#neu in Palermo

birgit palermo

Unsere Kollegin, Birgit Gust arbeitete von Ende September bis Ende Oktober 2018 in Palermo. Sie nahm am Verwaltungsaustausch „Let‘s go Europe 2018” teil. Über ihre Eindrücke und Erlebnisse berichtete sie regelmäßig auf Facebook unter #neu in Pankow. Wir dokumentieren hier ihre posts. Einen ausführlichen Bericht finden Sie in der Seitenspalte.

Impressionen Hospitation Palermo

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Facebook Post vom 20.10.2018

Palermo Palazzo Forcella de Seta Manifesta
Palermo Palazzo Forcella de Seta
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow,

dies ist mein letzter Post aus Palermo. Ich komme bald wieder nach Berlin 😉 Hier noch ein kurzer Blick auf die Manifesta 12 in Palermo, die noch bis zum 4. November unter dem Motto “The Planetary Garden. Cultivating Coexistence” stattfindet.

Überall in der Stadt sind Palazzi und Gärten geöffnet, in denen man zeitgenössische Kunst zu den Themen Klimawandel und Migration erleben kann. Dazu gibt es viele Workshops, Filmvorstellungen, Führungen….
Es gibt ein Manifesta Bus (Education Hub), der in verschiedene Nachbarschaften fährt, um Kunstworkshops durchzuführen , z.B. auch gemeinsam mit jungen Migranten einer Unterkunft.

Im Palazzo Forcella De Seta wird das Thema Migration aufgegriffen. Auf den Bildern unten seht ihr das Kunstwerk “The Soul of Salt” von Patricia Kaersenhout: Es bezieht sich auf die Zeit des Kolonialismus und der Sklaverei. Mehr Infos hier

Oder Videoinstallationen, in der Sea Watch eine Rettungsaktion von Migranten auf dem Mittelmeer dokumentiert oder eine Videoinstallation, die an das Verbrechen auf der Autobahn in Österreich erinnert, wo Schlepper viele Menschen ersticken ließen (John Gerrard, Untitled (near Parndorf, Austria).

Im Teatro Garibaldi gibt es fast jeden Abend Filmvorführungen, wie z.B. den Film “An opera of the world” von Manthia Diawara

oder “Democracy” von David Bernet http://www.democracy-film.de/

Und natürlich gibt es noch vieles, vieles mehr…Mehr Infos unter: http://m12.manifesta.org/
https://manifesta.org/biennials/manifesta-12/

19.10.2018

Palermo Falcone Mafia
Gemälde Falcone Borsellino
Bild: Birgit Gust

Das Thema Mafia ist in Palermo zentral – Aufgrund der vielen brutalen Morde in der Vergangenheit an Staatsanwälten, Richtern und Journalisten, aber auch aufgrund seiner Bedeutung für die heutige Zeit.

Der Sommer nach der Ermordung der beiden Untersuchungsrichter Giovanni Falcone (+ 23. Mai 1992) und Paolo Borsellino (+19. Juli 1992), deren Portrait an vielen Stellen der Stadt zu sehen ist, wird als Wendepunkt beschrieben. Erstmals habe die Zivilgesellschaft, verstanden, so berichtet eine Palermitanerin, dass sie selbst auf die Straße gehen und gegen die Mafia Widerstand leisten müsse. Viele Familien seien mit ihren Kindern zu Demonstrationen gegangen und haben weiße Betttücher zum Zeichen gegen die Mafia aus den Fenstern gehängt.

Die Organisation “Addiopizzo“ (“Auf Wiedersehen Schutzgeld”) kämpft gegen die Schutzgelderpressung der Mafia. Unter dem Motto “Ich zahle die, die nicht zahlen” hat Addiopizzo ein Label für Geschäfte erstellt, das solche Läden auszeichnet, die sich offen von der Mafia distanzieren. Etwa 1000 Geschäfte haben sich bislang in Palermo der Aktion angeschlossen. Mehr Infos und eine Übersicht gibt es hier: http://www.addiopizzo.org/index.php/who-we-are/
https://www.facebook.com/pg/addiopizzo/about/

