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Termine und Veranstaltungen - Queere Lebensweisen und gegen Rechts­extremismus

Veranstaltungskalender
Bild: a_korn / Fotolia.com

Online-Workshops zum Thema Antisemitismus

Im Rahmen der bezirklichen Veranstaltungsreihe CrossKultur finden in Kooperation mit KIgA e. V auch zwei Online-Workshops zum Thema Antisemitismus statt.

01.12.2020, 16.00 bis 19.00 Uhr
Workshop I “Grundlagen Antisemitismus und Ausblick auf Handlungsoptionen”
Der Workshop, der von KIgA e.V. durchgeführt wird, beleuchtet anhand historischer Beispiele und aktueller Entwicklungen verschiedene Formen von Antisemitismus. Die Teil­nehmer_innen tauschen sich über Beispiele aus ihrer Arbeitspraxis aus und diskutieren über pädagogische Zugänge, mit denen antisemiti­sche Verhaltensmuster durchbrochen werden können.

Anmeldungen können bis zum 30.11.2020 per E-Mail unter Angabe von Workshop-Titel, Vorname, Name, Organisation bzw. Bezug zum Thema an praxisstelle@kiga-berlin.org gesendet werden. Die Zugangsdaten werden mit der Anmeldebestätigung verschickt.

03.12.2020, 16.00 bis 19.00 Uhr
Workshop II “Antisemitismus und Verschwörungsideologien”
Der Workshop befasst sich mit Verschwörungsmythen sowie mit dem Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsdenken. Die Expert_innen des KIgA e.V. stellen Methoden ihrer Arbeitspraxis vor, die zur Sensibilisierung für Merkmale, Ausbreitungswege, Dynami­ken und Funktionsweisen von Verschwörungsmythen beitragen.

Anmeldungen können bis zum 02.12.2020 per E-Mail unter Angabe von Workshop-Titel, Vorname, Name, Organisation bzw. Bezug zum Thema an praxisstelle@kiga-berlin.org gesendet werden. Die Zugangsdaten werden mit der Anmeldebestätigung verschickt.

Flaggenhissung zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT)

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD berlin-Brandenburg, hissen die Regenbogenflagge
Bild: BA TS

In diesem Jahr müssen zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) am 17. Mai andere Wege der Sichtbarkeit gefunden werden. Um die Verbundenheit des Bezirks mit der queeren Community und seinem Regenbogenkiez zu demonstrieren wurden am 15. Mai wieder die Regenbogenflaggen am John-F.-Kennedy-Platz gehisst. Diese bleiben das gesamte Wochenende sichtbar und werden erst am Montag wieder eingeholt.

Gemeinsame Presseerklärung des LSVD Berlin-Brandenburg und des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg

Plakataktion gegen homo- und transfeindliche Gewalt

Präsentation der Plakate der Kampagne gegen Hasskriminalität und häusliche Gewalt
Bild: BA TS

Das Bündnis gegen Homophobie hat in den vergangenen Tagen eine neue Plakataktion gegen Hasskriminalität und häusliche Gewalt vorgestellt.

Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, erklärt: „Auch in Zeiten von Corona stellt Gewalt im öffentlichen Raum als auch im häuslichen und familiären Kontext ein großes Problem dar. Wir ermutigen zu Anzeigen bei der Internetwache der Polizei oder zum Anruf bei der 110 in akuten Fällen. Menschen die von Zwangsverheiratung betroffen sind, können sich unter zufluchtswohnung@lsvd.de direkt an uns wenden.“

Für die Kampagne werden im gesamten Berliner Stadtgebiet Flächen von der Wall AG zur Verfügung gestellt.

Anlässlich der Flaggenhissung vor dem Rathaus Schöneberg zum bevorstehenden Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) wurden die Plakate auch vor dem Rathaus Schöneberg von Jörg Steinert, Geschäftsführer LSVD Berlin-Brandenburg, und der bezirklichen “Queer-Beauftragten” Svetlana Linberg gezeigt.

Kampagnenseite des LSVD Berlin-Brandenburg

Abschlussveranstaltung "Gemeinsam in Tempelhof-Schöneberg - Demokratie leben!"

Gezeichnete Männchen halten ein Plakat hoch mit dem Text: Gemeinsam mehr erreichen
Bild: Trueffelpix / Fotolia.com

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg war 2019 erstmals mit der Partnerschaft für Demokratie “Gemeinsam in Tempelhof-Schöneberg – Demokratie leben!” am Bundesprogramm “Demokratie leben!” beteiligt. Zahlreiche Projekte, die sich im Bereich der Jugendarbeit gegen Antisemitismus stark machen, wurden in diesem Jahr gefördert. Die Abschlussveranstaltung für dieses Projektjahr findet am 04.12.2019 im Rathaus Schöneberg statt.

Zunächst wird im Kinosaal des Rathauses der Film “Prävention – Wie die Demokratie gerettet werden soll” gezeigt. Daran anschließend stellen sich die Bezirksbürgermeisterin und ein Vertreter des Bundesfamilienministeriums den Fragen des Publikums. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung sollen die im Laufe des Jahres geförderten Projekte ihre Ergebnisse vorstellen. Mit einem lockeren get-together wird der Nachmittag ausklingen.

Termin: 04.12.2019, 14:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin, Kinosaal / Louise-Schröder-Saal

"Happy Birthday - 70 Jahre Grundgesetz"

Geburtstags Cup Cake
Bild: belchonock - Depositpfotos

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“, so lautet Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz. In mehreren Talkrunden mit Gästen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft soll die besondere Bedeutung dieses Artikels diskutiert und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden: „Wie verpflichtet der Artikel die Politik?“, „Welche Auswirkungen zeigen sich in der täglichen Praxis, z. B. in der Antidiskriminierungsarbeit?“, „Was fehlt bzw. wie kann der Artikel weiterentwickelt werden?“ Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein Bühnenprogramm.

