In 96 Stunden Steinwüste in grüne Wiese verwandelt

Pressemitteilung vom 18.09.2007

Im Juni berichteten wir davon, dass die Pfadfinderinnen und Pfadfinder, deren Domizil 2006 in Marienfelde einem Feuer zum Opfer fiel, ein neues Gebäude mit Grundstück vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg an der Götzstraße übertragen bekommen haben.

Noch zu Wochenbeginn war der Platz eine unattraktive Steinwüste. Zum Zelteaufstellen nicht geeignet. 90.000 Pflastersteine verdeckten das Erdreich. Dann kam der RBB mit seinem zibb-Magazin und alles veränderte sich in 96 Stunden. So heißt ein Projekt des Senders, das dann hilft, wenn etwas tolles für die Gemeinschaft entstehen soll, was die Beteiligten aus eigener Kraft nicht zustande brächten.

Am 14. September bot sich ein ganz anderes Bild, nachdem 96 Stunden lang alle möglichen Unternehmen aus Berlin und Brandenburg den Pfadfinderinnen und Pfadfinder geholfen haben, aus einem ziemlich heruntergekommenen Garagengelände eine grüne Oase inmitten der Großstadt zu gestalten. Die Garagen wurden abgerissen, das Hauptgebäude erhielt ein neues Dach mit einer Solaranlage nach dem neuesten Stand der Technik. Angeregt durch die Berichterstattung im RBB-Fernsehen und Hörfunk, machte sich sogar ein Tourist auf nach Tempelhof, um zu helfen. Ein Rentner aus Mariendorf meldete sich ebenfalls und packte zu. Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Berlin und Umgebung wollten auch mit dabei sein. Und was das besonders Schöne ist, es haben sich viele neue Jugendliche gemeldet, die jetzt bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern in Tempelhof mitmachen möchten.

Vor allem dankten die neuen Besitzer des ehemaligen Wirtschaftshofs des Gartenbauamtes Tempelhof dem Technischen Hilfswerk (THW) für seinen unermüdlichen Einsatz mit schwerem Gerät. 600 Quadratmeter Rollrasen wurden heute Morgen ausgelegt, nachdem mit viel Schweiß der Boden glatt gewalzt worden war. Und auf die übrig gebliebene nackte Erde wurden am Abend Grassamen ausgestreut, von denen man hofft, dass sie schon in vier Wochen sprießen.
Der RBB übertrug in seinem zibb-Magazin die letzten Arbeitsgänge live, und als Moderator Uwe Madel die erlösenden Worte sprach: “Es ist geschafft”, brach Jubel bei den anwesenden Pfadfinderinnen und Pfadfinder, ihren Familienangehörigen, den fleißigen Handwerkern und vielen vorbeigekommenen Nachbarn aus. Sie lagen sich vor Freude in den Armen und zerdrückten die eine oder andere Träne. Und als wäre es ein Zeichen, fing es Sekunden nach Ende der Liveübertragung an zu regnen. Selbst der Abendhimmel über Tempelhof schien gerührt zu sein. Zum Glück war es nur ein kurzer Schauer, so dass die dann steigende Party trocken über die Bühne gehen konnte.

Birgit Fechner vom Jugendamt Tempelhof-Schöneberg überbrachte den Pfadfinderinnen und Pfadfindern Lena Knote, Laurenz Rettig, Silvien Mettig, Linnea und Julia Mühlberg sowie Gerald Blauel eine Blumenschale von Jugendstadträtin Angelika Schöttler. Das bunte Gewächs ist nicht für den Schreibtisch gedacht, sondern zum Einpflanzen, damit sich alle noch lange an die anstrengendsten, aber schönsten 96 Stunden, was das Ergebnis betrifft, erinnern.

Wie aus grünen Wiesen Betonwüsten werden, erleben wir immer wieder. Dass es auch umgekehrt geht, wurde eindrucksvoll in Tempelhof bewiesen. Partystimmung auf dem frisch angelegten Rasen. Möge er gedeihen wie die Projekte und Angebote für Kinder und Jugendliche einer Organisation, der die Losung zugesprochen wird: “Jeden Tag eine gute Tat”. Die guten Taten zwischen dem 10. und 14. September reichen für eine ganze Weile. Was hätte man den Pfadfinderinnen und Pfadfindern im 100sten Jahr ihres Bestehens für ein schöneres Geschenk machen können? Lord Robert Baden-Powell wäre stolz auf seine Leute gewesen. Die Tempelhofer Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben über den Zustand ihres neuen Areals nicht lange geklagt, sondern kurz entschlossen zugepackt, ganz nach der Lebensweisheit ihres Gründers, der vor fast genau vor 93 Jahren sagte: “Das Leben ist zu kurz für Erörterungen”.

Und nach wie vor sind neue Mitglieder bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern herzlich willkommen. Informationen gibt es auf der Seite www.dpb-berlin-sued.de