"SYMPOSIUM NEUES WOHNEN in Steglitz und Zehlendorf - Groß-Berlin und die Folgen für die beiden Verwaltungsbezirke" am 13.10.18 in der Schwartzschen Villa

Pressemitteilung Nr. 783 vom 11.10.2018

Unter der Schirmherrschaft der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski

Samstag, 13. Oktober 2018, 14 bis 19 Uhr
SCHWARTZSCHE VILLA
Grunewaldstraße 55
12165 Berlin
Tel. (030) 90299-2302
kultur.steglitz-zehlendorf@berlin.de
www.kultur-steglitz-zehlendorf.de

Der Fachbereich Kultur Steglitz-Zehlendorf setzt 2018 mit dem Symposium NEUES WOHNEN seinen architekturhistorischen Themenschwerpunkt fort. Den Anlass dafür bietet das 100-jährige Jubiläum von Groß-Berlin 2020.
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe markierte 2017 das Symposium NEUES BAUEN. Die dort gehaltenen Fachvorträge sind inzwischen in einem reich bebilderten Buch, erschienen im Gebr. Mann Verlag, publiziert. Die druckfrische Veröffentlichung wird anlässlich des diesjährigen Symposiums präsentiert.
Mit dem Symposium NEUES WOHNEN werden die innovativen Wohn- und Lebensformen vorgestellt, die das NEUE BAUEN ermöglichte. Über die Bedingungen, Strategien und Auswirkungen des Bauens und Wohnens in den 1920er Jahren referiert Sibylle Hoiman. Wie der Stahlskelettbau, das Laubenganghaus und der Zeilenbau Grundrissstrukturen und Wohnformen veränderten, darüber informiert Michael Bienert. Er stellt die technischen Errungenschaften am Beispiel der Rauchlosen Siedlung in Steglitz vor.
Siedlungen in Zeilenbauweise hatten zumeist nur Wohnungen mit Ost-West-Besonnung, so dass die Wohnräume entsprechend ihrer Nutzung belichtet werden konnten. Die Wohnküche wandelte sich in eine Einbauküche eine Neuerung, von der wir bis heute profitieren. Gisela Moeller richtet ihren Blick auf Zehlendorfer Raumausstattungen und Einrichtungsgegenstände in Wohnsiedlungen und Privathäusern.
Die besondere Rolle des Schweizers Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940) und dessen Beitrag für das NEUE WOHNEN im Berliner Südwesten zeigt Thomas Steigenberger auf. Er wird von den neuesten Ergebnissen der Forschungsgruppe des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Bern berichten, die das Werk Salvisbergs für eine 2020/21 geplante Ausstellung am Historischen Museum in Bern und am Bauhaus-Archiv in Berlin aufarbeitet.
Abschließend moderiert Simone Oelker vom team BEST die Podiumsdiskussion „NEUES WOHNEN 100 Jahre später“. Aktuelle Fragen zu Instandsetzung, Umnutzungen und Problemstellungen werden mit Experten aus Denkmalpflege und Architektur sowie Bewohner*innen diskutiert.

Moderation des Symposiums: Dr. Christine Nippe, Fachbereich Kultur Steglitz-Zehlendorf

Programm

14:00 Uhr
Eröffnung
Cerstin Richter-Kotowski, Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf und Schirmherrin des Symposiums

14:15 Uhr
Einführung und Vorstellung des Tagungsbandes NEUES BAUEN (Symposium in 2017)
Dr. Brigitte Hausmann, Leiterin Fachbereich Kultur und Heike Stange, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachbereich Kultur

14:30 Uhr
Dr. Sibylle Hoiman, Kunsthistorikerin, Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin
Die Wohnung als Gebrauchsgegenstand
Die Gestaltung neuer Lebens- und Wohnformen in den 1920er Jahren ging einher mit den Versuchen der Rationalisierung, Ökonomisierung und Typisierung des Neuen Bauens. Ausgehend von der Forderung nach „Licht, Sonne, Luft“ und der Prämisse, die „Widerstände des alltäglichen Lebens auf ein Minimum zu reduzieren“ (L. Hilberseimer), entwickelten Architekt*innen effizientere, variable Grundrisse und entwarfen funktionales Mobiliar. Publikationen, Ausstellungen und sogar Filme zeugen vom Gestaltungswillen der Protagonist*innen und der Innovationskraft jener Jahre.

15:00 Uhr
Michael Bienert, Publizist / Stadtforscher
Die Rauchlose Siedlung – Innovative Technik im Wohnungs­bau um 1930
Der Ausbau des Berliner Stromnetzes ermöglichte 1931/32 den Bau der ersten „rauchlosen Siedlung“ mit vollelektrischen Küchen, Warmwasser und Fernheizung am Steglitzer Damm. Das ausführende Architekturbüro Mebes & Emmerich projektierte seinerzeit eine Vielzahl von Wohnzeilen in Berlin, bei denen neuartige Techno­logien, Architektur- und Wohnformen in der Praxis erprobt wurden.

15:30 Uhr
Diskussion – anschließend Kaffeepause

16:15 Uhr
Priv.-Doz. Dr. Gisela Moeller, Autorin, Dozentin / Freie Universität Berlin, Kunsthistorisches Institut
Moderne Räume zwischen Neuer Sachlichkeit und Art Déco
In den 1920er und 1930er Jahren entstanden in Villen und für Siedlungsbauten in den Bezirken Steglitz und Zehlendorf Raumausstattungen und Einrichtungsgegenstände, die sich sowohl der Bauhaus-Moderne als auch der anderen Moderne des Art Déco zuordnen lassen. Sie wurden u. a. entworfen von Architekten wie Walter Gropius, Bruno Taut, Bruno Paul und Hermann Muthesius oder Designern wie Marcel Breuer. Bestandteil der Wohnungen war die Reformküche als weiße zukunftsweisende Einbauküche.

16:45 Uhr
Dr. des. Thomas Steigenberger, Publizist / Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern
Otto Rudolf Salvisberg – Neues Wohnen im Berliner Südwesten
Salvisberg zählt zu den meistbeschäftigten Architekten im Berlin der 1920er Jahre. In den Bezirken Zehlendorf und Steglitz sind weit über 20 Einfamilienhäuser des Künstlers erhalten. Sie veranschaulichen im Außenbau wie auch in der Innenausstattung den Wandel von der Reformarchitektur der 1910er Jahre zum Neuen Bauen der 1920er Jahre.

17:15 Uhr
Diskussion – anschließend Kaffeepause

17:45 – 18:45 Uhr
Podiumsdiskussion
NEUES WOHNEN – 100 Jahre später
Teilnehmende: Dipl.-Ing. Tim Heide, Architekturbüro Heide & von Beckerath; Dr. Jörg Rüter, Untere Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf; Dr. Ute Scheub, Publizistin / Verein Papageiensiedlung e.V.
Moderation: Dr. Simone Oelker, team [BEST] projekte für baukultur und stadt

Konzept und Planung
Dr. Brigitte Hausmann, Heike Stange
Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kultur

team [BEST] projekte für baukultur und stadt
Dr. Nicola Bröcker, Dr. Celina Kress, Dr. Simone Oelker

Gefördert aus Mitteln des Bezirkskulturfonds.