¡Felicidades Buenos Aires y Berlín! – Konzert zu 25 Jahren Städtepartnerschaft

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Bild: Christoph Soeder

Steglitz-Zehlendorf – Am 19. Mai 1994 amtierte Eberhard Diepgen als Regierender Bürgermeister des wiedervereinigten Berlin. Nach Walter Momper war er erst der zweite, dem dieses Glück zuteilwurde. Gefühlt eine Ewigkeit ist das jetzt her. Nach den „Gründerjahren“ Anfang der 1990er Jahre ist die Hauptstadt weitgehend konsolidiert und hat ein Netz aus Städtepartnerschaften über alle Kontinente (mit Ausnahme Australien) gespannt. Allein 14 der insgesamt 17 bestehenden Partnerschaften wurden seit dem Fall der Mauer, während der Amtszeiten Mompers und Diepgens, begründet. Darunter ist die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Am 19. Mai 2019, genau ein Vierteljahrhundert nach Begründung dieser Städtepartnerschaft, fand im Kammermusiksaal der Philharmonie am Potsdamer Platz ein Jubiläumskonzert statt, das unter dem Leitwort „Eine Hommage an die Musik Argentiniens“ stand. Wer Argentinien zuvörderst mit Tango verbindet, liegt goldrichtig. Als schützenswertes immaterielles Kulturgut zählt der argentinische Tango seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für die Republik Argentinien ist dies Auftrag und Verpflichtung zugleich. Deshalb dürfte es für Waldemar Fleischhauer, Geschäftsführer des Vereins PANTONALE e.V. und Organisator des Internationalen Festivals „PHILHARMONIKA“, eine relativ leichte Übung gewesen sein, die Argentinische Botschaft als Schirmherrin des Galakonzertes zu gewinnen. Wie auf der Webseite des PANTONALE e.V. nachzulesen ist, zählt „die Förderung vor allem junger Musikerinnen und Musiker“ zu den Kernanliegen des Vereins. Gleichzeitig sollen die beiden eng verwandten Instrumente Akkordeon und Bandoneon einem breiteren Publikum nahegebracht werden. Beim Festival PHILHARMONIKA, das heuer bereits zum fünften Mal in Folge ausgetragen wurde, stehen beide Instrumente im Mittelpunkt. Fleischhauer unterrichtet an der Leo-Borchard-Musikschule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf Akkordeon und hat in der Förderung seines Lieblingsinstruments eine Lebensaufgabe gefunden, in die er viel Zeit und Hingabe investiert. Mit rund 7500 Schülerinnen und Schülern und 300 Lehrkräften zählt die Bezirksmusikschule zu den größten und bedeutendsten kommunalen Musikschulen Deutschlands. Eine große Musikschule bringt viele Talente hervor. Qualität in der Lehre spielt deshalb eine überragende Rolle. Mit insgesamt sechs konzertierenden Lehrkräften beim Jubiläumskonzert war die Leo-Borchard-Musikschule überproportional vertreten. Ein Umstand, der Musikschuldirektor Joachim Gleich und Frank Mückisch, den für Bildungs- und Kulturangelegenheiten zuständigen Bezirksstadtrat, mit Freude erfüllt und beide in der Haltung bestärkt, auch künftig hohe Qualitätsmaßstäbe bei den Lehrkräften anzulegen. Die Fachgruppe Klavier war mit Gulnora Karimova und Pavlin Nechev in der Philharmonie doppelt vertreten, Michael Rowalska spielte Schlagzeug, Vitaliy Schall Gitarre, Julius Schwahn Violonie und – last but not least – der gebürtige Argentinier Omar Massa sein geliebtes Bandoneon. Angetreten mit der Personalstärke einer halben Fußballmannschaft, zählte die Leo-Borchard-Musikschule zu den offiziellen Förderern des Galakonzerts.

