Internationale Filmfestspiele

Berlinale © Internationale Filmfestspiele Berlin
Berlinale © Internationale Filmfestspiele Berlin
Bild: Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Gründung der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1951 geht auf eine Initiative der drei Westalliierten im Nachkriegs-Berlin zurück. Die Stadt verstand sich – sechs Jahre nach Kriegsende – als “Schaufenster der freien Welt”. Man wollte ihre einstige Bedeutung als europäische Kunstmetropole und Filmstadt wiederbeleben. Der amerikanische Filmoffizier Oscar Martay berief 1950 ein vorbereitendes Gremium mit Vertretern aus Politik und Filmbranche, das die Weichen für das Filmfestival stellte. Als Festivalleiter wurde Dr. Alfred Bauer, der nach dem Krieg u.a. als Filmhistoriker und Filmreferent der Britischen Militärregierung tätig war, ernannt. Am 6. Juni 1951 eröffneten im traditionsreichen Titania-Palast die ersten Internationalen Filmfestspiele Berlin. Als Eröffnungsfilm lief Alfred Hitchcocks “Rebecca”, dessen Hauptdarstellerin Joan Fontaine einer der vielumjubelten Festival-Gäste war. Beim Publikum waren die Filmfestspiele sofort ein großer Erfolg und zwölf Tage stand die Stadt im Zeichen internationaler Filme und ihrer Stars. Für Besucher aus dem Berliner Ostsektor wurden die Filme zu verbilligten Kartenpreisen in einem eigenen Kino gezeigt. Der besondere politische Status von Berlin verhinderte allerdings die Teilnahme von Filmen aus sozialistischen Staaten für viele Jahre. Erst mit Willy Brandts außenpolitischen Initiativen und nach der Unterzeichnung der Ostverträge Anfang der 70er Jahre nahmen Filme des damaligen Ostblocks an der Berlinale teil. Bereits beim ersten Festival wurde als offizieller Preis der “Goldene Berliner Bär” nach einer Vorlage der berühmten Bildhauerin Renée Sintenis eingeführt. In den ersten Jahren wurden die Preise noch über Publikumsabstimmungen ermittelt.

Nachdem 1955 die Berlinale offiziell mit den Festivals in Cannes und Venedig gleichgestellt wurde, konnte das Festival 1956 erstmals eine internationale Jury einberufen, die den “Goldenen” und die “Silbernen Bären” vergab. Präsident der ersten Internationalen Spielfilmjury 1956 war der französische Regisseur Marcel Carné. Innerhalb weniger Jahre etablierte sich die Berlinale im internationalen Festivalgeschehen. Bereits 1959 nahmen 53 Länder mit ihren Filmen am Festival teil.

Große Stars wie Gary Cooper, Sophia Loren, Richard Widmark, Jean Gabin, Henry Fonda, Errol Flynn, Cary Grant, Jean-Paul Belmondo oder Rita Hayworth waren Gäste der ersten Berlinale-Jahre. Neben dem Glamour zeigten die Filmfestspiele aber auch neue cineastische Strömungen. Regisseure wie Akira Kurosawa, Ingmar Bergman, Satyajit Ray, Roman Polanski und die “Nouvelle Vague”-Regisseure Jean-Luc Godard, Francois Truffaut und Claude Chabrol feierten ihre ersten internationalen Erfolge in Berlin.

Weder die Berlinale noch die Festivals in Cannes und Venedig blieben von den politischen und gesellschaftlichen Protesten Ende der 60er Jahre unberührt. Der Ruf nach Reformen wurde laut. 1970 kam es durch einen Film zum Thema Vietnam (“O.K.” von Michael Verhoeven) zum Eklat. Die Jury trat zurück, das Wettbewerbsprogramm wurde abgebrochen. In den Diskussionen wurde eine zusätzliche unabhängige Festivalsektion gefordert, die junge progressive Filme präsentieren sollte. 1971 wird das “Internationale Forum des Jungen Films” neben dem traditionellen Wettbewerb etabliert. 1974 nimmt erstmals auch ein sowjetischer Film am Festival teil, ein Jahr später beteiligt sich zum ersten Mal auch die DDR. Im Laufe der 70er Jahre konsolidierte sich das Festival. In den kommenden Jahren wurde der Wettbewerb für Filme aus Osteuropa und Asien erweitert, außerdem gab es nun die “Deutsche Reihe” und das Kinderfilmfest. Die konzeptionelle Verantwortung der filmhistorischen Retrospektiven lag jetzt auf der Deutschen Kinemathek (heute: Filmmuseum Berlin – Deutsche Kinemathek). Die Berlinale erwies sich erneut als wichtiger kultureller und politischer Knotenpunkt zwischen Ost und West, was auch 1990 nach der Wiedervereinigung Deutschlands zum Ausdruck kam. Mit 15.000 Fachbesuchern, darunter 3.500 Journalisten aus rund 76 Ländern, gehört die Berlinale zu den größten und renommiertesten Medien- und Branchen-Events, sowohl unter künstlerischen als auch filmwirtschaftlichen Aspekten. Bei der Berlinale 2002 wurde eine erste Initiative für die Neupositionierung des Festivals ergriffen. Mit der neu geschaffenen Sektion Perspektive Deutsches Kino wurde die deutsche Filmszene stärker in das Festival integriert und eine Plattform für den deutschen Nachwuchs geschaffen. Seit dem Jahr 2002 sind die Internationalen Filmfestspiele Berlin ein Geschäftsbereich der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH. Die öffentlichen Zuwendungen stammen somit aus dem Bundeshaushalt.

(Quelle: www.berlinale.de )

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