Termin: 06. Juni 2019, 18:00 bis 21:30 Uhr
Ort: Rathaus Schöneberg (Goldener Saal), John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin

Projektstart "Gemeinsam in Tempelhof-Schöneberg - Demokratie leben!"

Gezeichnete Männchen halten ein Plakat hoch mit dem Text: Gemeinsam mehr erreichen
Bild: Trueffelpix / Fotolia.com

„Gemeinsam in Tempelhof-Schöneberg – Demokratie leben!“ ist als außerschulisches Jugendbildungsprojekt konzipiert und hat das Ziel, das demokratische Miteinander zu stärken und antisemitischen Entwicklungen im Bezirk entgegenzuwirken.

Wir möchten Sie zur Projektteilnahme einladen und auf die damit einhergehende kurze Registrierung und Bewerbung bis Freitag, den 15. März hinweisen.

27. Januar 2020 - Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Bildvergrößerung: Mahnmal mit davor abgelegten Trauerkränzen und Blumen
Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Honmosexuellen

Am 27.01.2020, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, erinnerten Gedenkveranstaltungen sowohl am Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen als auch am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma an die Gräueltaten im Dritten Reich. Mit bewegenden Worten berichtete eine Überlebende von ihren traumatischen Erfahrungen und machten somit das Grauen greifbar.

“Nie wieder!”, war eine oftmals gehörte Forderung. Diese gilt aber nicht nur der Politik und der Regierung. Angesichts immer lauter und unverhohlener antisemitischer, rassistischer und nationalistischer Töne gilt diese Forderung allen Menschen, die sich mit einer offenen, bunten und vielfältigen Gesellschaft identifizieren. Das Wachhalten der Erinnerung an eine menschenverachtende und -vernichtende Politik ist umso wichtiger, als die Generation der Zeitzeugen, die von ihrem Überlebenskampf in den Vernichtungslagern unmittelbar berichten können, von Jahr zu Jahr kleiner wird.

27. Januar 2020 - Eröffnung Checkpoint BLN

Im Beisein der Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kalayci wurden die neuen Räume von Checkpoint BLN eingeweiht. Checkpoint BLN ist eine Beratungseinrichtung für den Bereich der sexuellen Gesundheit und spricht in erster Linie schwule und bisexuelle Männer sowie trans* und inter*-Menschen an. Das Angebot umfasst Tests auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten sowie deren Behandlung, Beratung zu sexueller Gesundheit und Substanzkonsum und zu allgemeinen queeren Themen.

In ihrem Grußwort betonte die Senatorin, dass die im Rahmen von Fast Track City (Webseite Fast Track City) gesteckten Ziele erreicht wurden. Das heißt, dass 90% der mit HIV infizierten Menschen von ihrer Infizierung wissen, dass von diesen wiederum 90% in Behandlung sind und davon bei 90% der Virus unter der Nachweisgrenze liegt. Dieses Ergebnis konnte nur erreicht werden, weil hierbei die unterschiedlichsten Akteur_innen (Beratungseinrichtungen, niedergelassene Mediziner_innen, klinische Bereiche, Politik und Verwaltung) Hand in Hand zusammenarbeiten. Weitere Anstrengungen sind aber erforderlich, um auch das weitere Ziel ’0 Stigmatisierung’ zu realisieren. Um die nach wie vor vorhandene Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-positiven Menschen abzubauen soll alsbald eine Kampagne ins Leben gerufen werden.

Checkpoint BLN
Hermannstraße 256-258
12049 Berlin

Telefon: (030) 40 36 46 10
E-Mail an Checkpoint BLN

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 14:00 bis 20:00 Uhr

02. Dezember 2019 - Eklatanter Anstieg homo- und transfeindlicher Hasskriminalität

Anlässlich der Verleihung des Respektpreises des Berliner Bündnisses gegen Homophobie (an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an den Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg als diesjähriger Preisträger) meldete Polizeipräsidentin Barbara Slowik einen deutlichen Anstieg homo- und transfeindlicher Hasskriminalität in Berlin. So seien im Jahr 2019 in den ersten drei Quartalen 261 Fälle registriert worden. Im Vergleichszeitraum 2018 wären es dagegen “nur” 184 Fälle gewesen. Parallel dazu sei auch die Aufklärungsquote rückläufig, was u. a. auch auf die Schwierigkeiten der Identitätsfeststellung bei Internetdelikten zurückgeführt wird.

Der Anstieg der Hasskriminalität gegen homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen wird mit der zunehmenden Polarisierung in der Gesellschaft und ein Erstarken rechter Kreise begründet.

Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass sich das Anzeigeverhalten von Opfern homo- oder transfeindlicher Übergriffe verbessert habe.

Neben den Bezirken Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg ist leider auch unser Tempelhof-Schöneberg einer der Bezirke mit den häufigsten Übergriffen.

Dies macht umso mehr deutlich, dass der Zusammenhalt der demokratischen Zivilgesellschaft wichtiger denn je ist. Homo- und transfeindlicher Hass, wie übrigens Hass generell, haben in unserer Gesellschaft und in unseren Kiezen im Bezirk nichts verloren. Es ist wichtig, dass wir immer und immer wieder den Zeigefinger und unsere Stimme erheben, um deutlich zu machen, dass menschenverachtender Hass nicht toleriert wird.