Bei dem Kampf gegen die Mafia spielt aktuell eine Gruppe von Immigranten aus Bangladesch eine wichtige Rolle. Zum ersten Mal hat sich eine Gruppe von Geschäftsleuten, nachdem sie 2016 massive Gewalt und Überfälle erlebt haben, zusammengeschlossen und mit der Unterstützung von Addiopizzo gegen die Täter ausgesagt. Im Mai 2016, am Jahrestag des Mordes an Richter Falcone, sind 12 Verdächtige angeklagt worden. Bis dato habe es nur Aussagen von einzelnen Unternehmern gegeben, deren Geschäfte sich am Stadtrand Palermos befanden, sagt Daniele Marannono, ein Mitglied von Addiopizzo. Jetzt gebe es die Aussage einer Gruppe, deren Geschäfte im touristischen Zentrum Palermos an der Via Maqueda liegen. Der Widerstand der Geschäftsleute aus Bangladesch hat viel angestoßen- die Straße wurde kollektiv verschönert und ist eine der Flaniermeilen in Palermo (siehe Bild).

Auch die Wiederbelebung der Piazza Magione ist für junge Leuten ein Zeichen im Kampf gegen die Mafia.
Der Platz wurde im zweiten Weltkrieg zerbombt, das Geld für den Wiederaufbau aber sei veruntreut worden, daher habe der Platz lange Zeit brach gelegen. Mittlerweile ist die Piazza saniert und ein zentraler Ort in dem Stadtviertel “La Kalsa”, aus dem die Richter Falcone und Borsellino stammen.

16.10.2018

Palermo Law Clinic
Palermo Juristische Fakultät
Bild: Birgit Gust

Buona sera Pankow!

In Palermo gibt es, wie in vielen anderen Städten Europas – auch in Berlin🤩 – eine Law Clinic (CLEDU – Clinica Legale per i Diritti Umani dell’Università di Palermo).

Die Law Clinic in Palermo ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Migrant*innen, da sie hier kostenlose Rechtsberatung erhalten. Das Konzept sieht so aus, dass Jurastudent*innen mit Supervision ihrer Dozenten, rechtliche Beratung und Begleitung im Bereich “Human Rights” anbieten. Die Anlaufstelle befindet sich in der Juristischen Fakultät im Zentrum der Stadt am Piazza Bologni und steht prinzipiell allen Ratsuchenden offen. Es sind jedoch hauptsächlich Zugewanderte und auch Roma, die die Unterstützung in Anspruch nehmen. Dieses Beratungsformat ist für alle Beteiligte eine win-win Situation: hilfesuchende Menschen erhalten rechtliche Beratung und die Studierenden können wichtige praktische Erfahrungen sammeln. Neben der Rechtsberatung und der Vorbereitung auf die Interviews im Asylverfahren versteht sich die Law Clinic auch als Interessenvertretung für ihre Klienten und steht z.B. bei Beschwerden gegen Verwaltungsprozedere im Austausch mit der Kommune von Palermo.
Als ich die Law Clinic besucht habe, warten dort am frühen Abend noch viele Menschen, auch mit ihren Kindern. Ich spreche mit einem Dozenten, der mir die Arbeit erklärt und an einem Austausch mit der Berliner Law Clinic (https://www.rlc-berlin.org) interessiert ist.

Mehr Infos zu Law Clinic in Palermo hier: https://www.facebook.com/CLEDU-1663643247204597/
https://www.unipa.it/…/…/clinica-legale-per-i-diritti-umani/

Infos und Beratungszeiten der Berliner “Refugee Law Clinic Berlin e.V.” hier
https://www.rlc-berlin.org/rechtsberatung
Die Refugee Law Clinic Berlin bietet auch in anderen Stadtteilen Beratung an, vielleicht können wir sie nach Pankow holen…

Mehr Infos zum Konzept der Law Clinic und den Standorten in Deutschland https://rlc-deutschland.de/en/

12.10.2018

Palermo Mediterranea
Initiative Mediterranea
Bild: Birgit Gust

Buongiorno Pankow!

