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Stolpersteinverlegung in Neukölln

Pressemitteilung vom 16.06.2021

Am Dienstag, den 22. Juni 2021, werden zwischen 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr vier Stolpersteine ins Straßenpflaster von Neukölln eingelassen. Zwei Steine werden in der Brusendorfer Straße 23 verlegt, ein Stein in der Donaustraße 114 und ein Stein am Kottbusser Damm 88-89.

Die zwei Steine in der Brusendorfer Straße 23 erinnern an die Widerstandskämpfer*innen Anna-Maria und Anton Grylewicz. Anton Grylewicz wird am 8. Januar 1885 in Berlin geboren und engagiert sich seit 1912 in der Sozialdemokratie. Später ist er Mitglied verschiedener kommunistisch-trotzkistischer Organisationen. Zeitweise ist Grylewicz Stadtverordneter in Neukölln und Abgeordneter im Preußischen Landtag. Seit 1912 war er mit Anna-Maria, geb. Bräuer, verheiratet. Sie wird am 01.Januar 1891 in Berlin geboren, gemeinsam mit Anton lebt sie in Neukölln. Aufgrund ihres Widerstandes gegen das Naziregime verwüstet die Sturmabteilung (SA) ihre Wohnung 1933. Anton flüchtet in die Tschechoslowakei, während Anna-Marie kurzeitig verhaftet wird. Sie folgt ihrem Mann kurze Zeit später nach Prag. Ende 1937 flieht das Ehepaar nach Paris. 1939 werden beide aus Deutschland ausgebürgert, beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Frankreich interniert. 1941 fliehen Anna-Maria und Anton Grylewicz von Vichy-Frankreich nach Kuba. In den 1950er Jahren kehrt das Ehepaar in den Westteil Berlins zurück. Anna-Maria stirbt am 28. November 1970, und Anton zehn Monate später. Sie werden beide in Neukölln begraben.

Mit dem Stein in der Donaustraße 114 wird an das Schicksal des ehemaligen Bewohners Walter Schulz gedacht. Geboren wird er am 19. Januar 1903 in Berlin. Nach Abschluss der Volksschule in Neukölln lernt Walter Schulz Maschinenbauer. Später betätigt er sich als Obsthändler im Berliner Straßenhandel, ab 1931 ist er arbeitslos. Im Roten Frontkämpferbund (RFB) – dem paramilitärischen Wehrverband der KPD – wird Schulz Mitglied und beteiligt sich an der Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten in Berlin. Ab Juni 1931 agiert er als Untergauführer des RFB für Tempelhof, Treptow, Baumschulenweg, Ober- und Niederschöneweide. Am 22. Dezember 1931 wird er aufgrund angeblicher Beteiligung an mehreren Raubüberfällen verhaftet und wegen „Anstiftung zum schweren Raub und Hehlerei” zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. Im sogenannten “Richardstraße-Prozess” wird Schulz von den Nationalsozialisten wegen des Mordes an einem Mitglied der Sturmabteilung (SA) aus dem Jahr 1931 in der Richardstraße 35 angeklagt. Insgesamt fallen am 29. Februar 1936 fünf Todesurteile gegen kommunistische Widerstandskämpfer. Unter ihnen auch Walter Schulz, am 8. Juli 1937 wird er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Der Stein am Kottbusser Damm 88-89 erinnert an das Leben der Jüdin Elise Poser. Sie wird 5. Juni 1881 in Breslau geboren und wohnt von 1934 bis zu ihrer Deportation am Kottbusser Damm. Am 14. November 1941 wird Elise Poser mit 1000 weiteren Jüdinnen und Juden im Transport der „Welle V“ aus Berlin in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wird sie ermordet. Die Verlegung wird von den Patinnen und Paten der Stolpersteine begleitet.

Stolpersteine erinnern am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie können ebenso an überlebende Verfolgte erinnern. Stolpersteine kann jeder stiften. 120 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Für den Bezirk Neukölln koordiniert das Museum Neukölln die Stolpersteinverlegungen. Kontakt: stolpersteine@museum-neukoelln.de , Tel. 627 277 -720/-723. Weitere Informationen unter www.stolpersteine-berlin.de