06. Juni 2019 - "Happy Birthday - 70 Jahre Grundgesetz"

Bildvergrößerung: 12 feierlich gekleidete Erwachsene stehen nebeneinander mit einem Blumenstrauß in der Hand. Rechts steht eine Frau und spricht ins Mikrifon
Die eingeladenenen Talkgäste aus Zivilgesellschaft und Politik - zweite von rechts Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Am 23. Mai 2019 jährte sich die Verkündung des Grundgesetzes zum 70. Mal. Keine andere deutsche Verfassung hat dieses Alter erreicht, was für die besondere Qualität unserer Demokratie und unserer Verfassung spricht. Auch in einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigte sich, dass 86% der Befragten das Grundgesetz für eine der größten Errungenschaften der Bundesrepublik Deutschland hielten.

Um dieses Ereignis angemessen zu würdigen hat auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg am 06. Juni 2019 im Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg eine “Geburtstagsfeier” veranstaltet. Unter besonderer Berücksichtigung des Artikels 3 Grundgesetz, dem sogenannten Gleichheitsartikel, wurden in drei Talkrunden die Bindung der (Bezirks-)Politik, die Auswirkungen in der täglichen Antidiskriminierungsarbeit und ein Ausblick auf eventuelle Weiterentwicklungen thematisiert. Dazu wurden unter der Moderation von Caroline Ausserer Talkgäste sowohl aus der Zivilgesellschaft als auch aus der Bezirkspolitik befragt.

Für das kulturelle Rahmenprogramm konnten die Songwriterin Leona Heine und der Gebärdenchor der Evangelischen Gehörlosengemeinde Berlin gewonnen werden. Die Veranstaltung wurde im Rahmen eines “Graphic Recording” durch den Zeichner Friedhelm Maria Leistner eindrucksvoll dokumentiert.

Nach dem offiziellen Teil gab es bei einem kleinen Imbiss noch die Möglichkeit des persönlichen Austauschs, was auch rege genutzt wurde.

Eine weitere Besonderheit an dieser Veranstaltung war, dass diese erstmals in diesem Umfang von den Beauftragten des Bezirksamts (Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Integrationsbeauftragte und “Queer-Beauftragte”) gemeinsam organisiert und durchgeführt wurde. In zahlreichen Kommentaren nach der Veranstaltung wurde diese intersektionale Herangehensweise an das Thema sehr begrüßt.

Pressemitteilung: Happy Birthday – 70 Jahre Grundgesetz

17. Mai 2019 - Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans*-Feindlichkeit (IDAHOBIT)

Seit 1990 wird jährlich am 17. Mai der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans*-Feindlichkeit (IDAHOBIT) begangen. Eine der Kundgebungen wurde vom LSVD Berlin-Brandenburg und dem Bündnis gegen Homophobie durchgeführt und fand am Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg statt.

Als Redner_innen nahmen die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Margit Gottstein (Staatssekretärin Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung), Michael Raddatz (Evangelischer Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg), Katrin Raczynski (Humanistischer Verband Berlin), Jennifer Michelle Rath (Menschenrechtsaktivist_in), Seyran Ates (Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin und Mitbegründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee) und Frank Wolf (Landesbezirksleiter ver.di) an der Veanstaltung teil und stellten sich eindeutig gegen Hass und Gewalt, egal wo und egal gegen wen. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler plädierte in ihrer Rede für Akzeptanz, für Respekt und für ein friedliches Miteinander in Tempelhof-Schöneberg, in Berlin und überall auf der Welt.

Eine weitere Veranstaltung – durchgeführt von Maneo – fand auf dem Bürgerplatz an der Fugger-/Eisenacher Straße statt. Die Bezirksbürgermeisterin betonte, dass es wichtig sei – den lauter werdenden Stimmen gegen Vielfalt und Offenheit zum Trotz – deutliche Signale zu setzen für ein offenes, buntes und vielfältiges Berlin. Als Zeichen dieser Buntheit ließen die Teilnehmenden zahlreiche Luftballons mit Grußworten in den Schöneberger Himmel steigen. Höhepunkt der Veranstaltung war das traditionelle Anschneiden eines Regenbogenkuchens. Für die musikalische Begleitung sorgten die Männerchöre “Rosa Cavaliere” und “Männerminne”.

Pressemitteilung: Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) – Zeichen setzen gegen Hass und Gewalt!

01. Februar 2019 - Bundesvereinigung Trans* stellt Studie zur Dritten Option vor

Die Bundesvereinigung Trans* e. V. hat im vergangenen Jahr eine Online-Umfrage durchgeführt, um empirische Daten zum Thema Geschlechtervielfalt zu erhalten. Im Gegensatz zum mittlerweile in Kraft getretenen Gesetz zur Dritten Option, dessen Regelungen nur einem eingeschränktem Personenkreis zugänglich ist, sollte untersucht werden, wer noch alles einen dritten positiven Geschlechtseintrag braucht.

Das Ergebnis der Umfrage, an der über 1.500 Menschen teilgenommen haben, wurde nun veröffentlicht und kann unter dem nachfolgenden Link abgerufen werden.

Studie zu Dritte Option beim Geschlechtseintrag für alle?

27. Januar 2019 - Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Bildvergrößerung: Dutzende bundte Kränze liegen auf dem Boden
Kränze vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Am 27. Januar 2019, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, wurde am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen auch dieser Opfergruppe gedacht. Im Beisein zahlreicher Politiker_innen aus Bund und Land sowie des Erzbischofs des Erzbistums Berlin Dr. Heiner Koch wurden vor dem Denkmal zahlreiche Kränze niedergelegt und in Stille der Opfer gedacht.

Für homosexuelle Männer war der 8. Mai 1945 kein Tag der Befreiung, da die Gesetze, hier insbesondere der § 175 Reichsstrafgesetzbuch bzw. später Strafgesetzbuch, weiterhin unverändert angewendet wurden. Erst 1994 wurde der § 175 ersatzlos gestrichen. 2002 wurden die im Dritten Reich gesprochenen Urteile gegen homosexuelle Männer aufgehoben und erst 2017 folgten die Urteile, die in der Bundesrepublik gefällt wurden. Gleichzeitig wurde den damals verurteilten Menschen das Recht auf eine Entschädigungszahlung gewährt.

