Deponie Wannsee

Nutzungsgeschichte

Auf dem Gelände der stillgelegten Deponie Wannsee wurden nach dem 2. Weltkrieg bis 1960 Sand und Kies bis im eine Tiefe von 6 m abgebaut.
Anschließend wurde zwischen 1958 bis 1979 auf einer Gesamtfläche von ca. 52 ha insgesamt knapp 29 Millionen m³ Abfälle abgelagert. Darunter 15 Millionen m³ Abfälle aus Haushaltungen und Gewerbe, 13 Millionen m³ Industrieabfälle und ca. 410.000 m³ flüssige Sonderabfälle. Diese wurden bis Ende 1983 mit ca. 4 Millionen m³ Boden und Grobschutt abgedeckt und anschließend aufgeforstet. Das Gesamtvolumen der Deponie erreichte 1984 durch Verdichtung ca. 12 Millionen m³ und erhebt sich bis zu 40m über die Umgebung.
Das Deponiegas wird gefasst und wurde zunächst mit einer europaweit einmaligen und fortschrittlichen Technologie in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme umgewandelt. Seit 2000 wird das Deponiegas nur noch thermisch verwertet, um zusammen mit Erdgas Wärme für das nahegelegene Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie zu liefern.

Schadenssituation

Eine ungenügende Abdeckung und eine durchlöcherte Mergelschicht unterhalb der Deponie trennte das enorme Schadstoffpotential ungenügend von der Umgebung. Durch eindringendes Regenwasser gelangen daher Deponiesickerwässer in den Boden, in Schichtenwasser (zeitweise auftretendes Bodenwasser) und ins Grundwasser. Der Grundwasserkörper wird für die Trinkwassergewinnung (u.a. Wasserwerk Beelitzhof in ca. 5 km Entfernung) genutzt.
Ab 1972 wurden Beobachtungsrohre für Grundwasser und Sickerwasser auf Testflächen und im Umfeld der Deponie gesetzt und durch das Bundesgesundheitsamt/Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene alle zwei Jahre untersucht. Seitdem ist bekannt, dass Stoffe aus der Deponie in das Grundwasser einsickern. Eine umfangreiche Untersuchung im Auftrag der BSR 1988/1989 durch das Institut für wassergefährdende Stoffe kam zu dem Ergebnis, dass vordringlich die Oberfläche der Deponie abgedeckt werden muss und die fortschreitende Grundwasserverunreinigung beobachtet werden müsse.
Dieses Gutachten wurde von der Senatsverwaltung 1990 als nicht ausreichend angesehen. Dort hatte man sich auf eine umfassende Sanierung für ca. 400 Millionen Euro eingestellt. In den Jahren 1992 – 1995 beauftragte die Senatsverwaltung für ca. 3 Millionen daher ein Konsortium von Untersuchungsbüros unter Leitung von Prof. Dr. Müller-Kirchenbauer mit einer umfassenden Untersuchung der Deponie Wannsee (Zusammenfassung: siehe Materialien).
Im Schichtenwasser und im Grundwasser wurden insbesondere hohe Gehalte an Schwermetallen, Chlorphenole, Halogene, Arsen, Nickel und Ammonium gefunden. Durch biologische und chemische Umsetzungen in der Deponie und in den Bodenschichten verändert sich die Mobilität dieser Schadstoffe, so dass über die Jahre in den verschiedenen Messstellen unterschiedliche Konzentrationen gemessen wurden.

Sanierungsmaßnahmen

Auf der Grundlage eines Vertrages zwischen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Berliner Stadtreinigungsbetriebe wurden 22 ha der ursprünglichen Deponieabdeckung 2003/2004 durch eine Wasserhaushaltsschicht ergänzt. Diese besteht aus 1,4 m Bodenmaterial mit hoher Wasserspeicherfähigkeit mit einer nutzbaren Feldkapazität von über 17 % unter einer 0,3 m mächtigen Versickerungsschicht (Oberboden) mit 5 – 8 % organischen Anteilen. Sie ist darauf angelegt, einsickerndes Niederschlagswasser vorübergehend zu speichern und mit Hilfe des Bewuchses wieder zu verdunsten. Dadurch soll auf längere Sicht der Eintrag von Niederschlagswasser in die Deponie auf unter 50 mm pro Jahr begrenzt werden.

Darüber, ob diese Sanierungsmaßnahme dem Schadenspotential der Deponie ausreiched gerecht wird, bestehen zwischen dem Senat und dem Bezirk unterschiedliche Auffassungen (siehe weiterführende Informationen).

Zukünftige Nutzung

Die Fläche der Deponie ist als Wald ausgewiesen und befindet sich im Landschaftsschutzgebiet. Die nicht sanierten Teile der Deponie Wannsee sind als Waldfläche zugänglich. Der gesicherte Teil ist durch einen Wildzaun geschützt. Dieser kann an den dafür vorgesehenen Stellen überstiegen werden. Später steht auch dieser Teil der Öffentlichkeit wieder als Naherholungsgebiet zur Verfügung.

Ansprechpersonen

  • Für die Duchführung der Sanierungsmaßnahme sind die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) verantwortlich. Ansprechperson dort: Herr Auhagen, Tel. Nr. (030) 7592 – 5138
  • Verantwortliche Ordnungsbehörde für die Entscheidung hinsichtlich der Untersuchung und Sanierung der Deponie Wannsee ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Ansprechperson dort ist Herr Troschke, Tel. (030) 9025 – 2483
  • Nur hinsichtlich bezirklicher Belange: Leiter des Umwelt- und Naturschutzamtes, Herr Dr. Andreas Ruck, Tel. (030) 90299 – 6458.

Weiterführende Informationen

Stand: 2007