Der Widerstand in Berlin

Otto Weidt
Otto Weidt © Blindenmuseum Otto Weidt
Bild: Blindenmuseum Otto Weidt

Mit dem deutschen Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime verbindet sich vor allem der gescheiterte Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, der einen seiner Schauplätze in Berlin hatte. Vom damaligen Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht aus versuchten die Verschwörer um Claus Graf Schenk von Stauffenberg erfolglos, die Übernahme der Regierungsgewalt zu organisieren.

Während in den ersten Nachkriegsjahrzehnten der nationalkonservative, militärische, kirchliche und kommunistische Widerstand betont wurden, sind inzwischen auch der jüdische Widerstand, die Erscheinungsformen oppositionell-subkultureller Jugendgruppen oder die Rolle von Deserteuren und Menschen, die Verfolgten Schutz gewährt haben, verstärkt ins Blickfeld gerückt. Für unterschiedliche Formen des Widerstands in der Stadt Berlin sollen an dieser Stelle drei Beispiele genannt sein:

Ab dem 27. Februar 1943 wurden in zahlreichen deutschen Städten jüdische Zwangsarbeiter, die bis dahin durch ihren “kriegswichtigen Einsatz” in der Rüstungsindustrie von der Deportation verschont geblieben worden waren, an ihren Arbeitsplätzen verhaftet. Mehr als 12.000 Menschen sind im Rahmen dieser so genannten “Fabrik-Aktion” schließlich nach Auschwitz verschleppt und ermordet worden. In Berlin kam es in diesem Zusammenhang auch zur Verhaftung von Juden, die in so genannten “Mischehen” lebten. In einer beispiellosen Aktion kamen mehrere hundert nicht-jüdische Frauen zu dem Sammellager in Berlin-Mitte und protestierten öffentlich und lautstark gegen die Internierung ihrer jüdischen Ehemänner und Väter. Irritiert von dem Vorgang, griff die Gestapo nicht ein. Unter dem Druck dieses Widerstandes sind die Männer am 6. März 1943 freigelassen worden. 1995 wurde am Ort des Geschehens in der Rosenstraße von der Künstlerin Ingeborg Hunzinger das Skulpturenensemble “Der Block der Frauen” geschaffen.

In der Rosenthaler Straße 39 im Bezirk Mitte betrieb der Kleinfabrikant Otto Weidt (1883-1947) während der Zeit des Nationalsozialismus eine Werkstatt zur Herstellung von Besen und Bürsten. Hier arbeiteten unter seinem Schutz vornehmlich jüdische Menschen, darunter waren viele sehbehindert oder taubstumm. Um sie mit Lebensmitteln versorgen zu können, verkaufte Weidt seine Waren auch auf dem Schwarzmarkt. Er verschaffte Untergetauchten gefälschte Ausweise und Arbeitsbücher und verhalf ihnen damit zu einer neuen Identität. In einigen Fällen gelang es ihm, durch Bestechung von Gestapo-Beamten Mitarbeiter vor der Deportation und Ermordung zu retten. Unter den Verfolgten, die bei Otto Weidt Zuflucht fanden, war auch die spätere Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron, die eine Zeit lang im Sekretariat der Fabrik unter falschem Namen arbeitete. Seit 1999 informiert in den ehemaligen Räumen der Werkstatt die Ausstellung “Blindes Vertrauen – Versteckt am Hackeschen Markt 1941-1943” über den Widerstand Otto Weidts und die Geschichte dieses Ortes, der inzwischen als Dependance in die Trägerschaft des Jüdischen Museums übergegangen ist.

Am 18. Mai 1942 verübten Angehörige des jüdisch-kommunistisch geprägten Widerstandskreises um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Propagandaausstellung “Das Sowjetparadies”. Diese war zehn Tage zuvor als propagandistische Flankierung des Russlandfeldzuges im Berliner Lustgarten eröffnet worden. Durch die Aktion wurden elf Personen leicht verletzt und geringer Sachschaden verursacht. Bereits vier Tage nach der Widerstandsaktion erfolgten die ersten Verhaftungen. Später wurden 22 Todesurteile gegen Gruppenmitglieder verhängt und vollzogen. Andere sind zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt und später in Auschwitz ermordet worden. Herbert Baum starb in Polizeihaft an den Folgen von Folter. Nur wenigen der aktiven Mitglieder des Widerstandskreises gelang es, unentdeckt zu bleiben. Seit 1981 erinnert ein Gedenkstein im südlichen Teil des Lustgartens an die Gruppe um Herbert Baum.