Aktuell gibt es eine Debatte darüber, dass auch der Opfergruppe homosexueller Menschen in der jährlichen Gedenkveranstaltung im Bundestag gedacht wird. Dieser Forderung schließen sich immer mehr Menschen an, darunter auch Historiker_innen und Vertreter_innen anderer Opfergruppen.

Pressemitteilung: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

22. Januar 2019 - "Was tun, wenn's brenzlig wird" - Infoabend zum Thema Gewalt gegen Trans*personen

Anlässlich des Infoabends hat der LSBTI-Bereich der Berliner Polizei sich und seine Arbeit vorgestellt. Dieses Tätigkeitsfeld gibt es bereits seit 1992 und die Einrichtung war den zahlreichen Beschwerden über übergriffige Polizeieinsätze sowie dem großen Misstrauen gegenüber der Polizei geschuldet.

Ein großes Problem ist nach wie vor das schlechte Anzeigeverhalten von Geschädigten aus dem LSBTI-Bereich. Gründe dafür sind beispielsweise die Angst vor einem Zwangsouting, schlechte Erfahrungen bzw. Misstrauen gegenüber den Strafverfolgungsbehörden und die (leider) weitverbreitete Vorstellung, dass eine Anzeige sowieso nichts bringe. Die Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik und der Statistik von Maneo klaffen weit auseinander und es ist darüber hinaus auch von einem sehr großen Dunkelfeld auszugehen.

Die Polizei verfolgt daher einen Drei-Säulen-Ansatz, um Vertrauen in der Community aufzubauen. Dieser besteht aus den Säulen Strafverfolgung, LSBTI-Ansprechpersonen und Vernetzung.

Im Bereich Strafverfolgung beschäftigen sich sowohl das Landeskriminalamt als auch die Berliner Staatsanwaltschaft gezielt mit der Verfolgung homo- und transfeindlicher Straftaten. Da es sich dabei um Hasskriminalität handelt wird grundsätzlich ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung unterstellt. Außerdem werden die Ermittlungen nicht eingestellt und es besteht die Möglichkeit auf eine höhere Strafzumessung.

Die LSBTI-Ansprechpersonen sind sowohl innerhalb der Polizeistrukturen als auch außerhalb tätig. So wird bereits in der Polizeiausbildung auf LSBTI-Themen aufmerksam gemacht und entsprechende Schulungen durchgeführt. Es werden aber auch Beratungen für interessierte Bürger_innen angeboten. Beispielweise war das LSBTI-Team schon auf zahlreichen Veranstaltungen anwesend und steht in engem Kontakt mit vielen Organisationen, anderen Behörden usw.

Ein wichtiges Thema ist auch der Gewaltschutz. In diesem Zusammenhang soll in absehbarer Zeit ein Workshop für interessierte LSBTI stattfinden, in denen diese gezielt darauf vorbereitet werden, wie sie in bestimmten “brenzligen” Situationen reagieren können.

Auch bei den verschiedenen Polizeibehörden gibt es mittlerweile Trans*personen und es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Polizeidienstvorschrift 300, die die körperlichen Voraussetzungen für eine Eignung für den Polizeidienst regelt, geändert werden soll. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass man gemäß § 81d Strafprozessordnung auch als Trans*person bei körperlichen Untersuchungen das Recht auf Untersuchung durch eine Person des gleichen Geschlechts geltend machen kann.

Weiterhin wurde die Internetanzeige vorgestellt, die ohne größeren Aufwand und auch anonym online erstattet werden kann.

Alles in allem war das eine gelungene Veranstaltung, die ganz sicher Vertrauen aufgebaut hat und im hoffentlich nicht eintretenden Fall eines Falles auch zu einer Verbesserung des Anzeigeverhaltens bei LSBTI-feindlichen Straftaten führt.

Ansprechpersonen für LSBTI der Berliner Polizei

Ansprechpersonen für LSBTI der Staatsanwaltschaft Berlin

06. Juli 2018 - Hissen der Regenbogenflaggen anlässlich der "Respect Gaymes"

Bildvergrößerung: Eine Frau beim Hissen der Regenbogenflagge
Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler beim Hissen der Regenbogenflagge

Anlässlich der am 07. Juli 2018 veranstalteten “Respect Gaymes” hisste Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler am 06. Juli 2018 vor dem Rathaus Schöneberg weitere Regenbogenflaggen.

Die jährliche Durchführung der „Respect Gaymes“ dient der Begegnung zwischen queeren und heterosexuellen/cis-geschlechtlichen Menschen mit dem Ziel, gemeinsam für Respekt und gegen Hass und Gewalt einzutreten. Neben mehreren Fußballturnieren gab es auch verschiedene Sportarten zum Ausprobieren.

Abgerundet wurden die sportlichen Wettkämpfe durch ein umfangreiches und buntes Bühnenprogramm.

