Siegessäule wieder eröffnet

Pressemitteilung vom 20.05.2011

Der Stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Immobilien und Ordnungsamt, Carsten Spallek informiert:

Am 20. Mai 2011 wird in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, mit der symbolischen Übergabe eines Goldenen Schlüssels die Siegessäule am Großen Stern im Tiergarten feierlich wieder eröffnet.

Bezirksstadtrat Carsten Spallek : „Ich freue mich sehr, dass wir in Zeiten leerer Bezirkskassen die Möglichkeit hatten, mit einem Budget aus Landes-, Bundes und EU-Mitteln der Goldelse zu neuer Strahlkraft zu verhelfen und damit die touristische Infrastruktur und Attraktivität im Tiergarten zu stärken.“

Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen Harald Wolf : „Die Goldelse, eine der beliebtesten touristischen Attraktionen der Hauptstadt, ist in neuem Glanz wiederhergestellt. Die Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur’ haben wir am Großen Stern also gut angelegt. Der Tourismus boomt und ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Berlins. Seit 1990 hat sich die Hauptstadt zum wichtigsten Städtereiseziel Deutschlands entwickelt und ist in die Gruppe der international beliebtesten Touristenstädte Europas aufgestiegen. Touristen aus aller Welt können jetzt wieder einen schönen Abstecher an die Siegessäule machen.”

Die Siegessäule sowie das Café sind am 21. Mai 2011 ab 9.30 Uhr wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Bauchronologie der Maßnahme zur Touristischen Erschließung des Großen Sterns Berlin-Tiergarten

November 2006 Eine technische Bestandsaufnahme aller Anlagenteile hat stattgefunden. Daraus wurde der Bedarf für die Maßnahmen ermittelt.

22.12.2006 Antrag auf Gewährung einer Zuwendung zur Förderung wirtschaftsnaher Infrastruktur, Regionalmanagement, Kooperationsnetzwerke und Clustermanagement wird an die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gestellt.
06.08.2008 Vorläufige Förderzusage für die Erstellung der Bauplanungsunterlagen erfolgt

28.11.2008 Vorläufige Förderzusage der Gesamtmaßnahme erfolgt

04.01.2010 Baubeginn
Das Bauvorhaben wird durch eine Image-Kampagne des Landes Berlin durch die Berlin Partner GmbH begleitet. Die Baustelle und die Siegessäule werden mit einem attraktiv verhüllten Baugerüst und einem Bauzaun mit wechselnden Motiven, die auf die Veranstaltungen und Stärken der Stadt Berlin hinweisen, verdeckt. Das Baugeschehen tritt in den Hintergrund. Besucher bekommen ein Abbild des Gebäudes zu sehen.

20.05.2011 Die Wiedereröffnung der Siegessäule erfolgt nach 17 Monaten Bauzeit trotz widriger Witterungsbedingungen. Der Frost bis April 2010 verzögert den Gerüstaufbau, ein regenreicher August behindert die Vergoldungsarbeiten an der Viktoria unter freiem Himmel und der folgende Wintereinbruch erfolgte bereits im November 2010 und erschwerte die Arbeiten an der Fassade.

Juli 2011 Abschluss aller Maßnahmen inkl. der Tunnel und der Außenanlagen

bis Mitte 2012 Restaurierung der Denkmale von Roon, Bismarck und Moltke auf der Nordseite der Gesamtanlage

Finanzierung

Nach der Feststellung des baulichen Defizits an der Gesamtanlage Großer Stern wurde durch das Bezirksamt Mitte von Berlin im Dezember 2006 ein Antrag auf Förderung bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gestellt.

Das Land Berlin fördert anteilig die Anpassungsmaßnahmen zur touristischen Erschließung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ aus Landes – und Bundesmitteln und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ kofinanziert. Es werden Fördermittel in Höhe von 3.408.300, 00 Euro bewilligt.
Der dafür erforderliche Eigenanteil des Landes Berlin in Höhe von 10 % beträgt 340.830,00 Euro.

