Ausstellung: Kampmann - Eine Berliner Künstlerfamilie

Pressemitteilung vom 01.11.2017

Vernissage im SCHLOSS BRITZ/KULTURSTALL am 10.11.2017 um 18 Uhr

Mit Frau Dr. Franziska Giffey
Bezirksbürgermeisterin und Vorstand der KULTURSTIFTUNG SCHLOSS BRITZ
Sonja Kramer
Geschäftsführerin der KULTURSTIFTUNG SCHLOSS BRITZ
Frau Dr. Gerlinde Förster
GEDOK Brandenburg e.V.

Die KULTURSTIFTUNG SCHLOSS BRITZ präsentiert vom 11. November 2017 bis zum 11. März 2018 eine Sonderausstellung über die Berliner Künstlerfamilie Kampmann. Ausgehend von dem Avantgardekünstler der 1920er und 30er Jahre Walter Kampmann werden Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Grafiken verschiedener Vertreter der Familie gezeigt.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Arbeiten Walter Kampmanns (1887–1945) und seiner zweiten Frau Kat (1908–1997). Darüber hinaus werden Werke ihrer Söhne (Rüdiger) Utz (1935–2006) aus der Bildhauerei und Winnetous (1927–2001) als Architekt präsentiert sowie Gemälde seines Bruders Alexander (1898–1975) und Silberschmiedearbeiten seines Sohnes Bodo (1913–1978).

Walter Kampmann gehörte zur Berliner Avantgarde der Weimarer Republik. Seine Arbeiten in der Malerei und Plastik sind geprägt von einem konstruktivistisch-expressiven Spiel der Elemente, Formen und Materialien. Der in Wuppertal-Elberfeld geborene Walter Kampmann lebte ab 1919 in Berlin. Er übernahm die Leitung der Entwurfsklasse an der Höheren Fachschule für Textil und Bekleidungsindustrie am Warschauer Platz und wurde ein aktives und engagiertes Mitglied der „Novembergruppe“. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte seiner produktiven Zeit ein Ende. Der Verein wurde verboten und die Kunst ihrer Mitglieder als „entartet“ verfemt. Walter Kampmann erhielt Arbeitsverbot und zog sich mit seiner Familie in sein Atelierhaus nach Rangsdorf bei Berlin zurück. Ein Großteil seiner Werke wurde während der Bombardements auf Berlin im 2. Weltkrieg vernichtet. Die politische bzw. persönliche Verfolgung ging so weit, dass er eine Zeitlang in ein sogenanntes „Künstler-Umschulungslager“ nach Hohenlychen eingewiesen wurde. Seine Kunst ändert sich unter diesen äußeren Zwängen und Schicksalsschlägen radikal. In seinen Zeichnungen und Aquarellen wählte er nun eine mehr impressionistische Formen- und Farbensprache. Besonders die Farbigkeit und Strahlkraft dieser späten Werke werden Jahre später den jungen Friedensreich Hundertwasser tief beeindrucken. Verzweifelt und gebrochen verstarb Walter am 12.12.1945 in Rangsdorf.

Die Gemälde von Walters jüngerem Bruder Alexander Kampmann zeigen in den 1920er Jahren vorrangig Landschaftsdarstellungen, nach dem Krieg veränderte sich die Symbolik seiner Bilder radikal hin zu einem Surrealismus. Wie für Walter war auch für Alexander der Austausch mit anderen Künstlern sehr wichtig. Lebenslang war er Mitglied des Vereins der Berliner Künstler, deren Vorsitz er von 1960 bis 1970 innehatte.

Auch Kat Kampmann war Mitglied des Vereins der Berliner Künstlerinnen und vermachte ihren Nachlass dem Vereinsarchiv, welches sich heute im Archiv der Akademie der Künste in Berlin befindet. Von ihr werden in der Ausstellung Arbeiten von den 1950er bis in die 1980er Jahre gezeigt. Ihre Werke sind der abstrakten Kunst der Nachkriegsmoderne entsprungen und bestechen durch ihre Farbkompositionen und expressive Bildsprache. Später wurde das Gegenständliche in ihrer Kunst immer wichtiger und ihre Familie und Alltagswelt rückte verstärkt in den Fokus ihrer Kunst.

Walters und Kats Sohn Utz Kampmann führte die Liebe zur Bildhauerei weiter. In der Ausstellung werden einige seiner Werke aus den 1960er und 1970er Jahre präsentiert. In den 1960er Jahren beschäftigte es sich intensiv mit dem Zusammenspiel zwischen Farbigkeit und dreidimensionalen Objekt. Seine Serie Farbobjekte sind hölzerne Plastiken, die in ihrer intensiven Farbigkeit an die Pop-Art erinnern. Oftmals erscheinen diese Objekte, die er Radiatoren und Tastaturen nannte, wie stilisierte Motoren oder Maschinenteile. In den wenigen Blattwerken, zumeist Siebdrucke, übertrug er dieses abstrakte, serielle Farbenspiel. Er nahm an der documenta 4 (1968) teil, wurde 1965 mit dem Deutschen Kunstpreis der Jugend in Berlin ausgezeichnet und erhielt 1964 den Villa-Romana-Preis in Florenz. Ende der 1960er Jahre wurde Acryl- und Plexiglas das bevorzugte Medium für seinen Maschinenplastiken. Die Farbigkeit verschwand und in seinen Lichtskulpturen und kinetischen Objekten kam dem reinen Weiß und dem klaren Licht entscheidende Bedeutung zu. In den 1980er Jahren engagiert er sich als Gestalter bei architektonischen Projekten. In Berlin entwickelte er 1966-68 ein kontrastreiches Farbkonzept für das Märkische Viertel, das sich leider nicht erhalten hat. Bei der Bauaufnahme und Wiederherstellung des zerstörten Martin-Gropius-Baus durch seinen Bruder Winnetou war er ebenfalls beteiligt.