Pressemitteilung: Regenbogenflaggen wehen zu den „Respect Gaymes“ vor dem Rathaus Schöneberg

02. Juli 2018 - Preisverleihung "Lesbische* Sichtbarkeit"

Bildvergrößerung: Bühne mit Mikro und Keeboard, im Hintergrund steht: Berliner Preis für lesbische* Sichtbarkeit
Preisverleihung Lesbische* Sichtbarkeit

Der Berliner Senat hat sich auf die Fahne geschrieben, sich für die Sichtbarkeit lesbischen Lebens stark zu machen und hat deshalb einen Preis für Lesbische* Sichtbarkeit ausgelobt, der alle zwei Jahre verliehen werden soll. Die Preisverleihung fand gestern Abend im SchwuZ statt. Nach einem starken musikalischen Beginn durch Lili Sommerfeld (tolle Stimme!) erläuterte Senator Behrendt, dass lesbische Frauen Berlin zwar positiv und nachhaltig geprägt hätten, was bislang aber nicht ausreichend gewürdigt wurde. Beispielhaft nannte er Johanna Elberskirchen und Hilde Radusch. Er ging dabei aber auch auf eine Beschwerde der Schwulenberatung ein, die die Absetzung der Preisverleihung wegen eines nicht zulässigen “Zielgruppenrankings” verlangten. Dieser Forderung hat er sich nicht angeschlossen, fühle sich als schwuler Mann davon auch nicht repräsentiert und der langanhaltende Applaus bestätigte ihn in seiner Haltung.

Aus rund dreißig Nominierungen wurden letztendlich drei Kandidatinnen, die auf jeweils ihrem Gebiet lesbisches Leben sichtbar machen, in die engere Wahl genommen: Sigrid Grajek (auch bekannt als Coco Lores), Ipek Ipekcioglu (DJ Ipek) und Dr. Ilse Kokula. Für jede dieser drei nominierten Frauen wurde eine Laudatio gehalten, in der auf die jeweiligen Verdienste eingegangen wurde. Auf Vorschlag der Jury wurde das Preisgeld in Höhe von 3.000,- Euro auf alle drei Nominierten verteilt. Trotzdem musste es eine Siegerin geben, die schließlich von Staatssekretärin Margit Gottstein verlesen wurde: Dr. Ilse Kokula, die aus gesundheitlichen Gründen leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Stellvertretend für sie nahm deren Laudatorin Stephanie Kuhnen den Preis entgegen. Kokula setzt sich sowohl in Forschung und Lehre als auch im Lesbischen Aktionszentrum für die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung lesbischer Frauen ein und war die erste Gleichstellungsbeauftragte im Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen des Senats. Für ihren unermüdlichen Einsatz bekam sie 2007 das Bundesverdienstkreuz.

Der Abend endete schließlich mit einem geselligen Beisammensein.

29. Juni 2018 - Übergabe einer "Mobilen Wache" an die Polizei

Bildvergrößerung: Im Vordergrund steht eine Frau mit Brille und rechts von ihr ein Mann im Anzug. Im Huntergrund ist ein Polizeilieferwagen zu erkennen.
Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Innensenator Andreas Geisel

Innensenator Andreas Geisel hat im Beisein von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler am U-Bahnhof Nollendorfplatz eine von fünf neuen “Mobilen Wachen” an die Polizei übergeben. Mit diesen “Mobilen Wachen” soll dem Innensenator zufolge die Präsenz der Berliner Polizei erhöht werden, insbesondere auch in den Kiezen, wo die Berliner_innen wohnen.

“Mit der Stationierung dieses neuen Einsatzmittels im Schöneberger Norden wird eine wichtige Forderung sowohl des Bezirks als auch von Anwohnenden und Gewerbetreibenden erfüllt, um den Regenbogenkiez wieder ein Stück weit sicherer und somit auch lebens- und liebenswerter zu machen”, betont Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler.

Pressemitteilung: Forderung des Bezirks nach einer „Mobilen Wache“ am Nollendorfplatz wurde erfüllt

23. Juni 2018 - Nachbarschaftsfest vor dem Rathaus Schöneberg

Bildvergrößerung: Drei Frauen stehen am Stand und lächeln in die Kamera.
Gleichstellungs-, Integrations- und Queer-Beauftragte am Gemeinschaftsstand

Das erste Nachbarschaftsfest vor dem Rathaus Schöneberg war geprägt durch stürmische Böen und Regenschauer. Viele Besucher_innen ließen sich davon aber nicht abhalten und fanden den Weg zum John-F.-Kennedy-Platz, um sich ein Bild von der Vielfalt nachbarschaftlichen Engagements im Bezirk zu machen.

Mit einem Gemeinschaftsstand, der auf Grund des stürmischen Wetters leider nur mit einem eingeschränkten Angebot aufwarten konnte, machten die bezirkliche Integrations-, die Gleichstellungs- und die Queer-Beauftragte auf ihre Themen aufmerksam und verteilten Informationsmaterialien. Es entwickelte sich so manche interessante Diskussion und auch in die Süßigkeiten-Kiste wurde gerne (nicht nur von Kindern) gegriffen.

Trotz der vielerorts bereits laufenden Vorbereitungen für das Lesbisch-schwule Stadtfest und den CSD waren aber auch einige Teilnehmende aus dem queeren Spektrum auf dem Fest vertreten, z. B. die Lesbenberatung, Mann-O-Meter und das Regenbogenfamiliezentrum.

Für das musikalische Begleitprogramm auf der Bühne zeichnete die Leo-Kestenberg-Musikschule mit einem bunten Unterhaltungsprogramm verantwortlich.

In diesem Sinne freuen wir uns schon auf das Nachbarschaftsfest 2019 – dann hoffentlich bei strahlendem Sonnenschein.

14. Juni 2018 - Mediengespräch zur "Dritten Option"

Bildvergrößerung: Zwei Frauen sitzen am Tisch mit Unterlagen und lächeln.
Caroline Ausserer (BVT*, links) und Lucie Veith (IMeV, rechts)

Die Bundesvereinigung Trans * (BVT *) und der Bundesverband Intersexuelle Menschen e. V. (IMeV) informierten in einem Gespräch mit Medienvertreter_innen über den nun vorliegenden Referentenentwurf zur Änderung des Personenstandsgesetzes.

