Heike Ruschmeyer. Das andere Land Ausstellung in der GalerieEtage im Museum Reinickendorf

Pressemitteilung Nr. 6018 vom 31.08.2015
Bildvergrößerung: Frau Ruschmeyer
Bild: Matthias Reichelt

„Malerei ist für mich ein Ort des politischen Handelns. Malerei betrachte ich nicht als Dekoration und nicht als Illustration von Geschichte“, beschreibt die Berliner Künstlerin Heike Ruschmeyer ihre Arbeitsweise.

Am Freitag, dem 11. September 2015, um 19.30 Uhr wird in der GalerieETAGE im Museum Reinickendorf die Ausstellung „Das andere Land“ von Heike Ruschmeyer eröffnet.

Ruschmeyer setzt sich in ihren Arbeiten mit Tod und Gewalt in der Gesellschaft auseinander. In ihren Gemälden erzählt sie kein individuelles Schicksal oder eine Geschichte. Heike Ruschmeyer arbeitet mit fotografischen Vorlagen, die sich auf reale Vorkommnisse beziehen. Ihre Motiv- und Themenquellen sind Tageszeitungen, gerichtsmedizinische Fachbücher, Polizeiberichte oder Privatfotografien. Die malerische Qualität, mit der ihre Bilder ausgeführt sind, provoziert einen Widerspruch zwischen Inhalt und Form. So fordert die Künstlerin den Betrachter unerbittlich zum Nachdenken über Leben und Tod heraus. In der Ausstellung sind Arbeiten aus der Lalelu-Serie zu sehen, die sich thematisch mit Familiendramen und Kindervernachlässigungen auseinandersetzen. Auch in ihren neuen Arbeiten, in denen sie menschenleere Tatorte im Zusammenhang mit dem Extremismus in Deutschland, wie dem RAF-Anschlag auf Rolf Herrhausen und dem Brandanschlag in Solingen, dokumentiert, vermag man sich dem Augenblick der zerstörerischen Gewalt nicht zu entziehen.

„Mit Heike Ruschmeyer zeigen wir eine Künstlerin, die seit vielen Jahren das Kunstleben in Berlin und darüber hinaus prägt. Die hohe künstlerische Qualität ihrer Arbeiten und die gewählten Themen weisen auf eine Ausnahmekünstlerin hin. Der Bezirk Reinickendorf kann sich glücklich schätzen, dass diese Künstlerin ein Atelier im Künstlerhof Frohnau bezogen hat“, so Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bezirksstadträtin für Schule, Bildung und Kultur.

Heike Ruschmeyer wurde 1956 in Uchte/Niedersachsen geboren. Von 1976 bis 1979 studierte sie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Emil Cimiotti und Alfred Winter-Rust. Von 1979 bis 1982 studierte sie an der Hochschule der Künste Berlin als Meisterschülerin bei Wolfgang Petrick weiter. Ab 1983 begann eine Zusammenarbeit mit der Galerie Dieter Brusberg. Heike Ruschmeyer lebt und arbeitet in Berlin auf dem Künstlerhof Frohnau.

Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter unter anderem 1983 den Bernhard-Sprengel-Preis für Bildende Kunst, 1993 den Bernward-Preis für Malerei und 2005 den Marianne-Werefkin-Preis des Archiv Verein der Berliner Künstlerinnnen. Ihre Arbeiten befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter in der Sammlung Ludwig, Aachen, der Berlinischen Galerie, dem Willy-Brandt-Haus, Berlin, der Kunsthalle Hamburg, dem Sprengel Museum, Hannover, dem Mönchehausmuseum, Goslar und der Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich, Maulbronn.

Im Rahmen der Kunstwoche der Kommunalen Galerien in Berlin zur Berlin Art Week finden folgende Begleitveranstaltungen statt:

Sa, 12.9. 14 Uhr
Artspotting – Begegnungen mit Kunst in Reinickendorf

Radtour Ausgehend von der Ausstellung „Heike Ruschmeyer – Das andere Land“ in der GalerieETAGE des Museums Reinickendorf führen die Kunstkomplizen zu verschiedenen Kunstorten im Bezirk. Stationen sind unter anderem der Max Beckmann-Platz, die „Kugelläuferin“ auf dem Zeltinger Platz und die Johanneskirche. Die Tour endet mit einem Atelierbesuch bei Heike Ruschmeyer auf dem Künstlerhof Frohnau.

Beginn: GalerieETAGE im Museum Reinickendorf
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Um Anmeldung wird gebeten unter 030/404 40 62 oder info@museum-reinickendorf.de

Do 17.9. 19 Uhr
Tatorte als stille Zeugen der Gewalt
Artist Talk Gespräch mit der Künstlerin Heike Ruschmeyer in der Ausstellung,
Moderation Kunstkomplizen

Im Fokus der Künstlerin Heike Ruschmeyer stehen Opfer von Gewaltverbrechen und Selbstmörder, die sie einprägsam zurück ins Gedenken holt. Ihre neuesten Arbeiten zeigen mit wachsamem Blick Vergangenes und Gegenwärtiges deutscher Geschichte. Sie markieren Grenzbereiche zwischen Einsamkeit und medialem Voyeurismus, zwischen Tragik und letzter Ruhe.

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Sa 19.9. 14 Uhr
Heike Ruschmeyer – Das andere Land
Ausstellungsrundgang mit den Kunstkomplizen

Heike Ruschmeyer polarisiert. Die Vorlagen ihrer Bilder sind bedingungslos real, keine Fiktion. Und so finden sich hinter ihrer Malerei einst stark medienpräsente Bilder einer vom „Deutschen Herbst“ geprägten Phase der Bundesrepublik, brennende Ausländerwohnheime der 90er Jahre und von Szenarien alltäglicher Gewalt wieder. Mit ihren Bildern bearbeitet sie existenzielle Fragen und fordert den Betrachter schonungslos heraus. Dabei erzeugt sie einen extremen Widerspruch zwischen der Schönheit der Form und dem Inhalt und lässt den Betrachter als tatenlosen Zuschauer stehen, der sich der nachhaltigen Wirkung ihrer Bilder nicht entziehen kann.

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

GalerieEtage im Museum Reinickendorf
Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin
Ausstellungsdauer: 12. September 2015 – 31. Januar 2016
Tel.: 030/404 40 62
www.museum-reinickendorf.de
info@museum-reinickendorf.de

Bildvergrößerung: Kunstwerk Ruschmeyer
Bild: Foto Privat