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Bild: Christoph Soeder

Ehrengäste des Galakonzerts

Das Bandoneon ist Herzstück des „Tango Argentino“ und genießt in seinem Mutterland eine hohe Wertschätzung. Zur Außenkulturpolitik des südamerikanischen Landes gehört es, den Tango weltweit zu fördern und regen kulturellen Austausch zu pflegen. Tango, der gleichermaßen Tanz und Musikrichtung ist, wird weltweit mit Argentinien identifiziert, mehr noch vielleicht als Fußball oder das weltweite Netz an Steakhäusern. Deshalb war das Konzert im Kammermusiksaal für Seine Exzellenz Botschafter Edgardo Mario Malaroda mehr als nur ein Pflichttermin. Begleitet wurde er von Kulturattaché und II. Botschaftssekretär Emanuel Federico Sotelo. Neben Botschafter Malaroda hatte auch die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf Cerstin Richter-Kotowski sehr gerne die Schirmherrschaft über eine Konzertveranstaltung übernommen, die so maßgeblich von Lehrkräften „ihrer“ Bezirksmusikschule geprägt wurde. Dritter Schirmherr im Bunde war Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, der sich durch seinen Büroleiter Dr. Andreas Prüfer vertreten ließ.

Das Akkordeon in seiner ganzen Bandbreite

Im ersten Teil des Konzerts standen die Vielseitigkeit des Akkordeons und seine Kombinierbarkeit mit anderen Instrumenten bzw. Instrumentengruppen im Fokus. Dabei ragten mit der seit 2007 in Kanada lebenden Akkordeon-Virtuosin Jelena Milojevic und dem erst 19-jährigen Akkordeonisten und Cellisten Martin Kutnar zwei Künstler heraus, die die gemeinsame kroatische Herkunft verbindet. Grosses Talent und Ausstrahlung paaren sich bei beiden Musikern mit blendendem Aussehen. Jelena eröffnete den Konzertabend mit der „Étude sur le thème Chiquilin de Bachin“ für Akkordeon-Solo und Streichorchester von Franck Angelis, einem zeitgenössischen französischen Komponisten und Akkordeonisten. Damit gab die international renommierte Expertin im Bereich „Neue Musik für Akkordeon“ eine Visitenkarte ihres Könnens ab. Kutnar, der Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe ist, überzeugte mit seiner Interpretation der „Bulgarian Suite“ für Akkordeon und Streichorchester, komponiert vom 1946 geborenen Russen Viatcheslav Semionov. Die auf- und anregenden Dynamikwechsel meisterte Kutnar leichtfüßig, fast spielerisch, aber stets ausdrucksstark. Bei der Garderobenwahl bewiesen Milojevic und Kutnar Mut zur Extravaganz und sorgten für die einzigen Farbtupfer unter den sonst im klassischen Schwarz gewandeten Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne: Jelena im rosafarbenen Kostüm, Martin im strahlend weißen Anzug und glänzend schwarzen Lackschuhen.

Die außerordentliche Bandbreite des Akkordeons schlägt sich in seiner Kombinationsfähigkeit mit anderen Instrumenten nieder: Selten zu hören, aber dafür umso eindringlicher, waren die klanglichen Verbindungen etwa mit Streichern, Schlagzeug, Klavier und Saxophon. Südamerikanische Rhythmen animierten viele Konzertbesucher zum Mitwippen mit dem Fuß. Nur der ungeschriebene Kodex der Philharmonie hielt manche davon ab, vom Mitwippen zum Mitklatschen überzugehen. Im Hinblick auf den Kodex recht eigenwillig fiel die Garderobe des Moderators aus, der mit Turnschuhen an den Füßen und Jeanshosen ganz so auftrat, als wolle er eine Art Generalprobe moderieren.

Ein Abend der Uraufführungen

Insgesamt drei Uraufführungen gab es an diesem denkwürdigen Abend im Kammermusiksaal zu bestaunen: Zunächst brillierte Jelena Milojevic am Akkordeon mit ihrer Interpretation des 3. und 5. Satzes des Opus „Palette of Sounds“ für Akkordeon und Streicher von Dmitriy Varelas, eines 1978 im usbekischen Taschkent geborenen zeitgenössischen Komponisten. Es folgte die Uraufführung der Orchesterfassung der „Moldavian Rhapsody“ für Akkordeon und Klavier, komponiert vom 1967 geborenen finnischen Komponisten Petri Makkonen. Der Maestro befand sich höchstselbst im Publikum und wurde von Waldemar Fleischhauer im Anschluss auf die Bühne gebeten. Unbestrittener Höhepunkt in der Reihe der Uraufführungen war das von Omar Massa komponierte „Konzert für Bandoneon, Klavier und Streichorchester“. In drei Sätzen ließ sich das Bandoneon in seiner ganzen klanglichen Bandbreite und Wandlungsfähigkeit erleben. Pianist Pavlin Nechev und mit ihm das Streicherensemble stellten den Klangteppich bereit, in den sich Omar mit seinem Bandoneon nur noch hineinzulegen brauchte.

