Verleihung der Neuköllner Ehrennadel

Pressemitteilung vom 10.12.2013

Am Sonnabend, dem 14. Dezember 2013, findet um 19.00 Uhr auf Schloss Britz, Alt-Britz 73, die Verleihung der Neuköllner Ehrennadel durch Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin und Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky statt. Bei der Neuköllner Ehrennadel handelt es sich um die höchste Auszeichnung des Bezirks an Bürgerinnen und Bürger, die sich um den Bezirk Neukölln verdient gemacht haben.

Die Auszeichnung wird nur an Bürger außerhalb des politischen Bereichs verliehen.

Wegen besonderer Verdienste um den Bezirk Neukölln werden im Rahmen einer kleinen Feierstunde Mustafa Akcay, Wolfgang Preußing, Gerhard Richter, Rita Schröder, Laura Vargas Koch und Sabine Zannoni geehrt.

Sie haben in den vergangenen Jahren vorbildliches Engagement gezeigt bzw. ihre Fähigkeiten und Kompetenzen anderen zur Verfügung gestellt und so die Gemeinschaft gestärkt.

Mustafa Akcay
Herr Akcay ist 1998 dem Türkisch-Deutschen Zentrum e.V. (TDZ) mit der Vision beigetreten, seine Community als die größte Einwanderergruppe Neuköllns zu einer Beteiligung am gesellschaftlichen Leben im Bezirk zu motivieren. Als einer der beiden tragenden Säulen leitet Herr Akcay mittlerweile seit vielen Jahren die Geschicke des TDZ, dass im Bereich Beratung, Bildung und Freizeit ein wichtiger und vertrauensvoller Partner für das Neuköllner Bezirksamt geworden ist. So unterstützt das TDZ im Rahmen seines Projektes „Bürger helfen Bürgern“ Menschen mit Migrationshintergrund bei Behördengängen und Ausfüllen von Formularen. Auch die Erfolgsgeschichte des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, dass seinerzeit von der Schließung bedroht war und heute als erstes Ganztagsgymnasium in Berlin Referenzcharakter hat, wäre ohne die Unterstützung von Mustafa Akcay und seinen Mitstreitern als Mittler und Berater nicht denkbar gewesen. Mit seinen guten Verbindungen in der türkischen Community und seiner unermüdlichen Schaffenskraft hat Herr Akcay es vermocht, dass sich das TDZ zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der türkischen Gemeinde und dem Bezirk entwickelt hat. Sein vorbildliches Engagement für eine gelungene Integrationsarbeit wurde 2009 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit einer Einladung zum Neujahrsempfang gewürdigt.

Wolfgang Preußing
Als gebürtiger Neuköllner hat Herr Preußing bereits im Knabenalter die ersten Sporterfahrungen im Turn- und Sportverein Rudow 1988 e.V. gemacht. Als seine drei Kinder dem TSV Rudow beitraten, zog es ihn zunächst als Übungsleiter und Vorstandsmitglied auch wieder dorthin. 1972 übernahm er schließlich den Vorsitz des TSV Rudow. In dieser Funktion steuert Herr Preußing seit nunmehr 41 Jahren das Ruder seines Vereins. Sein Ideenreichtum und seine vielfältigen Aktivitäten haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der ursprüngliche Dorfverein zu einem etablierten Mehrsparten-Sportverein im Süden Berlins mit fast 5.000 Mitgliedern entwickelt hat, der auf einer soliden Finanzgrundlage steht. Der TSV Rudow bietet heute als 125-jähriger Jubilar in 14 Sportarten vielfältige Angebote für alle Altersgruppen im Freizeit-, Breiten-, Leistungs- und Gesundheitssport. Herr Preußing hat sein Leben dem Vereinssport verschrieben. Er hat damit nicht nur Generationen von Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle sportliche Freizeitgestaltung geboten, sondern ihnen auch wichtige Werte wie Regelakzeptanz, Kameradschaft, Verantwortung und Disziplin mit auf dem Weg ins Erwachsenenleben gegeben.

Gerhard Richter
Aufgewachsen in einer Zirkusfamilie hat Herr Richter den Beruf eines „Zirkusmenschen“ im elterlichen Betrieb von der Pieke auf an gelernt. 1995 gründete er den Zircus Mondeo, den er zusammen mit seiner Familie betreibt. 2006 konnte der Familienzirkus zum ersten Mal für eine Schüler-Zirkusprojektwoche gewonnen werden, aus der letztendlich die Idee des MitMachZircus und eine langjährige und vertrauensvolle Kooperation mit dem Bezirksamt Neukölln entstanden ist. Der MitMachZircus bietet Neuköllner Grundschülern, die zumeist aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien stammen und häufig einen Migrationshintergrund haben, die Möglichkeit, für eine Woche in die Magie des Zirkus einzutauchen. Durch das gemeinsame Erarbeiten artistischer oder tierkünstlerischer Darbietungen werden Werte wie Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitiges Vertrauen vermittelt. Das Selbstvertrauen und die Persönlichkeit der Kinder werden durch das Entdecken von Kreativität und das Erleben unerwarteter Fähigkeiten nachhaltig gestärkt. Herr Richter hat als vertrauensvoller Zirkusvater eine außergewöhnliche Gabe, ungeahntes Potential aus den Kindern herauszulocken. Bis heute hat Herr Richter mit seiner Familie in unzähligen Schulprojektwochen über 25.000 Kinder zu kleinen Zirkussternchen ausgebildet. Darüber hinaus engagiert sich die Zirkusfamilie regelmäßig für gemeinnützige Zwecke, indem sie beispielsweise zahlreiche Veranstaltungen in Seniorenheimen, Behindertenwerkstätten, und Jugendfreizeiteinrichtungen durchführt oder eine Nachmittagstrainingsgruppe und mehrwöchige Praktika im Zirkus anbietet. Der Mit-MachZircus ist seit 2008 Preisträger der Sozialen Stadt.

