Auszug - Bericht aktuelle Situation im Blueberry Inn, Rundgang vor Ort  

 
 
21. öffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 2
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: erledigt
Datum: Do, 07.06.2018 Status: öffentlich
Zeit: 17:00 - 18:35 Anlass: ordentliche Sitzung
Raum: Blueberry Inn
Ort: Blueberry Inn, Reuterstr. 10, 12053 Berlin
 
Beschluss


Zu diesem Tagesordnungspunkt begrüßt Frau Blumenthal den Leiter des Blueberry Inn Herrn Jens Schielmann. Dieser macht zunächst darauf aufmerksam, dass die Einrichtung der einige Treffpunkt für Kinder und Jugendliche im Flughafenkiez ist. Das Blueberry Inn leistet Jugendarbeit entsprechend dem § 11 SGB VIII. Die primäre Zielgruppe sind Kinder- und Jugendliche von 8- bis einschließlich 15 Jahren. Es fehlt mithin an einem Angebot für ältere Jugendliche. Das Blueberry Inn hat sein Angebot daher für Mädchen bis 21 Jahren geöffnet. Der Großteil der Angebotsmöglichkeiten im offenen Bereich entspricht den Interessen und Wünschen der Besucherinnen und Besucher. Ein wesentliches Element der Arbeit ist die Partizipation. Diese wird vor allem in den monatlichen Vollversammlungen gelebt, in denen die Kinder und Jugendlichen ihre Wünsche äußern und darüber abstimmen, was maßgeblich für den offenen Bereich angeschafft werden soll. Hierdurch sind nicht nur die Freizeitmöglichkeiten optimal mit der und auf die Zielgruppe abgestimmt, sondern die Kinder und Jugendlichen identifizieren sich mit der Einrichtung und übernehmen Verantwortung. Auch die Hausregeln wurden gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen entworfen und werden in regelmäßigen Abständen auf den Vollversammlungen besprochen und angepasst. Über die offene Kinder- und Jugendarbeit wird eine solide Vertrauens- und Beziehungsgrundlage aufgebaut, die im Bedarfsfall, z.B. in Konflikt- oder Problemlagen, dazu führt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft zur ersten Ansprechperson werden. Eine Besonderheit der Einrichtung ist die Tatsache, dass der Treffpunkt an sieben Tagen in der Woche geöffnet ist.

 

Analog zum offenen Betrieb finden regelmäßig feste Angebote im Blueberry statt, die ebenfalls auf den Partizipationsmöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen basieren. Die Angebotspalette reicht vom Fußball, über einen Rap-Workshop bis hin zu kreativen Angeboten. Sonntags ist die Einrichtung für Eltern geöffnet, die hier in der Regel ein Elterncafé durchführen. Eine Besonderheit sind auch die regelmäßig stattfindenden Mädchen- bzw. Jungentage.

 

Herr Schielmann informiert darüber, dass der Drogenkonsum im Umfeld der Einrichtung zugenommen hat und es in der Vergangenheit auch häufig zu Problemen mit Jugendgruppen auf dem Käptn-Blaubär-Spielplatz gekommen ist. Der Bezirk Neukölln beteiligt sich daher aktiv an der durch das Land Berlin initiierten Verstärkung der kiezorientierten Prävention. Das mithilfe der Landesförderung umgesetzte Projekt “Auf die Plätze!“ ist fokussiert auf den sogenannten Flughafen-Kiez in Nord-Neukölln und soll die Situation auf dem Käpt’n-Blaubär-Spielplatz und in der Umgebung des Kinder- und Jugendtreffs „Blueberry Inn“ sowie auf dem Boddinplatz und dem angrenzenden Boddinspielplatz verbessern. Dabei werden im Rahmen eines dichten Kooperationsnetzwerks, das Polizei, Jugendgerichtshilfe, Quartiersmanagement, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Streetworker sowie auch Anwohnerinnen und Anwohner umfasst, unterschiedliche Maßnahmen und Interventionsformen eng verschränkt.

 

Frau Jahke bittet um Information, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blueberry Inn tätig sind und wie viele Kinder und Jugendliche den Treffpunkt regelmäßig besuchen. Hierzu führt Herr Schielmann aus, dass 3,5 Stellen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besetzt sind, die Anzahl der Kinderund Jugendlichen jedoch sehr schwierig zu schätzen ist. Am Tag besuchen zwischen 30 und 80 verschiedene Kinder und Jugendliche die Einrichtung. Die Stammbesucherzahl liegt im dreistelligen Bereich. Rund 200 Kinder und Jugendliche sind in der Einrichtung gut bekannt.

 

Auf Nachfrage von Herrn Hecht erläutert Herr Schielmann, dass die Mädchen- bzw. Jungentage tatsächlich dem jeweiligen Geschlecht vorbehalten sind. Der Mädchentag ist zum Beispiel ein geschützter Raum, in dem unter anderem geschlechtsspezifische und thematische Arbeit, Stärkung von Identität, Förderung von Ich-Stärke, Individualität und Selbstbewusstsein sowie regelmäßige Gesprächsrunden (z.B. altersgerechte Aufklärung, "wie sage ich nein", etc.) stattfinden. Im Rahmen des Jungentages findet ein geschlechterreflektiertes Arbeiten statt. Hierbei geht es unter anderem um das Rollenbild von Jungen (Warum müssen Jungen cool sein? Warum dürfen Jungen nicht weinen? Warum dürfen Jungen keine Probleme haben? etc.). Des Weiteren werden Konfliktlösungsstrategien abseits von verbaler oder körperlicher Gewalt erarbeitet und Geschlechterhierarchien hinterfragt. Weitere Themen sind: Interkulturelle Konflikte, Rassismus und Sexualität. Sonntags besuchen regelmäßig rund 50 Mütter das Elterncafé mit ihren Kindern. Einmal im Monat findet auch hier eine Vollversammlung statt, zu der auch Gäste, wie zum Beispiel die Präventionsbeauftragte des Polizeiabschnitts, eingeladen werden.