Mission “Mediterranea”
Das Thema der humanitären Tragödien im Mittelmeer ist hier in Palermo sehr präsent. Am Mittwoch wurde ich zur Vorstellung der Mission “Mediterranea” in der Kirche Santa Chiara im Stadtteil Ballarò eingeladen: von Palermo ausgehend haben Juristen, Aktivisten, Initiativen, NGOs, Politiker am 3.10.2018 ein Boot zur zivilen Seenotrettung gekauft und ausgestattet. Damit gibt es erstmals eine italienische zivile Seerettungsmission. Das Boot fährt seit einer Woche auf dem Mittelmeer unter der italienischen und auch der palermitanischen Flagge. Ansinnen ist es, dass ihnen dadurch bei Rettungsmissionen nicht verwehrt werden kann, in italienische Häfen einzulaufen. An der Vorstellung der Mission “Mediterranea” mit einer Lifeschaltung zur Crew des Bootes nahmen mehrere Hundert Menschen teil, sowie Unterstützer*innen aus der Zivilgesellschaft und der Kommune Palermos. “Safing others means saving us”, die Initiatoren treten für Menschenrechte, eine humanitäre Gesellschaft, legale Zugangswege nach Europa und Solidarität ein und empfinden es als ihre Pflicht, Position zu beziehen.

Mehr Infos unter: https://mediterranearescue.org/mediterranea/

A presto!

11.12.2018

Palermo Giocherenda
Giocherenda
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow!

Diese Gruppe von jungen Migrant*innen in Palermo habe ich gleich zu Beginn meines Aufenthalts kennengelernt. Sie kommen aus verschiedenen hauptsächlich westafrikanischen Ländern und haben gemeinsam mit ihrer ehemaligen Lehrerin Clelya Bartoli “Giocherenda” gegründet. “Giocherenda” bedeutet in der afrikanischen Sprache Fula “Solidarität” und erinnert an das italienische Wort “gioco” (Spiel). Die jungen Leute haben Spiele entwickelt, bei denen man gemeinsam Geschichten erfindet und erzählt – es müssen keine realistischen Geschichten sein, sondern können auch frei erfunden werden – so werden auf spielerische Art und Weise Beziehungen aufgebaut und Verständnis füreinander geschaffen. Ich schreibe über diese Gruppe, da ich sie hier in Palermo als sehr aktiv erlebe – sie veranstalten Events und sind Teil von verschiedensten Netzwerken. Dank ihnen und Clelya bekomme ich viele Kontakte und Einblicke in Palermo.
Mittlerweile wird die Giocherenda-Gruppe in verschiedene Städte Italiens eingeladen, um das Projekt vorzustellen.

Neben den Spielen bieten die die jungen Leute auch Trainings in der Heroic-Imagination-Project Methode an. Dies ist ein Training, um gesellschaftlichen Druck psychisch standzuhalten. Der amerikanische Psychologe Philip Zimbardo (mit sizilianischen Eltern) – bekannt durch das Stanford-Prison-Experiment in den späten 1960er, später verfilmt in “Das Experiment”, in dem Studenten in “Wärter” und “Gefangene” eingeteilt wurden – hat die jungen Migrant*innen in Palermo getroffen und in der Methode ausgebildet. Jetzt führen sie Trainings in Schulen und mit anderen Gruppen durch.

Einen schönen Youtube Film dazu gibt’s unter: https://www.youtube.com/watch?v=VA9AktU8Upc

Mehr Infos hier

7.10.2018

Palermo Arte Migrante
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow!

Ein tolles Format, um Menschen miteinander bekannt zu machen ist Arte Migrante!

Alle zwei Wochen veranstaltet die Gruppe Arte Migrante Palermo ein Treffen in der Kirche Santa Chiara in Ballarò. Die Veranstaltungen folgen einem festen Ablauf, die in drei Phasen eingeteilt sind: In der ersten Phase erfolgt die gegenseitige Begrüßung, dann ein gemeinsames Essen – jeder* bringt etwas mit – und in der dritten Phase kann jede*r etwas vorführen, sagen, singen, was er oder sie mit den anderen teilen möchte. Es ist ein einfaches Format, neue Leute kennenzulernen. Und vor allem – es macht Spaß 😀
In vielen italienischen Städten gibt es mittlerweile Arte Migrante-Gruppen – und sogar auch in Dresden. In Berlin noch nicht…..aber vielleicht ja auch bald 😉

Mehr Infos zu Arte Migrante findet ihr hier:
http://www.artemigrante.eu/
https://m.facebook.com/ArteMigrantePalermo/
https://www.facebook.com/pg/ArteMigranteIT/about/?ref=page_internal

Und noch etwas anderes: Gestern gab es eine Demo hier am Teatro Politeama, um Solidarität mit dem Bürgermeister von Riace zu zeigen. Auch der Bürgermeister Leoluca Orlando sprach.

