vor - und zwischendurch machte er ,,was grade so anfiel.“

Die Geschichte der ehrenamtlichen Tätigkeit von Klaus-Peter Kurz ist die Geschichte eines Menschen, der sich entschieden hat, mit alten Strukturen zu brechen und einen neuen Weg in seinem Leben einzuschlagen. Begonnen hatte es damit, dass er sich diese Tätigkeit selbst gesucht hatte. Seit Anfang 2005 lebte er in einer therapeutischen Wohngemeinschaft in Moabit, um eine Abhängigkeitserkrankung zu überwinden. „Ich wollte einfach in kleinen Schritten zurück ins Leben. Darum suchte ich nach einem sozialen Verein, weil ich mir dachte, da kann ich mich meinen Kräften entsprechend einbringen – da bot sich der Schulgarten an, denn er war ganz in der Nähe der WG.“

Mit den Kompetenzen und Erfahrungen, die der ausgebildete Industrie-Kaufmann mitbrachte - vor seiner Erkrankung war er im Controlling des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen tätig - war er für den Moabiter Ratschlag e.V. eine wertvolle Unterstützung. In beiderseitigem Einverständnis und in Absprache miteinander wuchs das Aufgabenfeld von Klaus-Peter Kurz – aber auch seine seelische und körperliche Stabilität. Rückblickend kann Klaus-Peter-Kurz heute ganz klar benennen, was die Zeit seiner ehrenamtlichen Arbeit in Moabit ihm gebracht hat: “Mein Nutzen aus den zwei Jahren war, dass dieser Ort und die Menschen dort mir Halt gegeben haben“.

Er sieht allerdings auch die Gefahr, dass ehrenamtliche Arbeit zu wenig wertgeschätzt wird: „Ehrenamt darf nicht zu einer Selbstverständlichkeit werden. Wenn man alle ehrenamtlichen Tätigkeiten zu versicherungspflichtigen Jobs machen würde, sähe die Arbeitslosen-Statistik besser aus!“

Mahmoud Bargouth

Der gebürtige Palästinenser ist ehrenamtlich für den Moschee-Verein Haus der Weisheit aktiv und gehört zu den Mitbegründern des neuen Vereins 'ZiD - Zentrum für interreligiösen Dialog'. Als gelernter Kaufmann weiß er, wie wichtig es ist, ein gutes „Produkt“, sprich: eine gute Idee oder Sache, bekannt zu machen und dafür zu sorgen, dass die Menschen, die es angeht, auch davon erfahren. Darum arbeitet er als Vertreter dieser beiden Institutionen in verschiedenen Gremien im Kiez mit.

Seinen bürgerschaftlichen Einsatz hält Mahmoud Bargouth für etwas völlig Normales: „Bei uns ist es selbstverständlich, dass man sich für die Gemeinschaft engagiert“, sagt er und ein wenig schimmert dabei seine Verwunderung durch, dass seine ehrenamtlichen Tätigkeiten soviel Aufmerksamkeit finden. Im Gespräch mit Mahmoud Bargouth, der 1986 aus dem Libanon nach Deutschland kam, fällt schnell auf, wie gut er die deutsche Sprache beherrscht – und wie behutsam er seine Worte wählt. „Mein Deutsch ist besser als mein Arabisch“, sagt er und lächelt, „darum ist mir auch die Aufgabe zugefallen, die beiden Vereine nach außen zu vertreten“.

„Für uns Moslems ist soziale Arbeit ein religiöses Gebot. Aber nicht nur deswegen tue ich das; ich möchte auch mithelfen, dass Vorurteile abgebaut werden – und das geht am Besten durch Handeln.“ Konkret heißt das für den jungen Familienvater, dass er an Sitzungen teilnimmt und mitdiskutiert, sich nach Kräften für die Weiterentwicklung beiden Vereine einsetzt, dass er Kontakte mit anderen Gremienmitgliedern pflegt - und gelegentlich, wenn Not am Mann ist, packt er auch bei den Küchenarbeiten im Haus der Weisheit mit an. „Und welche Arbeiten im neu gegründeten Zentrum für interreligiösen Dialog e.V. anstehen, wird man in der nächsten Zeit sehen“.