Für die nicht förderfähigen, jedoch notwendigen denkmalpflegerischen Maßnahmen wie die Metallrestaurierung der Viktoria, der Kanonen und der Lorbeergehänge am Säulenschaft, die Metallrestaurierung der Bronzereliefe am Sockel und die Restaurierung des Wandmosaiks sowie die ergänzende Beleuchtung der Säulenrundhalle und der Bronzereliefe stellte das Land Berlin weitere 595.000,00 Euro bereit.

Damit standen bzw. stehen für die Gesamtanlage Großer Stern finanzielle Mittel in Höhe von 4.344.130,00 Euro zur Verfügung.

Ausgeführte Arbeiten

Erschließung und Haustechnik
Alle Medien, die großenteils noch aus den 1930er Jahren oder den 1950er Jahren stammen, wurden erneuert: Hausanschlüsse für Wasser, Abwasser und Strom. Alle Grundinstallationen sind ausgetauscht worden. Neue Haustechnik bestimmt das Gebäude: Wasser, Abwasser, Elektroinstallationen, einschließlich Brand- und Einbruchmeldeanlage, Videoüberwachung; eine Lüftungsanlage wurde installiert.

Naturstein
Graffiti-Entfernung und Politur der Carrara-Marmorflächen im Innern, Entfernung aller Verschwärzungen und Kalkaussinterungen auf den Granitflächen des Sockels und der Säulen aus rotem Granit, Oberflächenbearbeitung des Sandsteins des Säulenschafts mit deutlich sichtbarem Erfolg, Neuverfugung aller Granit- und Sandsteinbauteile (Sockel und Säulenschaft), Austausch schadhaften Sandsteins am Säulenschaft

Restaurierung / Konservierung Bronzereliefs
Entfernung schädigender Korrosionsschichten und Kalkablagerungen auf den Bronzeoberflächen, sowohl auf der sichtbaren Vorderseite der Reliefs als auch auf den Rückseiten. Vereinheitlichung des optischen Erscheinungsbildes, Schutz und Konservierung der Oberfläche vor schädigenden atmosphärischen Einflüssen.

Restaurierung des Wandmosaiks
Reinigung des Wandmosaiks aus Glas (geschätzte 500.000 Smalten): Grundreinigung und Entfernung von Verfärbungen (Glaskorrosion), Schließen von Rissen, Hinterfüllung von Hohlstellen im Putz; Ergänzung einzelner fehlender Smalten, partielle Neuverfugung.

Kanonen
Dänische Kanonen (unterste Kanonenreihe): Abnahme der je ca. 700 kg schweren Kanonen aus Eisen, Transport in die Werkstatt; Demontage des Kupferblechmantels, Entfernung aller Korrosionsprodukte (Rost) an den Kanonen, Aufbringen eines vielschichtigen und dauerhaften Rostschutzes, Neuvergoldung der Kanonen mit Blattgold, 24 Karat;
Alle anderen Kanonen (österreichische und französische), deren umgehängte Lorbeerkränze sowie die Lorbeergehänge (oberste Reihe) bestehen aus Bronze. Sie wurde vor Ort neu vergoldet.

Viktoria
Entfernung des Farbschichtenaufbaus auf der Bronzefigur (Gewicht ca. 40 Tonnen, bestehend aus 17 Gussteilen aus Bronze, selbstragend ohne inneres Gerüst mit Ausnahme der Flügel, Höhe 8,20 m; Höhe der Spitze über Grund ca. 68 m), Überprüfung und Korrosionsschutz der Verbindungsmittel im Innern, Austausch der Fugen zwischen den Gussteilen, Öffnen der rückwärtigen Flügelbleche und Verstärkung der Unterkonstruktion. Erneuerung des Farbschichtenaufbaus als Korrosionsschutz und Untergrund für die Vergoldung; Neuvergoldung der Figur mit 24-karätigem Blattgold (Oberfläche knapp 200 qm).
An Viktoria, Kanonen und weiteren Bauteilen wie Geländer, Rosetten, Zierleisten wurde etwas über 1, 0 kg Gold aufgebracht. Mit einem Goldpreis von ca. 35.000 € liegen die Kosten für das Gold deutlich unter 1% der Gesamtbaukosten.