Rita Schröder
Frau Schröder und ihr Ehemann sind Pflegeeltern. Aktuell leben in Neukölln 270 Pflegekinder in 185 Pflegefamilien. Als die eigene Tochter aus dem Gröbsten heraus war, entschloss sich das Ehepaar Schröder 1986, Jessica, die erst ein paar Monate alt war und an einer angeborenen Fehlbildung der Wirbelsäule litt, bei sich aufzunehmen. Obwohl dem Kind keine lange Lebensdauer prognostiziert wurde, nahm Frau Schröder die Herausforderung mit viel Liebe und großem Engagement an. Heute führt Jessica trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen ein selbständiges Leben. Im Herbst 1993 folgte Nathalie, die ebenfalls von den Schröders bis zu ihrer Volljährigkeit begleitet wurde. Durch die Aufnahme von René in Tagespflege, der wie seine Eltern gehörlos war, kam das Ehepaar erstmalig mit dem Thema in Berührung, Kinder für einen befristeten Zeitraum zu sich zu nehmen. Seit fast 30 Jahren haben sie nunmehr an die 80 Kinder begleitet und ihnen ein „Zuhause auf Zeit“ geboten. Dabei ist es Frau Schröder stets gelungen, ihnen die notwendige häusliche Geborgenheit zu bieten, sich auf deren unterschiedlichen Bedürfnisse einzustellen, ohne dabei die Wurzeln ihrer Pflegekinder außer Acht zu lassen. Ihre besondere Stärke ist die Akzeptanz der leiblichen Eltern als Personen aber auch deren problematische Lebenssituation.

Laura Vargas Koch
Frau Vargas Koch ist Masterstudentin der Mathematik an der TU Berlin und trainiert als begeisterte Judoka schon seit vielen Jahren beim Ersten Berliner Judo Club e.V. mit Sitz in Neukölln. Mit gerade mal 23 Jahren ist sie 2-malige Deutsche Meisterin, wurde in 2011 U-23 Europameisterin, gewann mehrere Weltcup-Medaillen, eine Silbermedaille bei der Universiade und hat in diesem Jahr bei den Judo-Europameisterschaften den 3. Platz im Einzel und im Team belegt. Ihren größten Erfolg hat Frau Vargas Koch jedoch in Rio de Janeiro bei ihrem diesjährigen WM Debüt erzielt. In einem weltklassigen Starterfeld von 33 Frauen hat sie sich dort den Vizeweltmeistertitel in der Klasse bis 70 kg erkämpft. Nach 3 vorzeitigen Siegen konnte Frau Vargas Koch im Halbfinale trotz einiger gefährlicher Situationen ihre südkoreanische Gegnerin mit ihrer gefürchteten Spezialtechnik Uchi-mata auf der Matte bezwingen und damit ihr bisher erfolgreichstes Wettkampfjahr krönen. Für die Neuköllner Jugend stellt Frau Vargas Koch ein wichtiges Vorbild dar, denn die junge Studentin hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man mit Ehrgeiz, Fleiß, Ausdauer und Zielstrebigkeit sehr viel erreichen kann.

Sabine Zannoni
Frau Zannoni, Inhaberin einer Modeboutique in Alt-Rudow, hat als Gründungsmitglied im Jahr 1997 den Grundstein für die Aktionsgemeinschaft der Rudower Geschäftsleute e.V. gelegt. Von 2005 bis 2013 war sie Vorsitzende des aus 42 lokalen Unternehmen bestehenden Netzwerkes, das sich für den Erhalt und die Stärkung des Ortsteilzentrums Alt-Rudow einsetzt. In den 8 Jahren hat es die Vorsitzende zusammen mit ihren Mitstreitern vermocht, dem Rudower Ortskern ein modernes Image zu verleihen, ohne dass der dörfliche Charakter verloren gegangen ist. In die Vorstandszeit von Frau Zannoni fiel der 3-jährige Straßenausbau von Alt-Rudow. Unter ihrer Ägide konnte sich auch eine langfristige Kooperation mit dem Kulturamt und der Universität der Künste mit zahlreichen image-pflegenden Kulturprojekten entwickelten. Jedes Jahr werden von der AG Rudow die 3 Meilenfeste durchgeführt und die jährliche Weihnachtsbeleuchtung in Alt-Rudow finanziert. Als wichtiger „Frequenzbringer für die Unternehmen im Ortsteilzentrum“, kämpft das Unternehmensnetzwerk seit 2011 für den Erhalt der Buslinie 171 durch Alt-Rudow. Frau Zannoni besitzt die außerordentliche Gabe, Anwohner und Gewerbetreibende gleichermaßen von ihren Ideen und Projekten zu überzeugen und zur aktiven Unterstützung zu mobilisieren. Mit viel Herzenswärme und einem hohen Maß an Durchsetzungskraft ist ihr dieses Kunststück über viele Jahre gelungen.