Pankower Bezirksmedaille an Pfarrerin Ruth Misselwitz verliehen

Pressemitteilung vom 16.01.2014

Erstmals haben die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Bezirksamt Pankow bei ihrem diesjährigen Neujahrsempfang die Bezirksmedaille in Anerkennung der um den Bezirk Pankow von Berlin erworbenen besonderen Verdienste verliehen. Ruth Misselwitz, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow „Zu den vier Evangelisten“, hat die Auszeichnung aus den Händen der Bezirksverordnetenvorsteherin Sabine Röhrbein und des Bezirksbürgermeisters Matthias Köhne (beide SPD) am 15. Januar 2014 entgegen genommen. „Ruth Misselwitz hat sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl und das Zusammenleben im Bezirk Pankow verdient gemacht. Ihr jahrzehntelanges Eintreten für ein tolerantes, gleichberechtigtes Miteinander sowie für Chancengleichheit und Demokratie soll uns ein Beispiel sein“, würdigt Sabine Röhrbein das Wirken der Pfarrerin, die seit mehr als 30 Jahren „das Zusammenleben in unserem Bezirk an dieser ganz entscheidenden Stelle und in ganz besonderer Weise mit gestaltet“. Ruth Misselwitz gründete gemeinsam mit ihrem Mann Hans Misselwitz sowie Martin Hoffmann, Freya Klier, Vera Lengsfeld und anderen im Herbst 1981 den Friedenskreis Pankow, eine der größten oppositionellen Gruppen, die sich in der DDR unter dem Dach der Kirche versammelten. Sie engagierte sich bei Frauen für den Frieden und im DDR-weiten Netzwerk Konkret für den Frieden. Von 1988 bis 1989 arbeitete sie in der Untergruppe „Mehr Gerechtigkeit in der DDR“ der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung mit, 1989 war sie Delegierte des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung „Frieden in Gerechtigkeit“ in Basel. Von 1989 bis 1990 moderierte sie den Runden Tisch im damaligen Stadtbezirk Pankow. 1991 war sie Gründungsmitglied des Vereins Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e. V. (OWEN) und seit 1998 engagiert sie sich im Bürgerkomitee Pankow gegen Rechtsextremismus und Gewalt, das jährlich zum 27. Januar die Pankower Lichterkette organisiert. In den Jahren 2001 bis 2010 war sie Vorsitzende der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, sie gehört dem Kuratorium der Stiftung Friedliche Revolution in Leipzig an.
Die Verleihung der Bezirksmedaille geht auf einen Beschluss der BVV von September 2012 zurück. Danach sind jeweils beim Neujahrsempfang des Bezirks Bürgerinnen und Bürger mit der Bezirksmedaille auszuzeichnen, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl und das Zusammenleben im Bezirk verdient gemacht haben. Eine Jury, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der BVV-Fraktionen und des Bezirksamtes zusammensetzt, hat unter Vorsitz der Bezirksverordnetenvorsteherin seither in einem intensiven Prozess die erstmalige Verleihung 2014 vorbereitet. Die künstlerisch gestaltete Bezirksmedaille ist ein Bronzeguss, geschaffen nach den Entwürfen des Bildhauers Reinhard Jacob. Der Künstler studierte von 1969 bis 1978 Bildhauerei an der Kunsthochschule Weißensee und ist seither freiberuflich tätig. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem Figuren, Porträts, Medaillen, Gedenktafeln, Farb-, Interieur- und plastische Gestaltungen sowie Arbeiten im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel das Claire-Waldoff-Denkmal am Friedrichstadtpalast und die künstlerische Gesamtgestaltung der Puccini-Hofgärten in Weißensee. Das Futteral für die Bezirksmedaille ist in Zusammenarbeit mit dem Buchbinder der Papier & Buch Atelier und Agentur Ralf Liersch entstanden. Neben der Bezirksmedaille hat die Preisträgerin eine Urkunde in Anerkennung der um den Bezirk Pankow von Berlin erworbenen besonderen Verdienste sowie einen Bandsteg in den Berliner Landesfarben weiß und rot mit aufgebrachtem Bezirkswappen erhalten.