Drucksache - 1558/XIX  

 
 
Betreff: Benennung neuer Bibliothek nach Margarete Kubicka
Status:öffentlich  
 Ursprungaktuell
Initiator:LINKEBildung, Schule und Kultur
  Schulze, Karsten
Drucksache-Art:AntragMitteilung - 2. Lesung
Beratungsfolge:
Bezirksverordnetenversammlung Vorberatung
13.04.2016 
49. öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln von Berlin überwiesen   
Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur Vorberatung
21.06.2016 
52. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule und Kultur vertagt   
05.07.2016 
53. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule und Kultur zurückgezogen   
Bezirksverordnetenversammlung Entscheidung
13.07.2016 
53. öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln von Berlin zur Kenntnis genommen (Beratungsfolge beendet)   

Beschlussvorschlag
Anlagen:
Antrag
Antrag überwiesen
Beschluss

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Antrag wird von der antragstellenden Fraktion in folgender Fassung zurückgezogen:

 

 

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Die neue öffentliche Bibliothek in Rudow soll nach der verdienten Neuköllnerin

Margarete Kubicka benannt werden.

 

Begründung:

Von 1927 bis 1956 wohnte die Malerin Margarete Kubicka in Neukölln in der Onkel-Bräsig-Str. 46. Verheiratet mit dem 1934 emigrierten späteren polnischen Widerstandskämpfer Stanislaw Kubicki unterstütze sie 1934 die Flucht ihrer Freundin Zenzl Mühsam und versorgte von 1940 bis 1945 polnische Zwangsarbeiter in Britz mit Informationen und Lebensmitteln.

 

Von 1924 bis 1933 hat Margarete Kubicka als Lehrerin für Kunst und Sport am II. Lyzeum in Neukölln gearbeitet. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde sie nach Tempelhof an die Luise-Henriette-Schule strafversetzt. Im April 1945 wurde sie als ausgewiesene Pazifistin und Antifaschistin von den Sowjets unmittelbar nach der Befreiung von Britz zur ersten Neuköllner Schulrätin ernannt. Später ging sie als Lehrerin zwar nach Tempelhof zurück, blieb aber Neukölln nicht nur durch ihren Wohnsitz verbunden.

 

Als Künstlerin hat sie ein beachtenswertes Werk hinterlassen. So war sie nicht nur Gründungsmitglied der deutsch-polnischen Expressionistengruppe „Bunt“ und der anarchistisch orientierten Künstlervereinigung „Kommune“ war, sondern sie gehörte ab 1923 auch der von Franz Wilhelm Seiwert initiierten „Gruppe progressiver Künstler“ an, in deren internationalen Ausstellungen ihre Bilder präsentiert wurden, so u. a. 1926 in Moskau und 1930 in Chicago.

 

Zu ihrem weiten Freundeskreis zählten u. a. Otto Freundlich, Raoul Hausmann, Else Lasker-Schüler, Marc Chagall sowie Erich und Zenzl Mühsam.

 

Nach dem Krieg hat das Kunstamt Neukölln die Bedeutung ihrer demokratischen und humanistischen Bildaussagen mit drei Ausstellungen ihrer Werke zwischen November 1945 und Juni 1946 gewürdigt.

 

Der nach dem Krieg von ihr gegründete Britzer Kreis zeigt ihr Bestreben, über Parteigrenzen hinweg ein tolerantes Diskussionsklima zu schaffen, in dem kontroverse Themen zielorientiert ausgetragen werden können. Viele dieser Themen hat sie in den Bildern, die sie nach ihrer Pensionierung ab 1956 angefertigt hat, auf Papier und Leinwand gebracht und die zusammen mit ihren Vorkriegsbildern in deutschen und internationalen Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Sie zeigen, dass Margarete Kubickas Werk zu Unrecht im Schatten der Arbeiten ihrer männlichen Kollegen gestanden hat und immer noch steht.

 

 
 

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