Rede des Bezirksbürgermeisters zur Eröffnung der Moschee in Pankow am 16.10.2008

Pressemitteilung vom 17.10.2008

Am 16. Oktober 2008 wurde die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Pankow-Heinersdorf eröffnet.
Bezirksbürgermeister Matthias Köhne sagte in seiner Eröffnungsrede dazu :

„Ich gratuliere im Namen des Bezirksamtes Pankow zur Fertigstellung und Eröffnung dieser Moschee und heiße die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde herzlich willkommen in unserem Bezirk.
Jede und jeder kann nun mit eigenen Augen sehen, dass die Architektur des Bauwerkes kein Symbol eines angeblichen Machtanspruch des Islam darstellt. Ganz im Gegenteil sollten wir uns sogar freuen, dass die Umgebung durch die Moschee eine deutliche architektonische Aufwertung erfährt. Dass wir sehen können wie die Wirklichkeit aussieht, entzieht bewusst gestreuten Spekulationen den Boden. Ich danke der Ahmadiyya-Gemeinde für ihr Festhalten am Projekt des Moscheebaus in Heinersdorf. Einzig und allein in ihrer Entscheidung lag es, ob die Moschee gebaut wird oder nicht.
Es wäre ein verheerendes Zeichen gewesen, wenn Protesten, die im Kern zweifellos fremdenfeindlich sind, nachgegeben worden wäre.
Nicht die Muslime wie diejenigen der Ahmaddiyya-Gemeinde, sondern der Umgang mit ihnen bedroht unsere Gesellschaft.
Es reicht nicht aus, sich von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu distanzieren, aber gleichzeitig kaum unterscheidbare Positionen zu vertreten. In den letzten zweieinhalb Jahren wurde viel Unfrieden in Heinersdorf gestiftet.
Verschwörungstheorien, Verleumdungen und persönliche Angriffe hatten Hochkonjunktur. Wir alle zusammen waren nicht vorbereitet auf die erste Moschee in unserem Bezirk. Viele Diskussionen und Auseinandersetzungen wurden geführt – ich bin sicher ohne die Anschläge vom 11. September wären diese ganz anders verlaufen.
Die friedliche, völlig unauffällige und seit fast 20 Jahren in unserem Nachbarbezirk Reinickendorf ansässige Ahmadiyya-Gemeinde wurde zu Unrecht Projektionsfläche für zweifellos vorhandene aber leider auch geschürte Ängste vor islamistischem Terrorismus. Hinzu kamen eine erschreckend weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit und ein äußerst bedenkliches Demokratieverständnis, mit dem Grundrechte und Gesetze durch Willkür ausser Kraft gesetzt werden sollen.
Ich bin sehr froh, dass sich auch dagegen ein parteiübergreifender, breiter Protest formiert hat, der das Grundrecht auf Religionsfreiheit verteidigt, ohne zweifellos kritikwürdige Positionen der Ahmadiyya-Gemeinde zu unterstützen.
Für uns ist z.B. die Trennung der Geschlechter ein nicht zeitgemäßer Umgang. Andere Auffassungen und andere Weltbilder rechtfertigen allerdings keine Ausgrenzung, solange sie mit unserem Grundgesetz vereinbar sind.
Die Diskussionen über die Moschee haben in Heinersdorf einen Modernisierungsschub ausgelöst. Soviel Engagement für den Ortsteil hatte es bisher nie gegeben. Ich danke allen, die sich konstruktiv um die Entwicklung von Heinersdorf kümmern.
Es freut mich auch, dass die Gleichberechtigung der Frauen, das Eintreten gegen häusliche Gewalt und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen einen großen Stellenwert in Heinersdorf bekommen haben.
Ich erwarte allerdings, dass diese Positionen nicht nur in Abgrenzung zur Ahmadiyya-Gemeinde erhoben werden, sondern auch von allen akzeptiert und gelebt werden. Ich hoffe, dass heute zum letzten Mal diese Moschee im überregionalen Blickfeld steht.
Jetzt muss nachbarschaftliche Normalität einkehren, gegenseitiges Vertrauen muss vorhandenes Misstrauen ablösen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dies möglich ist.
Ich wünsche mir, dass diese Moschee ein offenes Haus sein wird, in dem jede und jeder willkommen ist, in dem jede Frage beantwortet wird und jede Diskussion geführt werden kann. Über Integration wird viel geredet. Denn Integration und gegenseitige Achtung sind Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und friedliches Zusammenleben.
Dies soll ein Ort sein, wo Integration erfolgreich realisiert wird. Daran können und sollten wir uns alle gemeinsam beteiligen.”