 

Frau Blumenthal bittet um Informationen, aus welchem Grund das Tor zum Käpt’n-Blaubär-Spielplatz verschlossen ist. Hierzu teilt Herr Schielmann mit, dass das Tor defekt ist und die Reparaturkosten vom Träger derzeit nicht getragen werden können. Laut Leistungsvertrag muss der Träger Reparaturkosten bis zu 1.000 Euro selbst tragen. Das Blueberry wurde am derzeitigen Standort mit dem Ziel realisiert, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alltagsgeschäft auch "einen Blick" auf den Spielplatz haben und bei Konflikten, Vandalismus, Unfällen, Drogenhandel o. ä. rasch intervenieren können. Auch das derzeitige Elternaktivierungsprojekt (Elterncafe am Sonntag) zielt darauf ab, dass Eltern vom "Blueberry Inn“ aus den Spielplatz im Blick behalten um bei Streitigkeiten, Vandalismus etc. rasch eingreifen zu können. Durch das verschlossenen Tor ist dies nur noch bedingt möglich. Alle Beteiligten müssen einen Umweg über die Reuterstraße und die Zuwegung zum Spielplatz in Kauf nehmen - eine unmittelbare Reaktion ist so nicht mehr möglich. In diesem Zusammenhang informiert Herr BzStR Liecke darüber, dass derzeit eine Neuordnung zu den Betriebskosten in bezirklichen Einrichtungen, die an freie Träger der Jugendhilfe überlassen werden, vorgenommen wird. Die Entscheidung in dieser Angelegenheit obliegt jedoch nicht allein der Abteilung Jugend und Gesundheit, da die Gebäude in Verantwortung der Abteilung Finanzen und Wirtschaft – Facility Management- liegen. Ziel ist es eine Regelung zu finden, die die Träger von der Zahlung der Betriebskosten freistellt. Des Weiteren soll durch das Jugendamt und die Serviceeinheit Facility Management überprüft werden, ob bzw. inwieweit die vertraglichen Vereinbarungen mit den freien Trägern in der Form zu vereinheitlichen sind, dass sie von Instandhaltungskosten entlastet werden und ihnen Raumvergaben ermöglicht werden. Hierzu erläutert Herr BzStR Liecke ausführlich das derzeit geltende System. Frau Blumenthal bittet um Prüfung, ob die Reparaturkosten für das Schloss seitens des Bezirks übernommen werden können. Hierzu macht Herr Gladisch deutlich, dass die Serviceeinheit Facility Management der richtige Ansprechpartner ist. Er schlägt vor diesen Prüfauftrag mit der besonderen Unterstützung durch den Jugendhilfeausschuss durch den Sozialraumkoordinator an die Serviceeinheit Facility Management heranzutragen. (Anmerkung: Im Nachgang der Sitzung wurde der Antrag durch den Sozialraumkoordinator am 8. Juni 2018 an die Serviceeinheit Facility Management versendet). Herr Benecke bittet zu Bedenken, dass der Bezirk hier auch die Vergleichbarkeit zu freien Trägern im Blick haben sollte.

 

Anschließend erläutert Herr BzStR Liecke die Planungen zum Neubauvorhaben und erinnert zunächst noch einmal daran, dass es anfangs schwierig war eine Einigung mit dem Eigentümer des benötigten Teilgrundstücks zu erzielen. Da die in Rede stehende Fläche jedoch zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, stellt sich zwischenzeitlich eine neue Situation dar. Die bisherige Kostenaufstellung wurde durch nochmals überarbeitet. Aufgrund der Vorgabe, das Projekt bis zum 30. Juni 2022 abgeschlossen zu haben, wurden auch die Baukosten in den Jahresscheiben 2020 bis 2022 noch einmal angepasst. Herr BzStR Liecke erläutert auf Nachfrage von Frau Blumenthal, dass das Konzept selbstverständlich seinerzeit in enger Abstimmung mit dem Träger erarbeitet wurde. Anschließend informiert Herr Thoma ausführlich über die Ausrichtung des neuen Blueberry Inn. Auf dem Gelände des "Blueberry Inn" (im Neubau und im Bestandsgebäude) wird ausreichend Platz entstehen damit fünf unterschiedliche Nutzergruppen Platz finden und der Mangel an Treffpunkten für Kinder und Jugendlichen im Kiez kompensiert wird:

 

  • Kinder und Jugendliche (8 - 15 Jahre, im offenen Bereich)
  • Kinder und Jugendliche (15 - 21 Jahre, im offenen Bereich)
  • Ältere, vor allem männliche, z. t. delinquente Jugendliche (Soziale Gruppe, Bestandsgebäude)
  • "Lernwillige" Kinder- und Jugendliche (Offene Lernorte, Kooperation VHS/Bibliothek/QM)
  • Eltern (Elternaktivierung, selbstverwaltetes Eltern- Kindcafe)

 

Nachdem alle Anwesenden sich im Rahmen eines Rundgangs auf dem Gelände einen persönlichen Eindruck von der Arbeit im Blueberry Inn verschafft haben und  keine Fragen mehr bestehen, bedankt sich Frau Blumenthal für den ausführlichen Einblick in die Arbeit der Einrichtung und beendet diesen Tagesordnungspunkt.


 
 

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