UNVERGESSEN – Die Pogromnacht 1938 in Spandau

Pressemitteilung vom 25.10.2018
Bildvergrößerung: Foto der Kennkarte von Lina Steffen von 1943
Bild: Entschädigungsbehörde Berlin

Die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau (JGW) erinnert mit mehreren Projekten an die Pogromnacht vor 80 Jahren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten die Nationalsozialisten auch in Spandau die Synagoge in Brand, jüdische Geschäfte wurden zerstört und geplündert, jüdische Spandauer misshandelt und ins Konzentrationslager gesteckt.

Einige konnten noch nach der Pogromnacht aus Spandau und Deutschland fliehen, viele andere aber wurden in den Konzentrationslagern ermordet.
Dies betraf zum Beispiel die jüdische Familie Stein aus Siemensstadt. Der Kaufhausbesitzer Adolf Stein und sein Sohn Erwin wurden in der Pogromnacht schwer misshandelt und ihr Geschäft geplündert. Adolf starb kurz darauf an den Folgen der Misshandlungen, Erwin konnte 1939 noch nach Ecuador fliehen. Adolfs Ehefrau Rosalie überlebte das Konzentrationslager, die gemeinsame Tochter Luise wurde in Auschwitz ermordet.

Auch Lina Steffen, Besitzerin eines Tabakladens in der Moritzstraße, der ebenfalls in der Pogromnacht zerstört wurde, wurde ihrer Existenzgrundlage beraubt. 1944 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Sie konnte überleben.

Die JGW erarbeitete mit Schülerinnen und Schülern der Martin-Buber-Oberschule die Ausstellung „UNVERGESSEN – Die Pogromnacht in Spandau vor 80. Jahren“, die anders als sonst üblich in einem Bus präsentiert wird. Schwerpunkt der Ausstellung sind die Biographien jüdischer Gewerbetreibender und ihrer Familien in Spandau. Ergänzt werden sie mit vielen Zeitzeugenaussagen über die Pogromnacht. Die Grundlage dazu bilden die neuesten Forschungsergebnisse der JGW. Der Bus wird die Ausstellung bis Ende November zu verschiedenen Spandauer Oberschulen bringen, um sie dort zu zeigen. Die Eröffnung, der einzige öffentliche Termin der Ausstellung, ist am Freitag, den 9. November 2018 um 17 Uhr auf dem Spandauer Marktplatz. Neben dem Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und dem Stadtrat für Bürgerdienste, Ordnung und Jugend, Stephan Machulik, werden die AusstellungsmacherInnen über ihre Ausstellung berichten.

Im Anschluss, von 17.30 Uhr-19.30 Uhr, werden Schülerinnen und Schüler des Lily-Braun-Gymnasiums, des Siemens-Gymnasiums und der Martin-Buber-Oberschule an ehemalige jüdische Geschäfte und deren InhaberInnen in der Spandauer Altstadt erinnern. Die jungen Menschen werden in kurzen Vorträgen vor dem jeweiligen Geschäft deren Biographien vorstellen, davon berichten was in der Pogromnacht dort passiert ist und Fotos und Dokumente zeigen. Am Bus wird es Flyer geben, die die Lage der Geschäfte beschreiben.

Zu der Eröffnung werden über 30 Angehörige von ehemals in Spandau lebenden jüdischen Familien, u.a. aus Israel, den USA und England, anreisen.

Ergänzend wird bis zum 18.11.2018 im Gotischen Haus eine kleine Ausstellung der Jugendgeschichtswerkstatt in Zusammenarbeit mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Spandau gezeigt. Sie enthält die neuen Rechercheergebnisse der JGW über jüdischer Familien und ihrer Geschäfte in Spandau bis 1945, und berichtet über die Ereignisse der Pogromnacht.

Bezirksstadtrat Stephan Machulik führt dazu aus: „Die neuen Forschungsergebnisse der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau zu der Pogromnacht 1938 in Spandau sind beeindruckend und bedrückend zugleich. Sie verdeutlichen die verzweifelte Lage, in der sich die jüdischen Bürger befanden; bleiben und abwarten war keine Option mehr.
Die Ergebnisse auf diese Art und Weise zu präsentieren, ist eine gute Idee. Durch die mobile Ausstellung in einem Bus, der zu den BesucherInnen, den Schülerinnen und Schülern fährt, können sehr viele junge Menschen erreicht werden. Die zusätzlichen Berichte vor den Geschäften in der Altstadt, die es nur an diesem Abend geben wird, werden ein wichtiges Stück der Spandauer Geschichte sichtbarer machen. Das Engagement der jungen Menschen aus Spandau kann daher nicht genug gewürdigt werden.
Ich hoffe, dass viele Spandauerinnen und Spandauer, aber auch viele Gäste aus Berlin am Freitagabend zu der Veranstaltung kommen, um mit ihrer Anwesenheit auch den Angehörigen der jüdischen Familien zu zeigen, dass dieser Teil der deutschen Geschichte nicht vergessen ist.“

Termine „UNVERGESSEN – die Pogromnacht in Spandau vor 80. Jahren“:

Tag: Freitag, 9. November 2018
Ausstellungseröffnung Bus
Ort: Spandauer Marktplatz
Zeit: 17.00 Uhr

Berichte über jüdische Gewerbetreibende in der Altstadt
Ort: Vor verschiedenen Geschäften in der Spandauer Altstadt
Zeit: 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr

Ausstellung der JGW über die Pogromnacht
Ort: Gotisches Haus, Breite Straße 32, Spandau
Datum: bis zum 18.11.2018
Zeit: Di-Sa 10-18 Uhr, So 12-18 Uhr (9.11. ab 18.00 Uhr)

Alle Veranstaltungen und Ausstellungen sind kostenfrei

Für weitere Informationen steht Ihnen Uwe Hofschläger, Jugendgeschichtswerkstatt Spandau, Tel.: 336 076 10, gerne zur Verfügung.