Coronavirus COVID-19

|+++ In allen Dienstgebäuden des Bezirksamtes gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.+++|

Informationen

- vom Bund

- vom Land Berlin

- vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf

Inhaltsspalte

Biozid zur vorbeugenden Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wird in Steglitz-Zehlendorf erstmals an Stadtbäumen eingesetzt

Pressemitteilung vom 03.05.2013

Wer? Die vorbeugende Maßnahme der Biozid-Ausbringung wurde mit dem Senat von Berlin und betroffenen Bezirken Berlins als neuer Weg beschritten, um der jährlich wiederkehrenden Gesundheitsgefährdung durch den Schädling für die Menschen entgegenzuwirken. Der Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf hat jetzt drei qualifizierte Unternehmen beauftragt, befallene Eichen im Stadtgebiet zu behandeln, in deren Nähe sich häufig und über längere Zeit Menschen aufhalten (müssen) und an denen der Eichenprozessionsspinner bereits wiederholt verstärkt aufgetreten ist. Warum? Der Eichenprozessionsspinner-Befall und seine Ausbreitung im Stadtgebiet hat stark zugenommen. Im dritten Raupenstadium des Falters von Mitte Mai bis Ende Juni können die gefährlichen „Brennhaare“ der Raupe in die Luft gelangen. Sie verursachen starke Haut-, Schleimhaut- und Atemwegsreaktionen beim Menschen. Auch alte Gespinstnester am Stamm, in Astgabeln oder auf der Unterseite von Ästen stellen eine anhaltende Gefahrenquelle dar, da die Raupenhaare eine über einjährige Haltbarkeit besitzen. Um die gesundheitliche Gefährdung im öffentlichen Raum, insbesondere in Bereichen mit unausweichlichem Aufenthalt (Schulhöfe und Bushaltestellen) zu gewährleisten, wurden bisher die älteren Raupen und ihre Nester an diesen Orten mit hohem Kostenaufwand abgesaugt. Nun wird bereits im ersten und zweiten Entwicklungsstadium der Raupen ca. Mitte April bis Mitte Mai eingegriffen. Die Befallstärke kann damit um ca. 70% eingedämmt werden. Wegen unterschiedlicher Schlupfzeiten werden nicht alle Raupen erreicht werden.
Neben der gesundheitlichen Gefährdung gibt es auch noch die starken Fraßschäden der Raupen an den befallenen Eichen, die meist in forstnahen Siedlungsbereichen stehen. Was? Es kommt das Biozid Neem Protect, ein Margosa-Extrakt zum Einsatz, dass bei Insekten als Fraß- und Kontaktgift wirkt. Für Menschen und Säugetiere ist das Mittel ungefährlich. Es wirkt unspezifisch gegenüber Insekten, hat aber unter den in Frage kommenden Bekämpfungsmitteln die geringsten Nebenwirkungen. Die behördliche Genehmigung mit Auflagen zum Wasser- und Naturschutz wurde im Vorfeld eingeholt. Um den Erfolg dieser noch neuen Bekämpfungsmethode zu überwachen, erfolgt seitens des Pflanzenschutzamtes Berlin und des bezirklichen Umwelt- und Naturschutzamtes ein Monitoring. Wie? Das Mittel wird mit einer Hochleistungssprühkanone ausgebracht, die einen hydraulisch schwenkbaren Düsenkopf hat und damit die Baumkrone vom Boden aus gezielt benetzt. Der feine Sprühnebel kann nicht abtropfen und gelangt auch nicht in den Boden. Es ist mit kurzfristiger Lärmbelästigung zu rechnen. Wann? Die Sprühmaßnahme wird Ende April bis Mitte Mai erfolgen, wenn das Laub der Eichen sichtbar wird. Voraussetzung ist gleichmäßig trockenes Wetter mit mittleren Temperaturen. Nur in der frühen Entwicklung der Raupen, die zu diesem Zeitpunkt schlüpfen und noch keine Brennhaare haben, ist diese Maßnahme möglich. Das Zeitfenster dieser Bekämpfungsmaßnahme ist also kurz. Wo? Drei Einsatzschwerpunkte gibt es im Bezirk. Sie liegen in Wannsee und Nikolassee, Dahlem und auf dem Friedhof Steglitz. Die Gebiete sind öffentliche Einrichtungen und öffentliche Orte, an denen sich häufig Menschen aufhalten und wozu es an diesen Orten keine Alternativen gibt (z.B. Haltestellen des ÖPNV, Schulen/Schulhöfe, befallene Abschnitte von Hauptverkehrsstraßen inklusive Radwege). Die erforderlichen Schutzbestimmungen für das Grundwasser werden eingehalten. Die wasserbehördliche Befreiung, außer in der engeren Wasserschutzzone, liegt vor. Einige naturhafte Bereiche werden aufgrund der dem Schutz seltener Tiere dienenden FFH-Richtlinien in Natura 2000-Gebieten nicht behandelt (z.B. Kronprinzessinnenweg und Havelchaussee), weil sie von der Obersten Naturschutzbehörde abgelehnt wurde. Kosten? Der Senat stellt den Bezirksämtern von Berlin zur Durchführung präventiver Maßnahmen gegen den EPS auf der Grundlage der von den Bezirken jeweils ermittelten Bekämpfungsschwerpunkten im Haushaltsjahr 2013 außerplanmäßig insgesamt 300 Tsd. € zur Verfügung. Hiervon erhält der Bezirk Steglitz-Zehlendorf rund 166 Tsd. €. Ausblick? Diese erste präventive Maßnahme wird noch nicht ausreichen. Die Zahl der Raupen wird sicherlich eingedämmt, aber nicht vollständig erfasst werden. Eine nachgehende mechanische Bekämpfung wird auch weiterhin erforderlich sein.
Notwendig ist auch zukünftig ein flächendeckendes Bekämpfungskonzept. Dieser Schädling wird weiterhin im Stadtgebiet auftreten. Deshalb ist auch die Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger wichtig, um sich selbst vor dem Schädling zu schützen. So sollten Befallsareale insbesondere während der Wanderung der Raupen aus den Nestern der Baumkrone am Stamm entlang nach Möglichkeit gemieden und Raupen und Gespinste nicht berührt werden. Hinweisschilder werden an besonders betroffenen Stellen des öffentlichen Raums angebracht, so dass die Bevölkerung in die Lage versetzt wird, sich auf das Vorhandensein des EPS einzustellen. Jeder Grundstückseigentümer muss verantwortlich handeln, wenn er eine Gefährdung für Passanten durch den Eichenprozessionsspinner feststellt. Die Bekämpfung kann nur mit Mitarbeitern von dazu qualifizierten Unternehmen unter Beachtung des Arbeitsschutzes durchgeführt werden.