100 Jahre Frauenwahlrecht

30. November 2018 - 100 Jahre Frauenwahlrecht

100 Jahre Frauenwahlrecht Programm Spandau
Bild: Bezirksamt Spandau

Am 30. November 2018, wurde den Frauen endlich – auf den Tag genau 100 Jahre zuvor – das aktive und das passive Wahlrecht gesetzlich zugesichert.

Es war ein langer Kampf bis zu jenem 30. November 1918, denn die Frauen hatten weder in Preußen, noch im 1871 gegründeten deutschen Reich das Recht politisch aktiv mitzuentscheiden. Sie konnten nicht wählen und nicht gewählt werden, das Preußische Vereinsrecht verbot ihnen gar die Mitgliedschaft in politischen Vereinen.
Gerade vor diesem Hintergrund sind die Leistungen von Frauen wie Hedwig Dohm, Minna Cauer, Clara Zetkin oder Louise Otto-Peters nicht hoch genug zu schätzen.
Zum einen, weil sie sich trotz aller Verbote organisierten und zum anderen, weil sie sich in all ihrer Unterschiedlichkeit – für ihr Ziel, das Wahlrecht – zusammenschlossen – als Protestantinnen, Jüdinnen, Katholikinnen, als bürgerliche und proletarische Frauen.

Das Programm im Bürger*innensaal

Diese Errungenschaft wurde auch in Spandau gefeiert und die vielen starken Frauen geehrt, die das Wahlrecht gegen alle Widerstände erkämpften.

Gleichzeitig wurde jedoch vor einem Backlash gewarnt, denn heute ist zwar das aktive Wahlrecht eine Selbstverständlichkeit – für die meisten Frauen zumindest. Beim passiven Wahlrecht, dem Recht gewählt zu werden, sieht es allerdings noch immer düster aus. Im Vergleich zur letzten Legislaturperiode sitzen etwa weit weniger Frauen im Bundestag als noch ein paar Jahre zuvor. Mit 31 Prozent ist der Anteil so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Die Geschäftsführerinnen von HINBUN und Eulalia, Sabine Knepel und Franziska Milata, sprachen über die Situation, in der Frauen heute in Spandau leben.
Gerade die Themen häusliche Gewalt, Altersarmut von Frauen, die Lohnungleichheit der Geschlechter sowie die häufig prekäre Lage von Alleinerziehenden müssten in Zukunft noch konsequenter angepackt werden. Auch die wachsende Stadt Berlin schafft immer wieder neue Herausforderungen, wie fehlender Wohnraum und immer teurer werdende Mieten.
Hinzu kommen Bedrohungen durch rechte und ultrareligiöse Gruppen, die Frauen nicht selbst entscheiden lassen wollen, wie sie leben möchten, sondern ihnen klare Vorgaben machen wollen, wie sie auszusehen, sich zu kleiden, sich überhaupt zu verhalten haben.
Doch Frauenrechte sind universelle Menschenrechte und sind daher nicht ein-schränkbar durch Weltanschauung oder Religion!

Nach dem leidenschaftlichen Vortrag von Dr. Gisela Notz über den Weg der Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht in Deutschland, gab es eine kurze Pause zum
Anstoßen mit Saft und Sekt. Dann ging es zum Höhepunkt des Abends, der
Podiumsdiskussion. Zu Gast waren neben der Bundestagsabgeordneten Helin Evrim Sommer, Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und Ulrike Haase vom Netz-werk behinderter Frauen sowie die Landesschüler*innenvertretung Eileen Hager und Tim Möcks, Bezirksschüler*innenvertreter.

Über diese und die politische Teilhabe von Frauen entspann sich im Laufe des Abends eine fruchtbare Diskussion, bei der nicht nur die Politikprofis Helin Evrim Sommer und Helmut Kleebank und Ulrike Haase punkteten, sondern vor allem die Schüler*innen aus dem Publikum und auf dem Podium. Die jungen Frauen, die auch bei Teach First engagiert sind, hatten sich gut vorbereitet und setzten sich stark für mehr politische Teilhabe von Mädchen und Frauen mit Migrationsgeschichte ein.

Nachhaltig war diese Diskussion auch, denn schon zum 1. Spandauer Mädchen*- und Frauen*März wird die Gruppe eine Politik-AG für weitere an Politik interessierte Mädchen organisieren.