Und noch ein Hinweis auf ein Reportage von arte, die einen tollen Eindruck von Palermo bietet – und Orte zeigt, die ich auch schon kennenlernen durfte…

https://www.arte.tv/de/videos/084352-000-A/italien-palermo-ist-anders/

Arrividerci!
Birgit

3.10.2018

Centro Astalli Palermo Jahrestag Lampedusa
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow!

Heute ist in Italien der nationale Gedenktag der Tragödie von Lampedusa vom 3. Oktober 2013. Vor fünf Jahren sind dort vor der Küste mehr als 360 Menschen ertrunken. Daraufhin hat das italienische Parlament 2016 diesen Gedenktag beschlossen, um an die Opfer zu erinnern. Allein 2018 sind schon 1560 Menschen im Mittelmeer ertrunken. In Palermo hat heute das Centro Astalli, ein Sozialzentrum des JSR (Jesuit Refugee Service) für Migranten und Flüchtlinge im Stadtzentrum, zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. Gemeinsam mit Vertretern der Kommune, Ehrenamtlichen und Migrant*innen wurde der Opfer gedacht. Es sprach auch eine Frau, die ein neun Monate altes Baby einer der ertrunkenen Frauen adoptiert hat. 😔

Das Centro Astalli ist eine Anlaufstelle für viele Migranten. Es gibt jeden Morgen ein offenes Frühstück, die Möglichkeit zum Duschen und Wäsche waschen, sowie eine Kleiderkammer, Sprachkurse, Nachhilfe, Rechtsberatung, eine Holzwerkstatt und Töpferei. Insgesamt rund 60 Freiwillige sind aktiv, darunter Ärzte, die täglich eine Sprechstunde anbieten. Finanziert wird die Einrichtung ausschließlich über Spenden.

Das Centro Astalli betreibt auch eine Unterkunft für Geflüchtete. Auf Sizilien werden Migrant*innen nach ihrer Ankunft in großen Einrichtungen untergebracht und danach – im Idealfall – auf dezentrale Einrichtungen in den Städten verteilt, in sogenannte SPRAR (Schutzsystem für Asylsuchende und Geflüchtete- sistema di protezione per richiedenti asilo e rfugiati). Diese SPRAR-Unterkünfte sind klein, nehmen höchstens bis zu 20 Personen auf und liegen im Stadtzentrum, so auch das Centro Astalli. Hier leben derzeit 22 Geflüchtete. Eine Sozialarbeiterin ist vor Ort, es gibt Rechtsberatung und psychologische Hilfe. Sechs Monate dürfen die Menschen in diesen Einrichtungen bleiben, dann müssen sie ausziehen und sich selbst versorgen, im Ausnahmefall kann der Zeitraum verlängert werden. Wenn ich von unseren „kleinen“ Einrichtungen in Pankow berichte, in denen rund 150 Menschen leben, können die Leute dies hier kaum glauben.

Wie und wer wann allerdings von den großen Hotspots in die kleinen Einrichtungen in die Stadt kommt, durchschaue ich noch nicht… einig sind sich jedoch bislang alle meine Gesprächspartner in ihrer Sorge vor der Gesetzesänderungen in Italien und deren Bedeutung für die Unterbringung in diesen kleinen Wohngemeinschaften.

Herzliche Grüße!
PS: es schüttet in Strömen 😝
PPS: viele sehr nette Menschen, die sehr hilfsbereit sind und sehr unkompliziert Kontakte vermitteln!👍
PPS: ich schicke Euch noch 2 Fotos von den zauberhaften Kirchen 😌

30.9.2018

Palermo Molti Volti
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow! Cara saluti dalla calda Palermo!

Wie setzen die Palermitaner*innen die politische Vision des Bürgermeisters Leoluca Orlando um? Wie gelingt es, dass sich alle gleichermaßen als Bürger*innen Palermos fühlen?

