Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke fordert Erhalt der historischen Form der Gasbeleuchtung in Moabit

Pressemitteilung Nr. 123/2016 vom 24.03.2016

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Dr. Christian Hanke, informiert:

Im Bezirk Mitte betreibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine LED-Musterstrecke zwischen Turmstraße und Wiclefstraße auf der moderne Prototypen von Straßenlaternen vorgestellt werden, mit denen nach und nach die alten Gaslaternen in den Wohnstraßen zwischen Turm- und Siemensstraße ersetzt werden sollen. Die Bevölkerung ist aufgefordert, sich an der Auswahl der neuen Quartiersleuchte zu beteiligen.

Inzwischen äußern die Anwohnerinnen und Anwohner in Moabit massiven Unmut gegen den Austausch der alten Leuchten und den Ersatz durch eine sogenannte „neue Quartiersleuchte“.

Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke fordert, dass in dem Bereich Moabit die historische Form der Gasbeleuchtung erhalten bleibt und durch optisch gleichwertige LED-Nachbauten ersetzt wird.

In seinem Brief an den Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel, begründet Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke diese Forderung:

1. Dieser Stadtbereich ist eines des wenigen relativ gut erhaltenen Gründerzeitquartiere und damit städtebaulich von hoher Schutzwürdigkeit. Es ist außerdem als ein künftiges Milieuschutzgebiet des Bezirks Mitte vorgesehen.

2. Die dort vorhandene Gasbeleuchtung ist in ihrer Qualität (Aufsatzleuchten und Hängeleuchten an den Kreuzungen) und Dichte nicht nur in Berlin, sondern sogar weltweit nahezu einmalig und ist als Kulturgut anzusehen, das nicht zuletzt auch von touristischem Interesse ist.

3. Die kriminologische Begründung für die geplante Ersetzung der Straßenbeleuchtung durch hellere ahistorische LED-Leuchten ist nicht überzeugend.

  • Dieser Bereich ist generell und auch hinsichtlich Eigentumsdelikten keineswegs als besonders belastet anzusehen (s. Kriminalitätsatlas Berlin von 2013), er befindet sich z.B. nicht unter den 2014 benannten 36 Berliner Kriminalitäts-Schwerpunkten, anders als bekanntlich der hell erleuchtete Alexanderplatz.
  • Die Aufstellung der Gasleuchten ist in Moabit in den 1980er Jahren verdichtet worden (nur 15-25 m Abstand zwischen den Laternen) und die Helligkeit ist somit für dieses Wohn- und Geschäftsquartier absolut ausreichend, wie die Befragung vieler Anwohner und anliegender Gewerbetreibende bestätigte.
  • Von den sieben zur Auswahl stehenden LED-Modellen sind nur zwei tatsächlich heller als die Gasleuchten, drei Modelle sogar dunkler. Alle Modelle blenden die Passanten.
  • Zur Prävention gegen Straßenkriminalität ist eine hellere Beleuchtung ohnehin nur bedingt geeignet. So heißt es im Berliner Lichtkonzept: Dem Leitgedanken der Angemessenheit folgend ist aber auch im Hinblick auf die soziale Sicherheit ein bewusstes und behutsames Vorgehen bei der Lichtplanung anzustreben. Aus Befragungen ist bekannt, dass die Erhöhung der Lichtmengen nicht in jedem Fall geeignet ist, das Sicherheitsempfinden zu verbessern. Quelle: Lichtkonzept, Stand Juni 2015.

4. Die Unterschriftensammlung – die der engagierte Bürger Volker Elingshausen durchführte und die mir vorliegt – bei Geschäftsleuten rund um die Arminius-Markthalle ergab eine Zustimmung von etwa geschätzten 80% der Befragten zu der Forderung: „Die Gasbeleuchtung muss erhalten bleiben, denn sie macht das besondere Flair unseres Kiezes aus!” Bis auf eine Person äußerte sich niemand dahingehend, die Straßenbeleuchtung sei nicht hell genug.

5. Die bis Ende April laufende Anwohnerbefragung des Senats zu der „LED-Musterstrecke” in der Waldstraße enthält nicht die Alternative „Beibehaltung der bisherigen Beleuchtung mit historischen Laternen” und erfordert keinerlei Angaben zu Person und Wohnort und kann somit, egal wie sie ausgeht, nicht als demokratische Legitimation für eine Umrüstung im Stadtquartier Moabit angesehen werden.

Abschließend fasst Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke zusammen:
„Der Bereich um die Moabiter Arminius-Markthalle ist eines der wenigen authentischen Gründerzeitquartiere in der Mitte Berlins und von hohem städtebaulichem Wert. Die zu diesem Ensemble gehörenden Straßenlaternen sind für den Gesamteindruck unverzichtbar und es liegt daher im Interesse des Bezirks Mitte, dass sie in diesem Bereich erhalten bleiben und nicht durch moderne Leuchten, sondern allenfalls durch mit LED bestückte Gaslaternen-Imitate ersetzt werden.“

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Bezirksamt Mitte, Pressestelle, E-Mail:presse@ba-mitte.berlin.de