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Bild: Christoph Soeder

Ein Hauch von Argentinien – Omar Massa am Bandoneon

Einen Ohrenschmaus allererster Güte lieferte Omar Massa im zweiten Konzertteil ab, der ganz auf ihn und seine Kunst zugeschnitten war. Als musikalischer Botschafter seines Landes beeindruckte der 1981 in Buenos Aires geborene Künstler nicht nur die politische Gesandtschaft Argentiniens, sondern verstand es, den gesamten Saal in Windeseile für sich einzunehmen. Wer Omar Massas Auftritt erlebt hat, sieht sofort ein, warum er in Fachkreisen als inoffizieller Nachfolger des großen argentinischen Komponisten und Bandoneonisten Astor Piazzolla (1921-1992) gehandelt wird. Piazzolla gilt als Begründer des „Tango Nuevo“, der den klassischen argentinischen Tango mit zeitgenössischen, modernen musikalischen Stilmitteln anreicherte und weiterentwickelte. Die Auswahl der in der Philharmonie präsentierten Werke vermittelte einen Eindruck von der künstlerischen Bandbreite Omar Massas: Zusammen mit dem vom griechischen Dirigenten und Komponisten Symeon Ioannidis geleiteten Streichorchester entführte er mit dem ersten Satz des Konzertes für Oboe und Orchester von Alessandro Marcello (1673-1747) in die Zeit des venezianischen Barock. Als zweites Stück folgte „Sur“ für Bandoneon-Solo von Aníbal Troilo (1914-1975), einem aus Buenos Aires stammenden Tango-Komponisten. An das Publikum gewandt, sagte Massa in englischer Sprache, dies sei der erste Tango gewesen, den er in seiner Jugend gelernt habe. Er fügte hinzu, dass sein Bandoneon vor 100 Jahren in Berlin gebaut worden sei. Angesichts der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Städtepartnerschaft seiner Geburtsstadt und der Stadt seines aktuellen Wirkens als Honorarlehrkraft an der Leo-Borchard-Musikschule hätte es dafür keinen passenderen Rahmen geben können.

Wir erinnern uns: Am 24. Januar 2019 hatte der Bandoneon-Virtuose im Beisein von Botschafter Malaroda, Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski, Kulturstadtrat Frank Mückisch und Musikschuldirektor Joachim Gleich im Rathaus Zehlendorf einen Honorarvertrag abgeschlossen. Seither hatte es mehrere Gelegenheiten gegeben, ihn und seine Kunst zu erleben: Start des Konzertreigens war das Neujahrskonzert der Leo-Borchard-Musikschule am 13. Januar 2019, gefolgt von einem famosen Konzertabend am 5. April in der Zehlendorfer Pauluskirche („Argentinien in Zehlendorf“) und dem „Erste-Sahne“-Musikcafé am 28. April im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, wo Kunst und Kulinarik aufeinandertrafen und Auge, Ohr und Gaumen erfreuten.