„La mia terra è dove poggio i miei piedi“
(“Mein Land ist, wo ich meine Füße ruhen lasse” Motto des Moltivolti)
Ich treffe Claudio, einen Gründer des „Moltivolti“, eines Restaurants und Co-working spaces inmitten von Albergheria, einem Stadtteil Palermos – nahe des berühmten Marktes Ballarò. Hier leben viele Immigranten, die dieses ursprünglich vernachlässigte Stadtviertel wiederbeleben. Für das Moltivolti („Viele Gesichter“) genau der richtige Ort. Vor vier Jahren haben hier mehrere Freunde ein Begegnungsort und Geschäftsmodell entwickelt: ein Restaurant für alle und daran gekoppelt ein co-working space. Der co-working space finanziert sich über das Restaurant und bietet Raum für Interessierte und NGOs, die zu den Themen Menschenrechte, Migration, Antimafia, Inklusion, etc. arbeiten und sich vernetzen wollen. Täglich kommen Touristen zum Essen, aber auch Einheimische und Zugewanderte – auch aus mehreren Flüchtlingsunterkünften. Das Moltivolti hat mit deren Betreibern ein Abkommen geschlossen, das den Bewohnern ermöglicht, im Moltivolti zu essen. Das hat den Zugang für verschiedenste Gruppen und Menschen zu diesem Ort befördert. Mittlerweile ist es ein lebendiger Treffpunkt für verschiedenste Menschen. Claudio sagt: „Unser Ziel ist Inklusion“, die Charta di Palermo gebe den politischen Wille vor, das Moltivolti setze diesen in die Praxis um. Mehr Infos: http://moltivolti.org/en/

Der Schutzpatron von Palermo als Zeichen der Gastfreundschaft
Im Moltivolti und in der nahe gelegenen Kirche Santa Chiara trifft sich eine Gruppe junger Migrant*innen mit internationalen Künstlern. Sie proben für eine Vorführung zur Geschichte des Genius von Palermo. Der Genius von Palermo ist der Schutzpatron der Stadt – ein alter Mann mit Bart dargestellt mit einer Schlange, die an seiner Brust saugt. Es gibt zahlreiche Interpretationen dieser Figur. Die jungen Männer und Frauen aus verschiedenen afrikanischen Ländern interpretieren die Gestalt des Schutzpatrons der Stadt neu und führen dies als Theaterstück auf der Piazza Marina auf: Ein Mann rettet eine Schlange vor den Dorfbewohnern, die die Schlange töten wollen. Der Mann nimmt die Schlange auf, füttert sie und reist mit ihr in eine wunderbare Stadt – Palermo. Dort sind die Menschen sehr erstaunt, dass der Mann keine Angst vor der Schlange hat und sie ihm nichts tut. Sie erkennen, das es die Gastfreundschaft des Mannes ist, die dieses bewirkt und ernennen ihn zu ihrem Schutzpatron.

Und sonst: Die Stadt ist sehr lebendig, neben der Manifesta gibt es zahlreiche Festivals, so gerade auch das Sherbeth – ein Internationales Eisfestival. Und natürlich auch wunderschöne Palazzi.

26.9.2018

Palermo Demonstration-Riace
Bild: Birgit Gust

Ciao Pankow! Cara saluti da Palermo!

„Mobilität ist ein Menschenrecht!“ sagt Bürgermeister Leoluca Orlando.

Ich treffe ihn an meinem ersten Tag in Palermo. Auf einer Veranstaltung spricht er über das Selbstverständnis Palermos und von seiner Vision einer Stadt, die keine Migranten und Migrantinnen kennt, sondern in der alle gleichermaßen Bürger*innen sind. Bürgermeister Orlando: „Wenn mich jemand fragt, wie viele Migranten leben In Palermo?, antwortete ich: Keine! Es sind alle Palermitaner und Palermitanerinnen!“ Niemand könne seinen Geburtsort selbst wählen, daher müsse das Recht auf Mobilität allen gewährt werden.

Sizilien liegt am südlichen Zipfel Europas, 1000 Kilometer näher an Algier als an Berlin. Hier trafen lange Zeit mehrere Tausend Migrant*innen ein. Die Geschichte und geographische Lage haben dieses Selbstverständnis mit geprägt – und die Frage, wie man damit umgeht. Geht man durch Palermo, fällt auf, dass viele Straßenschilder mehrsprachig sind: Italienisch, arabisch und hebräisch. Dies ist mit eine Strategie der Stadt, allen Zugewanderten zu zeigen, dass sie Teil Palermos sind. Mehr Infos zur Vision Palermos finden sich in der Charta von Palermo.

Und was mache ich hier? Ich nehme am Berliner Verwaltungsaustausch „Let‘s go Europe 2018“ teil, um neue Erfahrungen und Ideen für unser Team und die Arbeit im Bezirksamt zu sammeln. Noch vier Wochen in Palermo 😊 Eindrücke poste ich hier.

Grüße Birgit Gust