Bezirksbürgermeister enthüllt Informationstafeln für Ehrengräber in Adlershof

Pressemitteilung vom 08.12.2014

Bezirksbürgermeister Oliver Igel enthüllt am kommenden Sonntag, dem 14. Dezember 2014 um 14 Uhr auf dem Friedhof in Adlershof Informationstafeln zu den Ehrengräbern von Liselotte Welskopf-Henrich, Wolfgang Heinz und dem Grab von Michael Brückner.
Mit den Informationstafeln sollen Besucherinnen und Besucher des Friedhofs auf diese Persönlichkeiten mit einer Kurzbiografie aufmerksam gemacht werden, um die Verdienste und die Lebensleistung der Geehrten beurteilen und einschätzen zu können. Damit wird zugleich ein Beitrag dazu geleistet, diese in ihrer Zeit jeweils bedeutenden Menschen dem Vergessen zu entreißen. Bereits im Jahr 2013 wurden Informationstafeln an den Ehrengräbern von Franz Künstler, Alfred Grotjahn, Georg Belá Pniower und am Grab von Clara Bohm-Schuch auf dem Friedhof Baumschulenweg aufgestellt. Im Laufe des nächsten Jahres werden Tafeln auf weiteren Friedhöfen des Bezirks folgen. Die Gestaltung der Tafeln erfolgt durch den Heimatverein Köpenick.

Nachfolgend die Kurzbiografien der geehrten Persönlichkeiten:

Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979)

Liselotte Welskopf-Henrich war Historikerin und Schriftstellerin. In München geboren, wuchs sie in Stuttgart auf und zog mit ihren Eltern 1913 nach Berlin. Nach ihrem Abitur im Jahre 1921 studierte sie Ökonomie, Alte Geschichte und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und wurde 1925 promoviert. Während der NS-Zeit unterstützte sie verfolgte Juden und KZ-Häftlinge und verhalf ihrem späteren Ehemann, dem Kommunisten Rudolf Welskopf, zur Flucht aus dem Konzentrationslager. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Mitglied der KPD, später der SED. Ab 1949 war Liselotte Welskopf-Henrich als Aspirantin und später als Dozentin für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität tätig, 1960 erhielt sie eine Professur. Sie initiierte große internationale Forschungsprojekte zur Geschichte des antiken Griechenland. 1964 wurde sie ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften. Als Schriftstellerin ist sie vor allem durch ihre wissenschaftlich fundierten Indianerromane bekannt geworden, die zu den Klassikern der deutschen Jugendliteratur gehören.

Wolfgang Heinz (1900-1984)

Geboren wurde der Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter in Pilsen. Zu seinen Wirkungsstätten zählten Max Reinhardts Deutsches Theater und das Preußische Staatstheater Berlin. 1930 trat er der KPD bei. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten floh er, seiner jüdischen Herkunft und kommunistischen
Überzeugung wegen, über Wien in die Schweiz, wo er von 1934 bis 1946 am Schauspielhaus Zürich arbeitete. 1948 gehörte er zu den Mitbegründern des Wiener Neuen Theaters in der Scala, das er als Direktor bis zur Schließung 1956 leitete. Seitdem war er Mitglied des Deutschen Theaters in Berlin (Ost) und von 1963 bis 1969 auch dessen Intendant. 1966 wurde er Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden. Er arbeitet als Gast am Berliner Ensemble, Maxim-Gorki-Theater und Schillertheater. Wolfgang Heinz wurde besonders durch Inszenierungen von Tschechow und Gorki bekannt und gestaltete zahlreiche Rollen der Weltdramatik. Dazu gehören Professor Mamlock, Galileo Galilei, König Lear, Wallenstein und als Höhepunkt seiner Darstellungskunst Nathan der Weise.

Michael Brückner (1939-1998)

Michael Brückner wurde in Berlin-Oberspree geboren, wo er fast sein ganzes Leben verbrachte. Der Ingenieur für Elektrotechnik wurde der erste nach der friedlichen Revolution 1989 frei gewählte Bezirksbürgermeister von Treptow seit 1948 und blieb bis zu seinem frühen Tod am 14. März 1998 im Amt. Er gehörte zu den Mitgründern der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP, ab 1990 SPD) in Treptow. Mit seiner ruhigen und ausgeglichenen Art erarbeitete er sich bald eine hohe Wertschätzung im Amt des Bezirksbürgermeisters. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählten der Aufbau einer transparenten, bürgernahen Verwaltung, die Wiederherstellung der durch die Berliner Mauer geteilten Verkehrsinfrastruktur sowie die Pflege der Kontakte zu den neuen Partnerstädten im In- und Ausland. Für einen wirtschaftlichen Aufschwung Treptows sorgte die Belebung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Adlershof, dessen Entwicklung Michael Brückner stets unterstützte.