Auszug - Welche Umstände bewegen Jugendliche dazu, sich konfliktträchtigen Gruppen zuzuwenden? BE: Herr Barthel (Leitstelle für Sektenfragen); aktuelle Entwicklungen am Beispiel Salafismus (BE: Frau Dantschke)  

 
 
7. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Integration
TOP: Ö 5
Gremium: Integration Beschlussart: erledigt
Datum: Di, 28.08.2012 Status: öffentlich
Zeit: 17:30 - 20:05 Anlass: ordentlichen Sitzung
 
Wortprotokoll

Herr Barthel führt aus dass fundamentalistilische Ausprägung keine Seltenheit sei und Salafismus selbst unter Spezialisten umstritten sei und stellt anhand von Plakaten die Bedingungsgefühle wann Menschen sich den Religiosen Extremgruppen zuwenden

Herr Barthel führt aus, dass fundamentalistische Ausprägung keine Seltenheit und Salafismus selbst unter Spezialisten umstritten sei.

Er stellt anhand von Plakaten die Beweggründe dar, wann sich Menschen religiösen Extremgruppen  zuwenden.

                                                                                                                                                             

Die Schwerpunkte der Arbeit in der Leitstelle für Sektenfragen liegen im Bereich der Erforschung der Entwicklung von Strukturen und Methoden religiöser Extremgruppen.

Insbesondere Jugendliche, die sich dem Salafismus anschließen, haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und hohen moralischen Anspruch. Eine erlebte Geringschätzung spielt für Menschen die sich dem Salafismus zuwenden eine große Rolle.

 

Auf die Nachfrage von Frau Neubert führt Herr Barthel aus, dass die Beratungsstelle pro Jahr 800 allgemeine Anfragen hat. Etwa 8 Prozent davon sind aus dem Bundesgebiet.

 

Frau Dantschke (Zentrum demokratische Kultur) führt ergänzend dazu aus, dass das Problem des Salafismus eine neue Dimension angenommen hat. Sie führt aus, dass Salafismus kein religiöses, sondern ein Jugendphänomen ist, das nicht nur die muslimischen Menschen betrifft.

 

Salafismus kommt aus dem arabischen Raum und ist eine religiöse Strömung die sich in viele Unterströmungen verteilt. In Berlin wird von mehr als 350 salafistisch orientierten Muslimen, welche auch in Wedding leben, ausgegangen.

Die Zahlen die durch die Welt gehen betreffen den politisch aktiven Teil der Salafisten der vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Der Teil der puristischen Salafisten lebt nach den religiösen Wertvorstellungen im privaten Bereich. In der Öffentlichkeit fallen diese Personen durch ihre äußere Erscheinung (z.B. Kleidung) auf.

Sie missionieren jedoch nur innerhalb des Familienbereiches. An politischen Aktivitäten nimmt dieser Teil der Salafisten  grundsätzlich nicht Teil. Generell wird Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung von den Puristen abgelehnt.

 

Es ist wichtig Salafismus als Sachbegriff zu begreifen und in seiner Differenziertheit zu verstehen.

 

Wenn Jugendliche altersbedingt auf Wissenssuche sind und im persönlichen Umfeld keine Antworten finden, führt sie das Internet bei der Recherche über den Islam zu 80 Prozent zu salafitischen Seiten/Angeboten. Die Jugendlichen verfügen nicht über Hintergrundwissen und Kompetenzen um zu entscheiden, ob sie im Internet über den „wahren Islam“ aufgeklärt werden.

Herr BV Kriesel fragt nach, wie man verhindern kann, dass Jugendliche im Netz nach Antworten suchen.

Frau Dantschke antwortet, dass das Problem erkannt sei, jedoch die Umsetzung andauert. Es sei sinnvoll mit muslimischen Gemeinden und Autoritären zusammen eine Alternative zu finden.

 

Frau Dantschke führt aus, dass die Salafiten vorgeben exklusive Wahrheit anzubieten wie: „Wir sind die Einzigen die den Islam richtig interpretieren“. „Wir sind die Einzigen die wissen was Allah wollte“ Im Salafismus gibt es keine Zweifel. Im Salafismus gibt es entweder richtig oder falsch.

Im Salafismus wird eine starke Angstpädagogik betrieben, (z.B. Angst vor Strafe, vor der Hölle etc.)

 

Jugendliche für die der Salafismus attraktiv ist, sind in irgendeiner Form mit Ihrem Leben nicht zufrieden und fühlen sich ausgegrenzt, gemobbt und nicht wahrgenommen.

In solchen Situationen sind Jugendliche sehr empfänglich für salafistische Thesen und Prinzipien von Belohnung und Bestrafung. Oft stellt Salafismus für Jugendliche auch eine Abgrenzungsmöglichkeit zum Lebensstil der Eltern dar.

 

Gemeinschaft und Identität

Der Vorsitzende, Herr Siewer, stellt folgende zuvor erwähnte Stichpunkte wie fehlende Sicherheit, kulturelle Geringschätzung und Perspektivlosigkeit zur Diskussion und führt aus, dass hier möglicherweise das kommunale Handlungsfeld zu sehen ist.

Es sei wichtig dafür zu sorgen, dass die kulturelle Geringschätzung des Islams nicht noch weiter zunimmt.

Herr Siewer führt ganz allgemein aus, dass die Verbreitung von Respekt die Förderung von Respekt bewirkt. Auch in Bildungs- und Jugendeinrichtungen sei Respekt von wichtiger Bedeutung um präventiv gegen konfliktträchtige Gruppen vorzugehen.

 

Herr Kurt führt aus, dass es in den Diskussionen deutlich gemacht werden sollte, dass eine geringe Anzahl der Menschen, die dem Salafismus angehören, gefährlich sind.

Weiterhin fragt Herr Kurt nach, wie man mit diesem Thema Verfahren soll und ob man nicht versuchen kann, den Vereinen die Verbreitung des Salafismus zu verbieten.

Frau Dantschke antwortet, das Salafismus seit sechs Jahren zugenommen hat. Mit respektiven Maßnahmen/Verboten könne das Thema nicht gelöst werden. Wichtig sei Netzwerkarbeit zu betreiben.

 

Auf eine Nachfrage von Herrn BV Vierhufe führt Frau Dantschke aus, dass mehrere Projekte in der Zusammenarbeit mit Schulen insbesondere in der Lehrerfortbildung in Berlin vorhanden sind. Jedoch könnten viel mehr Projekte hinzukommen.

 

Weiterhin teilt Sie mit, dass genauso viele Frauen wie Männer im Salafismus vertreten sind. Salafismus ist nicht nur für muslimische Frauen sondern auch für konvertierte Frauen sehr attraktiv.

 

Frau Dantschke hat zwei Exemplare mitgebracht, die bei Interesse unter dem Titel „Ich lebe für Allah. Argumente und Anziehungskraft des Salafismus Ausgabe 2011“ bestellt werden können.

 

 
 

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