Speaking to One Another – Persönliche Erinnerungen an die Vergangenheit in Armenien und in der Türkei

Pressemitteilung vom 17.09.2012

Einladung zur Pressevorbesichtigung mit anschließender Ausstellungseröffnung in der Galerie im Saalbau, am Freitag, den 28. September 2012, um 17 Uhr

Speaking to One Another –
Persönliche Erinnerungen an die Vergangenheit in Armenien und in der Türkei
Armenien – Türkei – Georgien – Zypern – Deutschland – Frankreich
Eine Wanderausstellung des Instituts für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes

Grußworte:
Dr. Franziska Giffey, Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport
Nikolaus Graf Lambsdorff, Botschafter
Beauftragter für Südosteuropa, die Türkei und die EFTA-Staaten des Auswärtigen Amtes
Uwe Gartenschlaeger, Stellvertretender Institutsleiter des Instituts für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes
Meltem Aslan, Geschäftsführerin von Anadolu Kültür, Türkei
Dr. Hranush Kharatyan-Arakelyan, Leiterin des Zentrums für Ethnologische Studien „Hazarashen“, Armenien

Die Wanderausstellung Speaking to One Another – Persönliche Erinnerungen an die Vergangenheit in Armenien und in der Türkei möchte die Erinnerungen von Menschen aus Armenien und der Türkei an ihre ineinander verflochtene Vergangenheit in ihren eigenen Worten teilen. Präsentiert werden diese Erinnerungen in Form von Texten und Videos in deutscher und türkischer Sprache. Zum ersten Mal wird die gemeinsame Vergangenheit der Menschen aus der Türkei und aus Armenien durch persönliche Erinnerungen vermittelt und in einem gemeinsamen Forum präsentiert.

Oral History meint die mündliche Überlieferung von Geschichte, sie stellt das Individuum und sein Erleben von Geschichte in den Mittelpunkt, jeder einzelne ist somit Träger von Geschichte(n): Diese Erinnerungen können dazu beitragen, die Vergangenheit besser zu verstehen – eine Vergangenheit, die sowohl in der Türkei als auch in Armenien die Gegenwart nach wie vor stark belastet. Grund dafür sind die Deportation und Ermordung hunderttausender Armenier (manche Quellen sprechen von über 1.000.000 Menschen), die während des Osmanischen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts sowie Anfang des 20. Jahrhunderts stattfanden und die im Jahr 1915 einen traurigen Höhepunkt erreichten. Durch diese Gräueltaten wurden Armenier, die im Gebiet des Osmanischen Reiches lebten, ihres Heimatlandes beraubt. Die Mehrheit der Überlebenden lebt heute in anderen Teilen der Welt.

Die Initiatoren hoffen, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, den Austausch, das Mitgefühl und das Verständnis zwischen den Menschen in Armenien und der Türkei zu fördern und wünschen sich, dass sie zu einem weiteren Schritt auf dem Weg zur Aussöhnung beiträgt. Aussöhnung ist das zentrale Thema sowohl der Ausstellung als auch des Projektes insgesamt. Sie schließt das Übernehmen von Verantwortung und Verzeihen mit ein – ebenso wie die Achtung der Unterschiedlichkeit der Menschen.

Seit August 2009 setzt das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes das Projekt „Speaking to One Another“ um. Ziel ist es, nach einem Jahrhundert der Auseinandersetzungen und des mangelnden Dialogs durch Erwachsenenbildung, interkulturellen Austausch und Oral History-Forschung Brücken zwischen der Bevölkerung der Türkei und der Bevölkerung Armeniens zu bauen und somit einen Beitrag zur türkisch-armenischen Versöhnung zu leisten. Das Projekt wird durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland finanziert.

2009 wurde in Armenien ein Jugendcamp für Studenten aus beiden Ländern organisiert, das zum Ziel hatte, jungen Menschen die Methoden der Oral History-Forschung zu vermitteln. Ein zweites Camp, das 2010 in der Türkei stattfand, befähigte junge Studenten dazu, in Teamarbeit eigene, kleinere Oral History-Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Die Oral History-Forschungen, die im Rahmen dieser Aktivitäten durchgeführt wurden, bildeten die Grundlage der Publikation „Speaking to one Another: Personal Memories of the Past in Armenia and Turkey“ (als Download unter www.speakingtooneanother.org ). Auf diesen Forschungen aufbauend wurde die hier gezeigte Wanderausstellung zur gemeinsamen Vergangenheit der beiden Bevölkerungsgruppen konzipiert.

Zu den zentralen Projektpartnern zählen in der Türkei Anadolu Kültür, eine Nichtregierungsorganisation, die im Bereich Kunst und Kultur tätig ist, sowie in Armenien das Zentrum für Ethnologische Studien „Hazarashen“ und die Armenian Actors Union.

Die Oral History-Forschung wurde von Dr. Hranush Kharatyan-Arakelyan (Staatliche Linguistische Brusov Universität, Jerewan) und Dr. Leyla Neyzi (Sabancı Universität, Istanbul) geleitet. Die Ausstellung in Berlin findet in Kooperation mit dem Bezirksamt Neukölln, Abteilung Bildung, Schule, Kultur und Sport und dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. statt.

Zur Pressevorbesichtigung am 28. September, um 17 Uhr, stehen Ihnen zur Verfügung:

Matthias Klingenberg, Regionaldirektor des Instituts für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für Kaukasus und Türkei
Carmen Beckenbach, Kuratorin der Ausstellung
Meltem Aslan, Geschäftsführerin von Anadolu Kültür, Türkei
Dr. Hranush Kharatyan-Arakelyan, Leiterin des Zentrums für Ethnologische Studien „Hazarashen“, Armenien

Begleitveranstaltungen
Sa, 29.09.2012, 18 Uhr
Aferim Yavrum! Kleine Gesten der Kooperation

Die Künstlerin Silvina Der-Meguerditchian schafft mit ihrer Performance ein lebendiges Dokument der Auseinandersetzung mit Erinnerung, Vergebung, Aussöhnung.
Houshamadyan, Versöhnung durch Wissenschaft, Präsentation der Osmanistin Elke Hartmann über die Rekonstruktion der armenischen Kultur im Osmanischen Reich
Ort: Theaterprobensaal über der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin, Eintritt frei

Sa, 29.09.2012, 19.30 Uhr
„Die von der anderen Seite des Ararats“ OmeU
Dokumentarfilm und Diskussion mit der Regisseurin Somnur Vardar und Gästen aus der Türkei und Armenien

Im Rahmen des Projektes „Speaking to One Another“ trifft sich eine Gruppe junger Student(in)en aus der Türkei und Armenien im Oktober 2011 in der südosttürkischen Stadt Muş zu einer Geschichtswerkstatt. Auf der Suche nach den Spuren armenischen Lebens in der Region, werden sie nicht nur mit den aktuellen Problemen, sondern auch miteinander konfrontiert. Bei ihrem Treffen im armenischen Gyumri sechs Monate später kommt mehr als nur die Geschichte selbst zu Tage.
Die Veranstaltung wird englisch-deutsch gedolmetscht.
Ort: Theaterprobensaal über der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin, Eintritt frei

Di, 16.10.2012, 19 Uhr
Kurzfilme der Armenisch-Türkischen Kino Plattform
„Neighbors“ von Gor Baghdasaryan, 40 min, OmU in englisch und türkisch
„Don’t get lost children“ von Gülengül Altıntaş, 30 min, türkisch mit englischen Untertiteln
Ort: Studio im Heimathafen, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin, Eintritt frei