Bodo Kampmann wurde 1913 als erster Sohn von Walter und seiner ersten Frau Friedel in Elberfeld geboren. Seine erste kreative Leidenschaft fand er in der Gold- und Silberschmiedekunst. Nach 1945 zog er nach Innsbruck, wo er im Umfeld des Grafikers und Illustrators Paul Flora als freischaffender Bildhauer, Filmarchitekt und Bühnenbildner arbeitete. 1954 ließ er sich in Braunschweig nieder, wo er die Leitung der Fachklasse Metall an die Werkkunstschule (heute HBK Hochschule für Bildende Künste) antrat. 1963 übernahm er dort die Professur für Design in der Abteilung Angewandte Kunst und war auch weiterhin als Produktdesigner und Bildhauer tätig. 1956 gestaltete er für die Porzellanmanufaktur Fürstenberg das Tee-Service „Form A“. Ein wichtiger Bereich seines kreativen Schaffens war die „Kunst am Bau“. Bereits seit 1956 schmückt eine drei Meter hohe „Justitia“ aus Kupfer das Gebäude der Braunschweiger Staatsanwaltschaft. Eine Installation, die auf die Initiative des damaligen Braunschweiger Generalstaatsanwalts Fritz Bauer zurückging. Dazu gesellten sich 1958 der „Rufer“ am Westgiebel des Chores der Magni-Kirche und 1970 ein „Hahn“ auf der Turmspitze der Petri-Kirche. Daneben schuf er 1956 die Bronzeplakette für den Peter-Joseph-Krahe-Preis, den Architekturpreis der Stadt Braunschweig und 1960 für ein Denkmal in East London (Südafrika) Bronzereliefs (seit 2006 verschollen).

Winnetou Kampmann hat als Architekt vor allem in Berlin Spuren hinterlassen. Er wurde als drittes Kind von Walter und Frieda 1927 geboren. Winnetou verstand sein Tun als Architekt immer als Gebrauchskunst, ohne dass die Form bloß der Funktion folgt. Museumsumbauten und Sanierungsprojekte von Ende der 1970er Jahre bis in die 1990er in Berlin lassen ihn als Vorläufer der „ergänzenden Wiederherstellung“ erkennen. Bereits 1969 führte er mit Günter Hönow das Umbauprojekt des Kammergerichts in der Lindenstraße zum damaligen „Berlin Museums“ (heute Eingangsgebäude des Jüdischen Museums) durch. 1973 – 77 richtete er mit seiner Lebenspartnerin Ute Weström in einem Stockwerk des „Bikini-Hauses“ eine Kunsthalle ein und sie sanierten gleichzeitig das „Theater des Westens“. Und ab 1979 begann Ihr vielleicht bedeutendstes Projekt mit der Wiederherstellung des kriegszerstörten Martin-Gropius-Baus, des ehemaligen Kunstgewerblichen Museums, zu einem neuen Ausstellungsort, was bis 1986 andauerte. Hinzu kam 1984 der Umbau und Innenausbau des vormaligen Gebäudes des Garderegiments des Schloss Charlottenburgs zum heutigen Bröhan-Museum und von 1984 – 89 die Planung und Durchführung des Wiederaufbaus des Hamburger Bahnhofs zum „Museum für Gegenwart“. Bei allen diesen Bauten spielte Winntetou Kampmann (zusammen mit Ute Weström) eine bedeutende Rolle. Nachhaltige Anerkennung erfuhr er für die Sanierung der Philharmonie Hans Scharouns 1990. Kampmann und Weström galten außerdem als Pioniere einer „behutsamen Stadterneuerung“, bei der das denkmalgerechte Bauen ihr Markenzeichen war. Bis 1984 entwickelten sie nahezu 500 Wohnungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Winetou Kampmann fühlte er sich lebenslang der Welt der Kunst und dem Erbe seines Vaters verbunden und der oft vergessenen Kunst der Weimarer Republik verpflichtet. Dieses Engagement führte 1975 in enger Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Eberhard Roters zur Gründung der „Berlinischen Galerie“ zunächst als Verein. Winnetou blieb über 20 Jahre Vorsitzender und 1996 nach der Umwandlung der Sammlung in eine städtische Stiftung Ehrenvorsitzender.

Die Ausstellung wird kuratiert von Christian C. Schnell.

Die KULTURSTIFTUNG SCHLOSS BRITZ bedankt sich bei den Leihgebern für die freundliche Unterstützung: Berlinische Galerie Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Akademie der Künste, GEDOK e.V. in Rangsdorf, Winnetou Kampmann, Angelika Kampmann, Ute Weström und vielen anderen Familienmitgliedern, die mit ihren Informationen und Berichten zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen haben.

Sonja Kramer
Geschäftsleitung