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Pankow sagt NEIN zum Rauswurf ehrenamtl. Bibliotheken aus dem VÖBB

Pressemitteilung vom 18.09.2008

Zur Aufforderung der Leiter der Berliner Stadtbibliotheken an die morgen tagende Verbundkonferenz für die Zukunft ehrenamtliche Bibliotheken vom Verbund auszuschließen erklärt der Bezirksstadtrat für Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung des Bezirks Pankow, Dr. Michail Nelken.

„Der Bezirk Pankow wird auf der morgigen Beratung der Verbundkonferenz des VÖBB das Ansinnen der Leiter der Berliner Stadtbibliotheken an den Verbund, zukünftig ehrenamtlich Bibliotheken von der Teilnahme am Verbund auszuschließen, zurückweisen.

Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der vom Verein Pro Kiez seit wenigen Monten betriebenen Kurt-Tucholsky-Bibliothek als vollwertigen Bestandteil der Stadtbibliothek Pankow, sondern um eine kultur- und gesellschaftspolitische Grundsatzfrage. Durch den seit Jahren anhaltenden Ressourcenabbau in der kommunalen Kultur ist inzwischen ein flächen denkendes Angebot der Stadtbibliotheken nicht mehr gegeben. Die Stadtbibliotheken sind aus wirtschaftlichen aber auch aus Fachgründen gezwungen sich auf wenige, gut und modern ausgestattet sowie personell gut betreute Bibliotheksstandorte zu konzentrieren. Dadurch entfallen kieznahe Angebote. Was vor allem die weniger mobilen Nutzer trifft. Stadtteilbibliotheken sind aber wichtige Orte der kulturellen Kommunikation und Bildungsförderung, insbesondere für Kinder und auch Senioren. Wenn heute engagierte Bürger den Betrieb derartige Bibliotheken übernehmen, dann geschieht dies nicht in Konkurrenz zur professionell betriebenen Stadtbibliotheken, sondern in Ergänzung. Wenn die ehrenamtliche Kurt-Tucholsky-Bibliothek nicht wäre, dann gäbe es gar keine Bibliothek im Bötzowviertel mehr.

Nicht von der Hand zu weisen sind die Bedenken und fachlichen Einwände der Bibliotheksleiter hinsichtlich der „Deprofessionalisierung“ der Bibliotheksarbeit. Allerdings, statt die kulturlosen Sparphantasien des Finanzsenators zu geißeln, wehrt man sich in ständischer Fehlwahrnehmung gegen die Hilfe der engagierten Bürger, die dem Kulturabbau laut widersprechen und der Politik die Notwendigkeit der kulturellen Bildung im wirklichen Leben demonstrieren.“