Mahmoud Bargouth betrachtet sein bürgerschaftliches Engagement in einem gesellschaftspolitischen Rahmen: „Es gibt zu wenig Zivilcourage in unserer Gesellschaft. Ehrenamtliche Arbeit ist auch eine Form der Zivilcourage. Mit meinem Handeln kann ich andere motivieren, sich ebenfalls zu engagieren. Und wie kann ich anderen zeigen, dass es sich lohnt sich zu engagieren? – Doch nur, wenn ich selbst auch aktiv bin!!“

Rainer Dombrowsky

Der Name des aktiven Moabiters ist im Grunde ein Synonym für den Internationalen Dodo-Verein, der seinen Sitz im Dodo-Haus in der Huttenstraße 30 hat. Ohne zu übertreiben darf man behaupten, dass die Arbeit dieses Vereins dem Huttenkiez mehr Farbe verleiht, sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinn!

Rainer Dombrowsky lebt und handelt nach dem Motto: „Man muss realistisch sein – Lasst uns das Unmögliche wagen!“ So begann auch im Jahr 2004 die Geschichte des Vereins, der nach einer ausgestorbenen Vogelart benannt ist. Der Wappenvogel der Insel Mauritius kam Rainer Dombrowsky nämlich in den Sinn, als jemand seine Idee, einen Verein für internationale kulturelle Veranstaltungen im Huttenkiez zu gründen, mit der Bemerkung kommentierte: „Du hast ja ´nen Vogel!“

Doch solche Einwände zählen nicht für einen Visionär wie Rainer Dombrowsky – im Gegenteil! Schließlich kennt er die Insel im Indischen Ozean, die links von Madagaskar, unterhalb der Seychellen und rund 9000 km südöstlich vom Huttenkiez liegt: Rainer Dombrowsky wuchs in Namibia auf und lebte als Erwachsener mehrere Jahre auf Mauritius. Der Wunsch, internationale Kultur in den Kiez zu bringen in dem er seit dem Jahre 2000 lebt, hat also auch viel mit seiner eigenen Biographie zu tun. Mit der ihm eigenen Dynamik und seinen Visionen konnte Rainer Dombrowsky auch andere mitreißen und überzeugen: der Dodo-Verein wird von vielen Anwohnern und Anwohnerinnen mitgetragen und unterstützt. Die Weiterentwicklung des Dodo-Hauses ist s e i n Thema; ein Gespräch mit Rainer Dombrowsky bedeutet auch immer ein Gespräch über den Verein.

Mit ihm über seine ehrenamtliche Arbeit zu sprechen, ist dagegen schlichtweg nicht möglich: für ihn ist diese Arbeit so selbstverständlich und so wichtig, dass er schon lange keine Arbeits-Stunden mehr zählt: „ Wenn man so etwas auf die Beine stellen und erhalten will, dann kann man nicht auf die Uhr sehen und auf den Feierabend warten; da gibt es so was wie reine Freizeit eigentlich gar nicht mehr.“ Das stört ihn jedoch nicht: „Wenn wir alle mit Spaß dabei sind und die Künstler und die Besucher auch was davon haben, haben wir erreicht, was wir uns wünschten!“

Uwe Patschorke

Der gebürtige Ludwigsfelder bietet seit drei Jahren ehrenamtlich Töpfer- und andere Kurse für Kinder und Erwachsene im Kreativraum des Stadtschlosses an. Er betreute die Kinder des Schrott-Orchesters und unterstützte sie bei der Entwicklung und Herstellung neuer Instrumente. Daneben war er immer zur Stelle, wenn bei den Vorbereitungen und bei der Durchführung von Festen im Stadtschloss und im Schulgarten eine helfende Hand gebraucht wurde.

