Kinder- und Jugendkriminalität - Neuköllner Handlungskonzept für junge Mehrfachtäter vorgestellt

Pressemitteilung vom 30.03.2016

Gemeinsam mit Innensenator Frank Henkel hat Jugendstadtrat Falko Liecke das „Neuköllner Handlungskonzept für integrative Hilfen und Interventionen in Familien junger Mehrfachtäter“ vorgestellt. Ziel des Konzeptes ist es, die Arbeit von Polizei, Justiz, Schule und Verwaltung besser abzustimmen. So sollen straffällige Jugendliche früher erreicht und Konsequenzen für Straftaten aufgezeigt werden. Das Handlungskonzept sieht sich in der Tradition des Neuköllner Modells der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig.

Von zentraler Bedeutung ist dabei die Kooperation der vor Ort mit den jungen Straftätern befassten Akteure aus Polizei, Schule, Jugendhilfe und Justiz. In Neukölln gibt es zurzeit ca. 50 Schwellen- oder Intensivtäter im Alter bis zu 21 Jahren. Das sind mehr als in jedem anderen Bezirk.

Bei einem Teil der Familien der jugendlichen Straftäter mit einem Zuwanderungshintergrund ist von nicht aktiv betriebenen Integrationsbemühungen und von einer misslungenen Integration auszugehen. Die Arbeit mit dieser Personengruppe wird sich künftig systematischer und fokussierter gestalten, die Vernetzung der behördlichen Akteure wird optimiert und die vorhandenen Angebote werden besser verknüpft.

Innensenator Frank Henkel sieht eine große Chance in der Umsetzung des Konzeptes: „Wenn junge Menschen die Konsequenzen ihres Handelns nicht schnell erfahren, dann lernen sie es nie. Das ist auch die Essenz des Neuköllner Modells von Richterin Heisig. Dass dieser Ansatz jetzt in Neukölln weiterentwickelt wird, ist folgerichtig und birgt eine Chance für die ganze Stadt.“

Jugendstadtrat Falko Liecke: „Mit diesem Handlungskonzept gehen wir noch einen Schritt weiter, als es das Neuköllner Modell von Richterin Heisig vorsieht. Wir beziehen alle relevanten Partner mit ein: von Jugendamt und Schule bis zu Polizei und Justiz. Den jugendlichen Straftätern und ihren Familien wird so verständlich gemacht, dass in unserer Gesellschaft kein Platz für Kriminalität ist. Diese Idee ist berlinweit einzigartig und ich will damit auch Lösungen für andere Berliner Brennpunkte anbieten.“

Kernstück des neuen Handlungskonzeptes ist die AG Kinder- und Jugendkriminalität, die beim Jugendamt angesiedelt ist. Ihre Aufgaben liegen in der aufsuchenden sozialen Arbeit, der Analyse der jeweiligen Problemlagen, der Eröffnung eines Integrationsdialoges mit dem jungen Menschen und seiner Familie und der konkreten Betreuungsarbeit. Sie ist auch Ansprechpartner für Schulen, Jugendämter, andere Behörden, Freizeiteinrichtungen, Sportvereine und Moscheen. Die AG wird an Hilfe- und Fallkonferenzen teilnehmen und bei Missachtung der getroffenen Vereinbarungen oder der Rechtsordnung Grenzen setzen. Die Arbeit der AG Kinder- und Jugendkriminalität ist durch eine fördernde und helfende Grundhaltung gekennzeichnet. Bei notwendigen Grenzsetzungen werden die intervenierenden, sanktionierenden oder repressiven Aufgaben mit den anderen behördlichen Kooperationspartnern abgestimmt (die Zuständigkeiten bleiben erhalten).

Handlungskonzept zur Kinder- und Jugendkriminalität zum Download

Handlungskonzept Mehrfachtäter

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