Über die Seele - Platon

Pressemitteilung vom 30.10.2009

10. November 2009, 19.00-21.15 Uhr
VHS, Raum 105
Turmstr. 75, 10551 Berlin

Das Wort Seele klingt nach Religion, für Gläubige eine Glaubenstatsache, für Atheisten ein esoterisches Relikt aus der Vergangenheit.

Der Philosoph Immanuel Kant, der kein Atheist war, bezeichnet die Seele als unwissenschaftlich, weil diese nicht erfahrbar sei. Mit der medizinischen Psychologie kam die Seele (griech. Psyche), als ein Gleichnis für Gehirn- und Nervenfunktionen, wieder in die Wissenschaft, aber ohne die Seele als eigene Substanz anzuerkennen. Dadurch aber wurde die Psychologie eine Wissenschaft ohne ihren Gegenstand, ohne Seele also.

Erst der Atheist Siegmund Freud sprach von einem aus ganz bestimmten Bewusstseinsprovinzen zusammengesetzten Seelenapparat, dessen “Diskussion philosophischem Denken vorbehalten bleibt”. Damals wusste Freud noch nicht, dass diese philosophische Diskussion schon längst durch Schopenhauer und Nietzsche angestoßen war. Und Thomas Mann wurde nicht müde durch sein Werk auf den “Nutzen” dieser philosophischen Diskussion zu verweisen als mögliche Heilung von Angst und als Leitfaden für Selbstfindung, Selbstbehauptung und Neufindung verlorener Persönlichkeit.

Die komplizierten Sachverhalte menschlichen Zusammenlebens im griechischen Stadtstaat führt Platon auf die Funktion individuellen Seelenlebens zurück, das er an einem Grundmodell der Seele darstellen möchte. Die gelingt ihm jedoch nur, mit einem Gleichnis. Wird dieses Gleichnis, eine Ideenwelt überirdischer Schönheit, als bildhafte Realität betrachtet, erzeugt es jedoch den ästhetischen Genuss eines religiösen Märchen. Es lässt sich aber auch als Vorstufe wissenschaftlich begrifflicher Analyse deuten.

Kursleitung: Hanno Madejsk
Entgelt: 3,50 €

Medienkontakt :
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