Das alles tut Uwe Patschorke, ohne viel Aufhebens davon zu machen: „Was? Mein ehrenamtliches Engagement? Was mir das bedeutet? “– Das ist kein Thema, mit dem er sich fortwährend beschäftigt, er tut es einfach!
Aber dann fällt ihm doch etwas dazu ein: „Bei den Kursen habe ich für mich den Unterschied erfahren, ob ich etwas für mich alleine töpfere, oder anderen vermitteln will, wie es geht. Das war anfangs eine richtige Herausforderung für mich. Ich muss ja das, was ich weiß und was für mich selbstverständlich ist, den anderen so erklären, dass die auch wissen, was gemeint ist, und dann auch in der Lage sind, es umzusetzen!“

Nicht nur an Selbstsicherheit hat der gelernte Maurer in den Kursen gewonnen. Auch seine Erfindungsgabe ist immer wieder gefragt: „In den Töpfer-Kursen mit Kindern zeigte sich, dass es ganz und gar unpraktisch war, die einzelnen Farben einfach so für alle hinzustellen. Darum habe ich so eine Art Tuschkasten entwickelt, so dass jetzt jedes Kind sechs Farben auf einer eigenen Palette zur Auswahl hat. Damit lernen die Kinder, selbstständig zu arbeiten und mit den Farben umzugehen!“

Auch im Umgang mit unruhigen oder schwierigen Kindern ist Uwe Patschorke inzwischen erfahren: „Ich bin dazu übergegangen, nur noch mit kleineren Gruppen zu arbeiten. Dann kann ich mich den einzelnen viel mehr widmen und die Chance, dass ich dann auch die ´Aufgedrehten´ oder die Problem-Kinder erreiche, ist viel größer. Gerade für diese Kinder ist es ein enormes Erfolgserlebnis, wenn sie etwas in der Hand halten, was sie selber hergestellt haben!“ - Ehrenamtliches Engagement? – Uwe Patschorke handelt – da, wo es nötig ist!

Yurij Nazarov

Yurij Nazarov erhält die Ehrenamts-Urkunde als Dankeschön für sein Engagement im SOS-Kinderdorf Moabit. Seit der Eröffnung des Neubaus im Jahre 2005 ist der aus dem Ural stammende Yurij im Hausarbeiter-Team tätig – und ist von dort auch nicht mehr wegzudenken. Und das, obwohl er einer Generation von Lehrern entstammt, und in seiner früheren Heimat bis zur Übersiedelung seiner Familie nach Deutschland als Lehrer arbeitete!

Wenn man mit Yurij Nazarov ein Gespräch führt, ist es schwer zu sagen, wohin der Blick zuerst fällt: auf sein warmherziges Lächeln - oder in seine Augen, die blitzende, verschmitzte Blicke werfen können. Aus seinem ganzen Wesen spricht eine herzliche Freundlichkeit, die berührt. Es ist zu spüren, dass er wirklich meint, was er sagt: „Ich fühle mich bei SOS sehr wohl. Hier herrscht eine besondere Atmosphäre: es gibt so viele interessante Projekte und es kommen Menschen aus der ganzen Welt hierher. Die Leute, mit denen ich hier zusammen komme, sind viel offener und freundlicher, als ich das aus Russland kenne. Meine Arbeit ist interessant und wird niemals langweilig, ich mache jeden Tag etwas anderes. Und dazu habe ich mit vielen verschiedenen Menschen Kontakt, führe viele Gespräche – das gefällt mir ausgesprochen gut!“

Eigentlich hat Yurij nur eine 13-Stunden-Stelle, aber er ist fast täglich bei SOS: „Es gibt immer was zu tun, hier ist ja auch jeden Tag etwas los! Es macht mir Spaß, dabei mitzuwirken und das zu unterstützen.“ Und wenn es mal nichts zu schrauben, nichts zu transportieren oder sonstwie zu erledigen gibt, dann spielt Yurij gerne auf seinem Akkordeon: „ Ich habe damit angefangen, als ich vier Jahre alt war. Jetzt werde ich bald sechzig – und ich spiele immer noch“, sagt er und wieder strahlt sein Lächeln und blitzen seine Augen. Sein Repertoire umfasst Lieder und Tanzstücke aus der ganzen Welt – und er lässt sich nicht lange bitten, sie zum Besten zu geben.

Yurij und seine Frau wohnen ganz nah, nur um die Ecke, in der Emdener Straße. Die drei Söhne – zwei von ihnen machen übrigens eine Lehrer-Ausbildung- haben inzwischen schon jeder eine eigene Familie, leben aber in der Nähe. Ehrenamtliche Arbeit? – „Ja, das ist etwas Gutes und Wichtiges,“ sagt Yurij und lächelt und blitzt …