Verbesserung des Ausstellungsrundgangs
Die Ausstellungsräume im Sockel wurden leicht modifiziert. Ein- und Ausgang wurden getrennt, um den Besucherfluss zu vereinfachen. Durch Drehsperren und eine Videoanlage kann der Besucherstrom besser kontrolliert und gesteuert werden. Die Beleuchtung wurde deutlich verbessert. Eine Belüftungsanlage soll vor allem im Herbst und Winter für trockenere und leicht vorgewärmte Luft und damit für ein angenehmeres Klima sorgen.

Treppenaufgang
Im Treppenaufgang wurden auf alle Oberflächen das Graffiti entfernt und oder neu gestrichen, sämtliche Stahlkonstruktionen (Treppen und Geländer) gesandstrahlt und neu gestrichen. Die Beleuchtung wurde erneuert, verstärkt und durch eine Sicherheitsbeleuchtung ergänzt. Holztüren wurden aufgearbeitet, durchgerostete Stahltüren erneuert.

Dächer
Das Dach auf dem Granitsockel wie auch das Dach auf der Säulenrundhalle erhielten eine dauerhafte und im Material angemessene Deckung aus Kupfer, nachdem in den letzten Jahrzehnten nur eine immer wieder undichte Deckung aus Bitumendachbahnen das Gebäude verunzierten. Auch die Tunnelhäuser erhielten endlich eine dauerhafte Deckung aus Kupfer.

Beleuchtung
Neben der Modernisierung der Gebäudeanstrahlung (leistungsstärkere und stromsparendere Leuchten) erhält das Gebäude zwei zusätzliche Lichtakzente: die nächtliche Anstrahlung des Glasmosaiks in der Säulenrundhalle sowie die Anstrahlung der vier Bronzereliefs.

Tunnelhäuser
Neben der optischen und strukturellen Verbesserung der Sandsteinfassaden war eine umfassende Betonsanierung der Treppenanlagen und der Kellerdecken der Gebäude von 1938/39 notwendig, nachdem weite Teile der Eisenbewehrung wegkorrodiert waren.

Tunnelanlagen
Die zwei im Grundriss T-förmigen Tunnel erhielten eine neue Wandoberfläche aus Fliesen sowie eine neue gleichmäßige Beleuchtung. An drei Stellen hängen die Granitplatten, die man am Sockel der Siegessäule einfügte, nachdem Frankreich die Bronzereliefs als Kriegsbeute mitnahm. Nach Rückgabe der Reliefs zur 750-Jahr-Feier Berlins durch den damaligen französischen Präsidenten und Wiederanbringung der Reliefs verloren die Granitplatten ihre Funktion.
Tunnelhälse auf der Insel: Abnahme und Neuverankerung der Plattenbekleidung aus Granit
Die Entwässerung der Tunnelanlagen wurde erneuert. Überflutungen gehören damit der Vergangenheit an. Eine Lichtinstallation befindet sich noch im Aufbau und wird voraussichtlich im Juli fertig gestellt werden

Umfassungsmauer
Die ca. 600 m lange Umfassungsmauer wurde gründlich aufgebessert: Der Sandstein wurde aufgehellt, verwitterte Sandsteine wurde ausgetauscht oder ergänzt, die Verfugung erneuert, die Gründung verstärkt. Die Erneuerung der Tennenflächen vor der Mauer schließt sich nach Abschluss der Bauarbeiten des Fahrradweges (nicht Bestandteil dieser Maßnahme) an.

Außenanlagen
Austausch defekter Plattenbeläge und Richten aller Unebenheiten, Neuverfugung, Erdarbeiten für Leitungsverlegung, Sanierung der Leuchtengehäuse; Rasen- und Pflanzersatz; vollständige Fertigstellung Juni 2011