„Kuhle Wampe“ - Ein Zeltplatz am Großen Müggelsee und an der Krampe

Pressemitteilung vom 13.06.2012

Die AG Heimatmuseum des Müggelheimer Heimatvereines hat eine Ausstellung unter dem Titel „Kuhle Wampe – Die Geschichte eines Zeltplatzes bei Müggelheim“ erarbeitet. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Köpenick. Ein Teil der jetzigen Ausstellung war 2002 unter dem Titel „Wir waren alles einfache Leute – Die Geschichte der Zeltstadt Kuhle Wampe am Großen Müggelsee“ unter Leitung von Claus-Dieter Sprink im damaligen Heimatmuseum Köpenick gezeigt worden. Diese Ausstellung wurde um die Darstellung des noch heute bestehenden gleichnamigen Zeltplatzes „Kuhle Wampe“ an der Großen Krampe erweitert. Mit Unterstützung der Müggelheimer Einwohner konnten neue Informationen und Material über den historischen und den gegenwärtigen Zeltplatz gefunden werden. Bei Nachfragen konnte immer wieder festgestellt werden, dass im Bewusstsein der heutigen Bürger der Zeltplatz „Kuhle Wampe“ nur am Ufer der Großen Krampe bekannt ist. Tatsache ist jedoch, dass der historische Zeltplatz „Kuhle Wampe“ an der südlichen Uferzone des Großen Müggelsees in einer kleinen Bucht zwischen den Ausflugsgaststätten Prinzengarten und Müggelhort lag.
Es gab an der Müggelheimer Chaussee extra eine Haltestelle „Zeltplatz“, von der ein Weg direkt auf die Bucht führte. Dieser Weg ist noch heute als Forstweg begehbar. Schon das Forstamt bezeichnete diese Stelle „Kuhle Wampe“, kühler Bauch. Das Ufer bildet an dieser Stelle eine bauchartige Ausbuchtung, die auch im Sommer oft im Schatten liegt und daher dort das Wasser recht kühl ist. Schon 1913 entstand dort ein kleines Zeltdorf mit nicht mehr als zwanzig Zelten, das sich schnell ausbreitete. In den zwanziger Jahren zelteten hier inzwischen in ca. 100 Zelten fast 300 Personen. Es waren hauptsächlich Arbeiter und Arbeitslose, die ihren schlechten Lebensbedingungen entfliehen wollten. Viele Mitglieder der Zeltstadt gehörten den Arbeiterturnvereinen an, z. B. dem Turnverein Fichte, dem Tourismusverein Naturfreunde, dem Arbeiterturnverein Friedrichshagen u. s. w.
Hier auf dem Zeltplatz konnten sie preiswert leben und suchten die Gemeinsamkeit und Entspannung in der Natur und beim Sport. Den großen Bekanntheitsgrad erhielt der Zeltplatz durch den gleichnamigen Film „ Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“. Er wurde 1931 vom bulgarischen Regisseur Slatan Dudow gedreht und beschrieb das Leben einer Arbeiterfamilie in der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Das Drehbuch schrieb Bertold Brecht, die Musik komponierte Hans Eisler. Gedreht wurde der Film am Kleinen Müggelsee und auf dem Filmstudiogelände in Johannisthal. Viele Bewohner der Zeltstadt spielten als Komparsen mit. Der Film erregte sehr großes Aufsehen, wurde Anfang 1932 verboten und durfte dann in veränderter gekürzter Form ab April 1932 wieder aufgeführt werden. Er wurde ein großer Erfolg.
Nach Hitlers Machtübernahme wurde der Film am 26. März 1933 erneut verboten. Auf dem Zeltplatz kam es zu Terroraktionen, die Arbeitersportvereine wurden verboten, und 1935 wurde der Zeltplatz „Kuhle Wampe“ aufgelöst.
Auch in der Zeit der DDR war Zelten sehr beliebt und eine Alternative, wenn die Urlaubsplätze fehlten. An der Großen Krampe hatten schon 1924 die „Köpenicker Naturfreunde“ zwei alte Fischerhütten erworben, eine dritte hinzugefügt und sie zum Wanderstützpunkt ausgebaut. Seit 1928 tragen sie den Namen „Grottewitzhütten“. Dieser Platz entwickelte sich zu einem großen Zeltplatz. Zur Erinnerung an den historischen Zeltplatz am Großen Müggelsee erhielt der Jugendcampingplatz Krampenburg am 15. August 1976 den Namen „Kuhle Wampe“.
Dieser Zeltplatz existiert noch immer unter diesem Namen. Der Betreiber des Zeltplatzes ist jetzt der ZSV Seddiner Zeltler Köpenick e. V.
Die Ausstellung wird am 29.06.2012 um 18.00 Uhr im Dorfklub Alte Schule in Müggelheim, Alt Müggelheim 21 – Fachbereich Kultur, eröffnet. Danach kann sie dann täglich bis zum 27.07.2012 von 10.00 -18.00 Uhr besichtigt werden.

AG-Heimatmuseum Müggelheim
Dagmar Belitz

Weitere Informationen:
Fachbereich Kultur Treptow-Köpenick
Dörpfeldstr. 54, 12489 Berlin
Tel. (030) 90297-5720