Der „Pflicht“ dieser Konzerte folgte am Jubiläumstag die künstlerische Kür in der Philharmonie. Omar Massa „lässt (…) sein Publikum eintauchen in die Klänge Argentiniens“, heißt es im offiziellen Faltblatt zum Konzert, auf dem der Argentinier mitsamt Bandoneon abgebildet ist. Das ist kein leeres Versprechen, denn sobald dieser jungenhafte, fast schüchtern wirkende Mann die Bühne betritt und seinem Instrument die ersten Töne entlockt, fühlt man sich in Sekundenbruchteilen an den Río de la Plata versetzt. Zwischen den Hauptstädten Argentiniens und Deutschlands liegen rund 12.000 km Luftlinie und gut 15 Flugstunden. Omar Massa überbrückt diese Distanz mit spielerischer Leichtigkeit. Sobald er loslegt, lebt sein ganzer Körper Tango, ist er ganz Rhythmus, scheint er mit seinem Instrument gewissermaßen zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen. Gerade weil er so unprätentiös und unspektakulär auftritt, kommt die Kunst dahinter wirklich zur Geltung. Nur auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar. Würde man es nicht besser wissen, könnte man ihn für einen Bühnenarbeiter halten oder für jemanden, der sich auf der Bühne verirrt hat. Er wirkt unkompliziert und bescheiden, fast wie der „Kumpel von nebenan“. Tatsächlich aber beherrscht Omar Massa sowohl die klassischen als auch die Tango-Stilmittel mit schlafwandlerischer Sicherheit. Virtuos und behände tanzen seine schlanken Finger auf den Tasten des Bandoneons. Besonders auffällig ist sein Mienenspiel während des Auftritts. Fast entrückt wirkt er, wenn er die Augen schließt und man sich des Gefühls nicht erwehren kann, er sei in Gedanken an einem imaginären Sehnsuchtsort angekommen. Die Annahme liegt nahe, er reise in Gedanken in seine argentinische Heimat. Wie dem auch sei, Omar Massa versteckt seine Emotionen nicht, sie kommen tief aus seinem Innern und er könnte sie wohl nicht zügeln, selbst wenn er dies wollte.

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Bild: Christoph Soeder

Kongeniale Partner I – Vitaliy Schall (Gitarre)

Erst viermal standen Vitaliy Schall und Omar Massa gemeinsam auf der Bühne. Wenn man ihr harmonisches Zusammenspiel beobachtet, könnte man auf die Idee kommen, beide seien ein über Jahre eingespieltes Team. Als Nachfahre deutscher Auswanderer aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist Vitaliy Schall 1980 im nordkasachischen Pawlodar geboren, einer rund 360.000 Einwohner zählenden Großstadt. Im russischen Barnaul, gelegen in der westsibirischen Altai-Region, hat er Gitarre und Instrumentalpädagogik studiert. 2003 mit Eltern und Schwester nach Deutschland eingereist, nahm er zwei Jahre später ein Studium an der renommierten Universität der Künste (UdK) zu Berlin auf und schloss dies 2009 mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Es folgte ein Aufbaustudium, das 2014 zum „Konzertexamen“ führte. Konzertexamen schließen postgraduale Studiengänge an Musikhochschulen ab und sind nur hochbegabten Absolventen vorbehalten. Seit 2010 ist Vitaliy Schall Lehrer an der Leo-Borchard-Musikschule, wo er sich sehr wohl fühlt und man ihm stets „mit offenem Herzen“ begegnet. In der Philharmonie brachten Vitaliy Schall und Omar Massa zwei Werke von Astor Piazzolla für Gitarre und Bandoneon zur Aufführung. Die leidenschaftliche und virtuose Spielweise des Gitarristen, der fast zärtliche Umgang mit seinem Instrument, all das verrät eine tiefgründige Liebe zur Musik. Die warmen Klangfarben von Gitarre und Bandoneon vermählten sich zu einem unwiderstehlichen Gesamtklang und zogen das Publikum in ihren Bann. An Omar Massa schätzt Vitaliy Schall die unkomplizierte Art des Zusammenspiels: „Der ist ziemlich cool und locker“. Omar habe die argentinische Musik gewissermaßen im Blut und strahle deshalb eine besondere Authentizität aus. „Bei dieser Musik passiert vieles spontan“, umschreibt er den magischen Moment, der sich beim gemeinsamen Musizieren einstellen kann. Mit seinem vor zehn Jahren gegründeten Gitarrenquartett ist er stilistisch breit aufgestellt und zeigt sich offen für alle Stilrichtungen, etwa klassische Kammermusik, Rock oder Blues. Seit der gemeinsamen Studienzeit spielen die vier Gitarristen in ihrem international besetzten Quartett bereits zusammen (https://www.berlin-guitar-quartet.com/).