Lucie Veith vom Bundesverband Intersexuelle Menschen e. V. erinnerte an das bahnbrechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts im letzten Jahr und welche großen Hoffnungen in der Community damit verbunden wurden. Das Urteil hätte die Tür weit geöffnet für eine umfassende Novellierung des Personenstandsrechts, in dem die Belange sowohl intersexueller als auch trans*geschlechtlicher Menschen berücksichtigt würden.

Durch die Arbeit einer Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) in der letzten Legislaturperiode liegen sowohl die entsprechenden Rechtsgutachten als auch fertige Gesetzesentwürfe vor, die eine selbstbestimmte Selbsterklärung betroffener Menschen in den Vordergrund stellen und die ohne große zeitliche Verzögerungen umgesetzt werden könnten.

Der nunmehr vorliegende Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums wird als nicht weitgehend genug kritisiert. Betroffene intersexuelle Menschen würden weiterhin pathologisiert und somit in ihren Menschenrechten verletzt. Außerdem wäre es neben der geplanten Änderung des Personenstandsrechts mindestens genauso wichtig gewesen, dass Kinder endlich vor geschlechtsnormierenden Operationen geschützt würden.

Nachdem ursprünglich die Bezeichnung “Anderes” vorgesehen war, soll die Eintragung dem Referentenentwurf zufolge nun unter der Bezeichnung “Weiteres” erfolgen. Zu diesem Formulierungsvorschlag wird der Bundesverband Intersexuelle Menschen e. V. ein Meinungsbild einholen, verweist aber auch auf eine bereits durchgeführte Umfrage unter intersexuellen Menschen und deren Angehörigen, denen zufolge die Möglichkeiten “inter” oder “divers” bevorzugt würden.

Der BVT* unterstützt die Forderungen des Bundesverbands und kritisiert, dass trans*geschlechtliche Menschen in dem Entwurf überhaupt nicht berücksichtigt würden.

Sollte dieser Entwurf Gesetz werden, hätten wir die irrsinnige Situation, dass trans*geschlechtliche Menschen für eine (binäre) Vornamens- und/oder Personenstandsänderung nach wie vor zwei Gutachten benötigten und intersexuelle Menschen für die Inanspruchnahme der “Dritten Option” ein Gutachten. Nichtbinäre trans*geschlechtliche Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau einordnen, würden in beiden Varianten vollkommen unberücksichtigt bleiben. Und das, obwohl die schon genannten Gutachten der IMAG eindeutig zu dem Schluss kommen, dass Zwangsbegutachtungen diskriminierend und darüber hinaus auch vollkommen überflüssig sind. Führende Gutachter hätten ihre Gutachten ausgewertet und dabei festgestellt, dass 99% aller Gutachten positiv ausfallen. Dies kann nur den Schluss zulassen, dass betroffene Menschen ein sehr gutes Gefühl für ihre eigene Situation haben und diese auch realistisch einschätzen könnten. Mit dem vorliegenden Entwurf wird jedoch diese Selbstwahrnehmung in Frage gestellt.

Auch das Verfahren der Beteiligung der Verbände wurde als intransparent kritisiert. So wurde der Bundesverband Intersexuelle Menschen e. V. nicht offiziell zur Beteiligung aufgefordert, der BVT* allerdings schon, obwohl trans*geschlechtliche Menschen in dem Entwurf überhaupt nicht vorkommen. Die Beteiligungsfrist läuft bis zum 25. Juli und es sollen seitens der Verbände auch Gespräche mit dem Ministerium gefordert werden, weil weiterhin auf eine menschenrechtsorientierte Regelung gehofft wird.

Es wurde außerdem deutlich gemacht, dass die Community hier an einem Strang ziehen muss.In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Aktion Standesamt 2018 aufmerksam gemacht. In Anlehnung an die Aktion Standesamt, bei der 1992 zahlreiche homosexuelle Paare bei den Standesämtern das Aufgebot angemeldet hatten, sollen im Oktober diesen Jahres auch inter- bzw. transgeschlechtliche Menschen in den Standesämtern die Änderung ihres Personenstandes beantragen.

Update 27. Juni 2018

In einer Blitzumfrage hat der Bundesverband Intersexuelle Menschen e. V. ein Meinungsbild zur vorgesehenen Bezeichnung “Weiteres” eingeholt. Im Ergebnis sehen über 95% der befragten Menschen die Bezeichnung “Weiteres” als nicht positiv an.

03. Juni 2018 - Festakt "10 Jahre Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen"

Bildvergrößerung: Ein älterer Mann steht am Mikrofon in einem Park.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während seiner Rede zum Festakt

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gab es einen Festakt, der sowohl Gedenk- als auch Geburtstagsfeier sein sollte.

Bundespräsident Steinmeier stellte Artikel 1 des Grundgesetzes an den Anfang seiner Rede: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Im Nationalsozialismus sei diese Würde der Menschen angetastet und verletzt worden, weshalb dieser Satz quasi auch als Bollwerk gegen die Unmenschlichkeit zu verstehen ist. Der Bundespräsident erinnerte aber auch daran, dass die Würde homosexueller Menschen auch nach 1945 weiterhin antastbar blieb und der 08. Mai 1945 für Homosexuelle kein wirklicher Tag der Befreiung war, denn der von den Nazis verschärfte § 175 des Strafgesetzbuches blieb weiterhin in Kraft. Zudem entwickelte sich in Deutschland erst spät und schleppend eine diesbezügliche Erinnerungskultur. Aber sich zu korrigieren und sich auch zu entschuldigen seien die großen Stärken einer Demokratie. Damit bat Bundespräsident Steinmeier um Vergebung für all das Leid und Unrecht und auch für die lange Zeit des Schweigens, die darauf folgte.

