„Alle zusammen und niemand vergessen.“ Projektwoche im Jugend Museum zur homosexuellen Verfolgungsgeschichte in der NS-Zeit

Pressemitteilung Nr. 144 vom 31.03.2017

Einladung zur öffentlichen Präsentation am

Montag, 3. April 2017, 19 Uhr
im Jugend Museum, Hauptstraße 40-42, 10827 Berlin

24 Jugendliche aus Berlin und Tel Aviv tauschen sich in diesen Tagen im Jugend Museum über queere Lebensweisen in Berlin und Tel Aviv-Yafo heute aus und forschen gemeinsam zur homosexuellen Verfolgungsgeschichte in der NS-Zeit und den Formen öffentlichen Erinnerns in ihren Heimatstädten. Im Rahmen des Projekts „Alle zusammen und niemand vergessen“ recherchieren sie in Archiven und Gedenkorten, befragen Zeitzeug_innen und Expert_innen, untersuchen im Stadtraum aktuelle Erinnerungsformen und beleuchten die aktuelle Situation von queeren Geflüchteten, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder trans*kulturellen Identität ihr Land verlassen mussten.

Tel Aviv hat als erste israelische Stadt im Auftrag der Stadtverwaltung ein Denkmal für homosexuelle Opfer der Nazi-Diktatur eingeweiht. In Berlin ging der Gedenkstein 1989 am Nollendorfplatz auf eine zivile Initiative zurück, gefolgt von vielen weiteren Aktionen und öffentlichen Diskussionen zur Notwendigkeit der Erinnerung im Stadtbild an die homosexuellen Opfer. In beiden Städten sind wieder Beleidigungen und Übergriffe auf Homosexuelle an der Tagesordnung. Gleichzeitig suchen heute wieder Geflüchtete Zuflucht, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden und deshalb ihr Land verlassen müssen. Deshalb werden die Jugendlichen auch Menschen treffen, die Einblick in das Leben und die Problemlagen gegenwärtiger LGBTIQ Communities ermöglichen.

In beiden Städten bildete das jeweilige Mahnmal den Ausgangspunkt für ihre historischen Recherchen. Die Jugendlichen erforschten vorbereitend jeweils unabhängig voneinander die historischen Fakten in ihren Städten und sammelten dabei zugleich persönliche Geschichten von Zeitzeug_innen, die sie aus Archiven und durch Interviews mit heutigen Menschen zusammentragen.

Per Videokonferenz lernten sich die beteiligten Jugendlichen aus Berlin und Tel Aviv bereits vor den Besuchen kennen und halten sich seitdem mit ihren Ergebnissen über einen Blog auf dem Laufenden, der zunächst nur ihnen zugänglich ist. Ihre Ergebnisse dokumentieren die Jugendlichen schließlich im öffentlichen Blog, der über die Webseiten der beteiligen Einrichtungen anderen Jugendlichen, Schulen und Interessierten zugänglich gemacht wird.

Am Montag, den 3. April 2017 um 19 Uhr laden die Teilnehmer_innen und Initiator_innen des Projekts zu einer Präsentation ihrer Zwischenergebnisse ein. Im Juli setzen die beteiligen Berliner Jugendlichen des Robert-Blum-Gymnasiums dann ihr gemeinsames Projekt mit einem Gegenbesuch in Tel Aviv fort.

Projektpartner des Jugend Museums ist The Alterman Tichonet School in Tel Aviv-Yafo, unterstützt von der NGO Merchavim, The Institute for the Advancement of Shared Citizenship in Israel. Beide Einrichtungen sehen die Auseinandersetzung mit dem Thema Akzeptanz sexueller Diversität in der pädagogischen Arbeit als dringend notwendig und herausfordernd zugleich.

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft im Rahmen des Programms „Europeans for Peace“ (EFP) gefördert.

Pressekontakt:
Museen Tempelhof-Schöneberg
Brigitte Garde, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (030) 90277-6227 / -6163
E-Mail: presse-museum@ba-ts.berlin.de
Web: www.jugendmuseum.de