Erste Sicherungsanordnung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick für den Erhalt der Denkmäler Riviera und Gesellschaftshaus bestandskräftig

Pressemitteilung vom 20.05.2015

Der anberaumte Termin zur mündlichen Verhandlung und zur Augenscheinnahme wurde von Herrn Schubert, Vorsitzender Richter des Verwaltungsgerichts Berlin mit Schreiben vom 15.05.2015 wegen Klagerücknahme aufgehoben. Damit ist die 1. Sicherungsanordnung bestandskräftig geworden.

Seit Jahren beklagt das Bezirksamt den stetigen Verfall der beiden denkmalgeschützten ehemaligen Ausflugslokale Riviera und Gesellschaftshaus in Grünau. Nachdem jahrelange Verhandlungen mit Vertretern der aktuellen Eigentümerin ergebnislos blieben, wurden vom Bezirksamt im letzten und diesem Jahr mehrere Sicherungsanordnungen erlassen.

Mit der ersten Sicherungsanordnung vom 25.04.2013 wurde die Eigentümerin der denkmalgeschützten Bausubstanz aufgefordert:
  • Schließen sämtlicher Öffnungen.
  • Die Dachentwässerung ist bei allen Gebäuden zu reparieren bzw. wiederherzustellen
  • Die Dächer der Säle sind auf Dichtigkeit zu prüfen und zu reparieren.

Dagegen legte der Rechtsbeistand der Eigentümerin alle denkbaren Rechtsmittel ein. Durch die Klagerücknahme besteht nun kein Zweifel an der Richtigkeit der geforderten Maßnahmen.

In den Verfahren zum vorläufigen Rechtsschutz, das über zwei Instanzen geführt wurde (VG Berlin und OVG Berlin-Brandenburg), wurden die Regelungen der ersten Anordnung vollinhaltlich bestätigt.

Hintergrund: Zur Geschichte und Bedeutung der Denkmalkomplexe Riviera und Gesellschaftshaus Grünau

Familien aus der Pfalz gründeten entlang der heutigen Regattastraße Mitte des 18. Jahrhunderts den Ort Grünau. Erst im 19. Jahrhundert erfuhr der Ort durch den zunehmenden Ausflugsverkehr einen Aufschwung. Entscheidend für seine Entwicklung war die Tatsache, dass sich der Rudersport in Preußen gesellschaftlich etablierte und die Gründung von Rudervereinen ausdrücklich gefördert wurde. Mit dieser Entwicklung entstanden entlang der Dahme zahlreiche und architektonisch beeindruckende Bootshäuser. Neben dieser Entwicklung entdeck-ten die Berliner den Ort zunehmend als Ausflugsziel, so dass zahlreiche Ausflugsgaststätten entstanden. Die repräsentativsten baulichen Zeugnisse dieser Entwicklung sind uns mit den Gebäudekomplexen des Gesellschaftshauses Grünau und Riviera überliefert.

Das Gesellschaftshaus Grünau besteht aus zwei parallel angeordneten Ziegelbauten am Spreeufer, neben der Gaststätte Riviera. Wie diese belegen sie als Gebäude und mit ihrem umfangreichen Raumprogramm einen wesentlichen Aspekt des öffentlichen Lebens in der Epoche des Wilhelminismus. In einer Zeit wirtschaftlicher Prosperität gewann der Ausflugsverkehr und die gehobene Gastronomie besondere Bedeutung für das öffentliche Leben als Ort gesellschaftlicher Zusammenkünfte. Das umfangreiche Raumprogramm bot einen Rahmen für unterschiedliche Ansprüche und Veranstaltungen. Die Ausstattung der Säle und Zimmer erfolgte in einer für die Bauzeit reichen und künstlerisch anspruchsvollen Weise mit Stuck und Gemälden. Damit belegt das Gesellschaftshaus das konventionelle Kunstver-ständnis des Wilhelminismus und die Möglichkeiten, die es für Raumausstattungen öffentlicher Orte bot. Die Gebäude haben Bedeutung fürs Stadtbild, da sie einen wesentlichen Bau-typ und die Bedeutung des Dahmeufers für die städtebauliche und historische Entwicklung Grünaus dokumentieren.

Die Gaststätte Riviera wurde um 1895 als ein besonders reich ausgestattetes Lokal mit Saalbau errichtet, das gehobenen Ansprüchen des geselligen Zusammenseins genügte. Es ist damit ein historisches Zeugnis für eine Blütezeit Grünaus, das sich zu einem selbstbewussten und bevorzugten Vorort Berlins entwickelt hatte.

Noch heute sind vielen Berlinern diese prächtigen Ausflugsgasstätten bekannt.