Bildvergrößerung: Kränze vor einem Denkmal.
Kränze vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Deutliche Worte fand der Bundespräsident auch zu aktuellen Versuchen, die nationalsozialistische Vergangenheit zu leugnen, kleinzureden oder zu relativieren. Damit werden nicht nur die Millionen Opfer verhöhnt, sondern auch alte Wunden bewusst wieder aufgerissen und neuer Hass gesät.

“Ihnen allen hier am Denkmal, und allen Schwulen, Lesben und Bisexuellen, allen Queers, Trans- und Intersexuellen in unserem Land, Ihnen allen rufe ich heute zu: Auch Ihre sexuelle Orientierung, auch Ihre sexuelle Identität stehen selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates. Auch Ihre Würde ist so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon ganz am Anfang hätte sein sollen”, so der Bundespräsident kurz vor dem Ende seiner bewegenden Ansprache.

Bildvergrößerung: Ein Mann redet durch ein Mikrofon in einem Park.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller während seiner Rede zum Festakt

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller (aktuell auch Präsident des Bundesrates) betonte, dass in der Regenbogenhauptstadt Berlin, wo bereits in der Weimarer Republik eine lebhafte homosexuelle Szene existierte, alle Menschen ihren Platz hätten. Er rief die Bürger_innen auf, sich jeglicher Diskriminierung entgegenzustellen.

Günter Dworek vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) erinnerte exemplarisch an drei Schicksale der Verbrechen an Homosexuellen und berichtete damit, was passieren kann, wenn eine Mehrheit gleichgültig wird gegenüber dem Leben anderer. Deshalb bedeute es für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen sehr, sehr viel, dass erstmals ein deutsches Staatsoberhaupt an den Feierlichkeiten teilnimmt und auch so deutliche Worte fand. Mit ebenso deutlichen Worten erklärte Dworek die Haltung des LSVD:

Wer die Grundrechte auch nur einer Gruppe in der Gesellschaft angreift, der greift uns alle an. Dazu sagen wir nein, nein, nein!

Die russische Aktivistin Gulya Sultanova aus St. Petersburg berichtete über die schwierige Lage homosexueller Menschen in Russland, insbesondere aber auch in den kaukasischen Regionen, und forderte für den Kampf russischer Aktivist_innen Solidarität ein.

Die musikalische Untermalung des Festaktes erfolgte durch das Duett “Radio Corel”, bestehend aus den Künstlern Dragan Cordes (Gitarre) und Adrien Braud (Klarinette).

23. Mai 2018 - Tag des Grundgesetzes

Bildvergrößerung: Textauszug, Inhalt siehe Zitat.
Auszug aus Artikel 3 Grundgesetz

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet und trat mit Ablauf dieses Tages in Kraft. Damit war die Bundesrepublik Deutschland gegründet.

Der heutige 69. Geburtstag unserer Verfassung ist eine gute Gelegenheit, an die Fortschreibung des Artikels 3 Grundgesetz zu erinnern. Dieser Artikel regelt die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie Diskriminierungsverbote.

Artikel 3 Absatz 3 GG
“Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.”

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen kommen in dieser Aufzählung des Artikels 3 Grundgesetz nicht vor und werden so marginalisiert und unsichtbar gemacht. Um dies zu ändern plant das Land Berlin eine Gesetzesinitiative zur Aufnahme der sexuellen und geschlechtlichen Orientierung in die Diskriminierungsverbote des Artikels 3. Auch das Land Rheinland-Pfalz will in diese Richtung tätig werden.

Die Aufnahme der sexuellen und geschlechtlichen Orientierung in den Artikel 3 wäre ein sichtbares und deutliches Zeichen, um bisherige Errungenschaften zur Gleichberechtigung queerer Menschen auch verfassungsrechtlich abzusichern.

17. Mai 2018 - Internationaler Tag gegen Homo-, Bi- und Trans*feindlichkeit

Am 17. Mai 1990 wurde Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation aus dem Katalog der Krankheiten gestrichen. Seit 2005 wird dieser Tag weltweit als Aktionstag begangen, um auf die nach wie vor bestehende Diskriminierung und in vielen Ländern strafrechtliche Verfolgung von Menschen aufmerksam zu machen, die abweichend der Heteronormativität leben und lieben.

Bildvergrößerung: Frauen mit bunten Blumenketten um den Hals stehen neben einem Verteilerkasten mit der Aufschrift: IDAHOT 2018
Rednerinnen des IDAHOT 2018 neben dem Verteilerkasten

Schon traditionell findet eine der vielen Veranstaltungen in Berlin am U-Bahnhof Wittenbergplatz statt. Veranstaltende sind der LSVD Berlin/Brandenburg und das Bündnis gegen Homophobie, in dem sich neben vielen anderen Akteur_innen auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg engagiert. So gehörte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler auch in diesem Jahr wieder zu den Rednerinnen. Weitere Rednerinnen waren Alice Ströver (Geschäftsführerin Kulturvolk), Annette Pampel (Coca-Cola Rainbow Network), Susanne Stumpenhusen (ver.di Berlin/Brandenburg), Katrin Rczynski (Humanistischer Verband Berlin/Brandenburg) sowie Seyran Ateş (Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee).

Im Anschluss an die Redebeiträge versammelten sich alle hinter einer riesigen Regenbogenflagge und wie schon im letzten Jahr spendierte die Stromnetz Berlin GmbH wieder einen “Verteilerkasten” (fachlich korrekt: “nichtbegehbare Kompaktstation”), den die Rednerinnen wieder mit den Regenbogenfarben verzieren durften.

