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Rede vom Bezirksbürgermeister Matthias Köhne zur Grundsteinlegung für den Moscheebau in Heinersdorf

Pressemitteilung vom 02.01.2007

Anlässlich der Grundsteinlegung für den Moscheebau in Pankow-Heinersdorf am 2. Januar 2007 erklärte der Bezirksbürgermeister Matthias Köhne:

„Sehr geehrte Damen und Herren, das Vorhaben, an dieser Stelle eine Moschee zu bauen, hat in den letzten Monaten in unserem Bezirk und weit darüber hinaus für viel Aufmerksamkeit und viel Aufregung gesorgt. Nicht nur viele Menschen in Heinersdorf, sondern auch in anderen Teilen unseres Bezirkes waren und sind besorgt. Ihre Besorgnis äußert sich in der Ablehnung der Moschee, deren Grundstein wir heute legen. Wer täglich in der Tagesschau die oberflächlichen Meldungen über religiöse Konflikte und Terror in der Welt verfolgt, und dann erfährt, dass in seiner Nachbarschaft eine Moschee gebaut werden soll, kann zu schnell zu dem Kurzschluss kommen, dass gewalttätige Auseinandersetzungen demnächst vor seiner Haustür eskalieren oder dort eine „Brutstätte des Fundamentalismus“ geschaffen wird. Notwendige Differenzierungen finden nicht mehr statt, wenn die Atmosphäre vergiftet wurde. Dies geschah leider seit dem März des vergangenen Jahres. Die Aufgabe aller demokratischer Parteien und der demokratischen Öffentlichkeit wäre es gewesen, dazu beizutragen den Konflikt zu lösen, statt ihn anzuheizen und zu instrumentalisieren. Dass es sich bei der Religionsgemeinschaft, die die Moschee bauen will, um eine in Deutschland lange Jahre ansässige Gemeinde handelt, die bisher keinen Anlass lieferte als gewaltbereit, militant, kriminell oder verfassungsfeindlich eingestuft zu werden, interessiert die Gegnerinnen und Gegner der Moschee leider nicht. Ich gebe zu, dass auch mir einige Auffassungen der Ahmadiyya etwas suspekt und voraufklärerisch vorkommen – ich denke an die Trennung von Frauen und Männern oder an die von Ihnen geübte Kritik der Mozartoper „Idomeneo“. Trotzdem bin ich froh und ich danke der Ahmadiyya-Gemeinde, dass sie sich nicht durch die im Kern fremdenfeindlichen Proteste von ihrem Bauvorhaben hat abbringen lassen. Wenn die Moschee fertig ist und sie auch als offene Begegnungsstätte genutzt wird, werden die Menschen in Heinersdorf ihre Besorgnis verlieren können. Ich wünsche mir, dass die Ahmadiyya-Gemeinde und die Heinersdorferinnen und Heinersdorf schnell die Zeit des Gegeneinander überwinden, während der Bauzeit ein geregeltes Nebeneinander finden, und dann schnellst möglich in ein normales Miteinander übergehen. Dazu bedarf es von beiden Seiten Toleranz und Vertrauen. Vertrauen muss aber aufgebaut werden. Dies ist in der vergifteten Atmosphäre, in der wir uns leider befinden nicht ganz einfach.
Vorurteile müssen durch tatsächliches Handeln und nicht durch Ankündigungen abgebaut werden. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Moschee in Heinersdorf als Bereicherung und nicht als Gefahr wahrgenommen werden kann. Das Bezirksamt unterstützt alle dialogbereiten Initiativen, die ein friedliches und aufgeschlossenes Miteinander zum Ziel haben. Ich hoffe, dass die Bauarbeiten planmäßig und ohne Anfeindungen zügig vorangehen und abgeschlossen werden, so dass wir schon bald die Eröffnung der Moschee gemeinsam feiern können.”