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Ausstellung im Gutshaus Steglitz: PAUL WIEGHARDT (1897-1969) - Maler zwischen zwei Welten - bis 19. Februar 2017

Pressemitteilung Nr. 58 vom 31.01.2017

PAUL WIEGHARDT (1897-1969) – Maler zwischen zwei Welten

bis So., 19. Februar 2017
Gutshaus Steglitz, Schloßstr. 48, 12165 Berlin
Eintritt 1,50 Euro

Durch Zufall entdeckte ein Kunstfeund in Berlin den hinterlassenen Bilderbestand des vor nahezu fünfzig Jahren verstorbenen Künstlers Paul Wieghardt, was ihn so bewegte, dass er eine Wiederentdeckung des Lebenswerkes dieses durch die Emigration nahezu vergessenen Talentes anregte. Die Initiative wurde aufgegriffen und verhilft durch eine Ausstellung dazu, der Öffentlichkeit Einblick in das Oeuvre dieses Künstlers zu geben.

Paul Wieghardt gehörte zu jenen Künstlern, die ihre Heimat verließen und während des „Dritten Reiches“ in die USA emigrierten. Das Leben und Wirken des Malers ist symptomatisch für die Generation jener Künstler, die sich trotz der gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts, deren sie ausgesetzt waren, zu keiner Zeit von ihrem schöpferischen Schaffen abbringen ließen. Die Auswahl der Bilder von Paul Wieghardt zeigt die Phasen der eindrucksvollen Entwicklung eines deutschen Malers, der in der neuen Welt als bedeutender Professor der Malerei am Art Institute of Chicago wichtigen Einfluss auf die amerikanische Malerei des mittleren Westens der USA ausübte.
Die gezeigten Werke aus dem Nachlass des Malers entstammen überwiegend aus der Zeit vor der Emigration und überdauerten den Krieg, da sie im Familienbesitz blieben.

Zum Leben des Künstlers:
Paul Wieghardt wurde 1897 in Lüdenscheid geboren. Sein Vater, ein Malermeister, regte ihn an, sich für die künstlerische Seite dieses Handwerks zu interessieren. ln Paul, der eine Lehre im väterlichen Betrieb absolvierte, trug diese Anregung Früchte. Doch sein Einstieg in die Kunst wurde durch den ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Bei Amiens wird er als junger Soldat im Grabenkrieg verschüttet und seiner Sprache beraubt. Nach langer Genesungszeit reift 1920 in ihm der Entschluss, in Köln Kunst zu studieren. Auf Empfehlung seines Lehrers, Professor Elsaesser, geht er im Jahr 1923 ans Bauhaus in Weimar. Er studiert bei Klee, Kandinsky, Moholy-Nagy, Feininger und Schlemmer. Paul Klee wurde der wichtigste Lehrer für ihn. Seine Methoden sollten sehr viel später in den USA zündend für Wieghardt und die nunmehr ihm Anvertrauten werden. 1925 geht Wieghardt an die Dresdner Kunstakademie. Als Meisterschüler des lmpressionisten Robert Sterl, – Oskar Kokoschka im Nachbaratelier -, schließt er das Studium 1931 mit Auszeichnungen ab. Kurzzeitig hält er sich bei seinem Studienkollegen Robert Liebknecht in Berlin auf. Danach führt ihn sein Weg nach Paris, wo ein intensives Malerleben beginnt. 1933 heiratet er die Bildhauerin Nelli Bar. Sie ist jüdischer Abstammung und Wieghardt hofft, sie durch die Heirat vor den Nazis zu schützen. Sie begleitet ihn auf Reisen in die Bretagne, die Normandie, Spanien, Portugal und nach Norwegen. Wieghardt malt und zeichnet ununterbrochen und beweist große Einfühlungsgabe. Landschaft wurde nun überall erfaßt und ihr spezifischer Charakter malerisch umgesetzt. Die Palette war leuchtend hell und voll im Süden, gedämpft kühl und sparsam im Norden. Neben Landschaften entstanden intime lnterieurs mit lesenden, ruhenden, sinnenden Frauen, Bilder in weichen Farben und mit schmiegsamen Formen.
Wieghardt konnte in Paris seine Arbeiten in den großen Salons zeigen, bis hin zum Salon d’ Automne, und 1937 sogar im französischen Pavillon der Pariser Weltausstellung, auf der Picassos „Guernica” Aufsehen erregte. Auch in Oslo und in Stockholm gab es Einzelausstellungen seiner Bilder. Das Künstlerpaar hielt sich in Oslo auf, als der Krieg 1940 sie einholte. Sie fliehen, nur das Nötigste im Rucksack, und erreichen nach mehrtägiger Wanderung Schweden.
Nach langer Reise durch Schweden, Rußland, Japan, über den Pazifischen Ozean nach Panama, wo sie endlich das ersehnte Visum für die USA erhalten, erreichen sie New York. Mit Hilfe einer Quäker-Organisation gelingt ein langsames, mühsames Fußfassen. Wieghardt, der schon in Paris und Oslo einige Schüler hatte, erhält feste Lehraufträge. 1942 zunächst an der Sommerakademie, „Cummington Playhouse in the Hills”, an der auch Hindemith Gastvorlesungen hält, dann 1943 zum Aufbau der Abteilung für Bildende Kunst an der „Friends’ Neighborhood Guild“ in Philadelphia. 1946 wird er Professor für figürliche Malerei an der Schule des „Art lnstitute of Chicago“ und 1950 beruft ihn Mies van der Rohe an die Abteilung für Architektur des „lllinois lnstitute of Technology”. Wieghardts Lehrtätigkeit am „Evanston Art Center”, die er bis kurz vor seinem Tode betrieb, läuft parallel dazu.
Die eine große Leidenschaft Wieghardts galt der eigenen, schöpferischen Arbeit, die andere galt dem Lehren. „Er hatte ein ungewöhnliches Empfinden für die Entwicklungsmöglichkeiten in seinen Schülern”, so seine Frau Nelli, und diese lntention, „die Selbstgewißheit des Einzelnen zu bestärken“, ließ die Schüler sich zu ihm drängen und Wartezeiten in Kauf nehmen. Unter ihnen waren Robert lndiana, Claes Oldenburg, Leon Golub, H. C. Westermann, Richard Hunt, Irving Petlin, Arthur Okamura.
Als Wieghardt 1969 in Wilmette bei Chicago starb, war sein malerisches Werk vollendet. Er hatte sich unbeeinflusst von aktuellen Kunstströmungen entwickelt, konsequent nur sich selbst verpflichtet: Ruhig, gelassen, mit der Sicherheit dessen, der „im richtigen Weglassen des Unwesentlichen“ am Ende seinen Stil gefunden hatte.

Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Büro der Bezirksbürgermeisterin, Steglitz-Zehlendorf, Kirchstr. 1/3, 14163 Berlin, statt.

Ansprechpartnerin: Christine Urban
Tel.: (030) 90299-3924,
Fax: (030) 90299-2660
Internet: www.steglitz-zehlendorf.de/gutshaus-steglitz
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