Pressemitteilung: Internationaler Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit (IDAHOT)

14. Mai 2018 - Festakt "150. Geburtstag Magnus Hirschfeld"

Bildvergrößerung: Festakt 150. Geburtstag Magnus Hirschfeld
Bild: BA TS

An historischer Stelle, dort wo einst das Institut für Sexualwissenschaften stand, lud die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zum Festakt, um den 150. Geburtstag des Arztes, Aufklärers, Aktivisten und Vorkämpfers Dr. Magnus Hirschfeld zu feiern und sein Lebenswerk zu würdigen.

Nach einem einleitenden Kurzfilm und der Begrüßung, insbesondere auch der Verwandten von Magnus Hirschfeld, die aus Italien, den USA und Australien angereist waren, durch die Moderatorin Manuela Kay gab es eine Talkrunde mit Jörg Litwinschuh (Bundesstiftung Magnus Hirschfeld), Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft) und Jan Feddersen (Queer Nations/Elbersfeld-Hirschfeld-Haus). Kernaussagen waren, dass Hirschfeld langsam wieder in das kollektive Gedächtnis Deutschlands zurückkehrt, nachdem 1982 (Gründung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft) fast nichts über Magnus Hirschfeld bekannt war. Durch die Nazis wurde nicht nur das Institut für Sexualforschung geschlossen und geplündert, sondern eine gesamte queere Infrastruktur vernichtet. Deshalb ist es wichtig aufmerksam zu sein, damit die Errungenschaften der heutigen Zeit nicht wieder zurückgedreht werden.

Bundesjustizministerin Katarina Barley betonte in ihrer Rede, dass das Leben von Magnus Hirschfeld trotz Irrtümern von einer humanen und aufklärerischen Grundhaltung geprägt war. Freiheitsrechte müssen immer wieder aufs Neue verteidigt werden und gerade am Umgang mit Minderheiten zeigt sich, welchen Wert die Freiheit in einer Gesellschaft wirklich hat. Diskriminierungen dürften nicht hingenommen werden, sondern es muss darauf hingewirkt werden, dass es keinen Unterschied mehr macht, welche sexuelle Orientierung ein Mensch hat.

Kultursenator Klaus Lederer erinnerte zunächst an Karl Heinrich Ulrichs, der noch vor Magnus Hirschfeld für die Abschaffung des § 175 eintrat, aber letztendlich ein Einzelkämpfer blieb. Hirschfeld dagegen hatte vielfältige Kontakte zu Intellektuellen in Kunst und Politik und verstand es Bündnispartner_innen zu finden. Das Institut war nur ein Zeichen des bunten und vielfältigen Berlins in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Hirschfeld, der zum Ordnen und Sortieren neigte und so immer neue “Schubladen” schuf, hatte aber für viele Betroffene eine emanzipatorische Wirkung; endlich konnte man das, was einen bewegte und beschäftigte, wie man sich fühlte, in Worte fassen. Aber auch trotz seiner humanistischen Forderungen darf eine kritische Betrachtung seines eugenischen Denkens nicht außer Acht gelassen werden. Lederer betonte auch, dass der Kampf mit der Eheöffnung noch lange nicht vorbei ist und das Akzeptanz einen konstanten Einsatz für die universellen Rechte aller Menschen erfordert.

In einem verlesenen Grußwort von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Förderkreis der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld) bezeichnte sie diesen Tag als Höhepunkt in der wechselvollen Geschichte des Erinnerns an den “Senior der Sexualforschung”, der heute seinen Platz in Forschung und Bildung gefunden hat. Auch heute gibt es Anfeindungen von Menschen, die anders sind und dieser Intoleranz und Respektlosigkeit muss mit Fakten geantwortet werden.

Die eigentliche Festrede wurde von Professorin Dr. Dagmar Herzog (Universität New York) gehalten, die unter dem Titel “Liebe und Gerechtigkeit: Magnus Hirschfeld in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft” das Leben und Wirken von Magnus Hirschfeld nachzeichnete.

Das musikalische Rahmenprogramm gestaltete Vivian Kanner, die von Maxim Shagaev auf dem Akkordeon begleitet wurde.

Blumenkränze
Blumen an der Hirschfeld-Stele ind er Otto-Suhr-Allee

Bereits am Nachmittag gab es in der Otto-Suhr-Allee gegenüber vom Rathaus Charlottenburg eine kleine Gedenkveranstaltung, wo an der Hirschfeld-Stele nach kurzen Ansprachen von Reinhard Naumann (Bezirksbürgermeister Charlottenburg-Wilmersdorf), Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft) und Jörg Steinert (LSVD Berlin/Brandenburg) Blumen niedergelegt wurden.

Weitere Informationen zu Dr. Magnus Hirschfeld

09. Mai 2018 - Kiss Kiss Berlin - Regenbogenkuchenanschnitt

In der Zeit zwischen dem “Internationalen Tag gegen Rassismus” (21. März) und dem Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*feindlichkeit (17. Mai) finden jährlich im Rahmen der Kampagne “Kiss Kiss Berlin” zahlreiche Veranstaltungen statt, die das Ziel haben Menschen gegen Hassgewalt zu mobilisieren.

Am 09. Mai 2018 fand das Kiss Kiss im Berliner Rathaus statt und gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Michael Müller hat Bastian Finke, Leiter von Maneo, im Beisein vieler Mitstreiter_innen einen Regenbogenkuchen angeschnitten und so ein Zeichen für Vielfalt und Respekt gesetzt.

Der Regierende Bürgermeister betonte in seiner Rede, dass es jede_r einzelne unter uns in der Hand hat, Zeichen gegen Homo- und Trans*feindlichkeit zu setzen – sei es am Arbeitsplatz, im Verein, in der Familie oder bei vielen anderen Gelegenheiten, wo queeres Leben sichtbar wird.

Bildvergrößerung: Eine Frau und eun Mann lächeln in die Kamera
Rechts der Regierende Bürgermeister und links "Queer-Beauftragte"