Kongeniale Partner II – Pavlin Nechev (Klavier)

Wie Vitaliy Schall ist Pavlin Nechev im Jahre 1980 geboren, und zwar in der nordbulgarischen 100.000-Einwohner-Stadt Plewen, 160 km von der Hauptstadt Sofia entfernt und kultureller Mittelpunkt mit Theater, Philharmonie und Oper. Nach ihrem gemeinsamen Auftritt bei der Veranstaltung „Argentinien in Zehlendorf“ im April musizierten Nechev und Massa in der Philharmonie erst zum zweiten Mal öffentlich miteinander. Dies tat der Qualität ihrer Darbietung keinerlei Abbruch. Pavlin am Konzertflügel und Omar am Bandoneon brachten das Stück „Adiós Nonino“ von Astor Piazzolla zu Gehör, das der Nestor argentinischer Tangomusik anlässlich des Todes seines Vaters Vicente „Nonino“ 1959 in New York komponiert hatte. Voll des Lobes über Omar Massa ist Pavlin Nechev: „Er ist ein sehr guter Musiker, und das macht natürlich Spaß“. Besonders imponiert ihm die Authentizität, mit der Omar die Musik seiner Heimat interpretiert. Man habe sich blitzschnell aufeinander einstellen können, stilistische Differenzen seien nie aufgetreten. „Es hat mir gefallen, mit einem authentischen argentinischen Musiker spielen zu dürfen“, fasst er seine Offenheit für immer wieder neue Musikstilrichtungen zusammen. Mit seinem seit 2000 bestehenden kammermusikalischen Klaviertrio “„Trio Imàge“(“Trio Imagé) aus Klavier, Cello und Violine deckt er ein breites Repertoire ab, das von der Wiener Klassik eines Joseph Haydn über die Romantiker (Brahms und Schumann) bis hin zu den Impressionisten des 20. Jahrhunderts (Ravel, Debussy) reicht. Internationale Aufmerksamkeit hatte das Trio im Jahr 2014 durch den Gewinn des Deutschen Musikpreises „ECHO Klassik“ erregt. Nechev teilt die Einschätzung Vitaliy Schalls, wonach die Atmosphäre an der Leo-Borchard-Musikschule sehr gut sei: „Es wird nie langweilig und ist auch oft sehr lustig. Das hält uns alle frisch und bei guter Laune“. 1999 nach Deutschland gekommen, lebt der Deutsch-Bulgare, als EU-Unionsbürger Inhaber beider Staatsbürgerschaften, mittlerweile länger hier als er in seinem Herkunftsland je gelebt hat. Zunächst studierte er an der renommierten Kunst- und Musikhochschule „Folkwang Universität der Künste“ in Essen und schloss die Ausbildung mit dem Konzertexamen im Hauptfach Klavier ab. Es folgte ein Aufbaustudium Kammermusik – zusammen mit seinem Trio. Als er nach mehreren Bewerbungen bei Berliner Musikschulen schließlich Honorarkraft an der Leo-Borchard-Musikschule wurde, hatte er noch gar keine Wohnung in Berlin und pendelte zunächst zwischen Köln und Berlin hin und her: „Seitdem bin ich geblieben und ziemlich zufrieden, dass ich mich in der Hauptstadt befinde“. 2018 wurden insgesamt 20 Lehrkräfte der Leo-Borchard-Musikschule mit einem Festvertrag ausgestattet – darunter Pavlin Nechev und Vitaliy Schall.

Wenn es Ziel des PHILHARMONIKA-Galakonzerts war, die Vielseitigkeit von Akkordeon und Bandoneon und deren Kombinierbarkeit mit den verschiedensten Instrumenten abzubilden, ist dies vollauf gelungen. Vielleicht sind Buenos Aires und Berlin an diesem Konzertabend enger aneinander gerückt. Vor 30 Jahren sind in Berlin Mauern gefallen. Musik und kultureller Austausch überwindet Mauern. Weltweit. Musik führt zusammen, wo Mauern nur trennen. Nicht die schlechtesten Aussichten auf die nächsten 25 Jahre gelebter Freundschaft.