Sanierungsgebiete im Ortsteil Berlin-Mitte mit Einwohnerzuwachs - Stadtumbauprojekte zeigen positive Wirkung

Pressemitteilung vom 25.10.2007

Mit einem Pressegespräch und einer Besichtigung der neuen Schulsporthalle am Arkonaplatz stellt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe, am 24. Oktober 2007 die bisherige Bilanz des Förderprogramms Stadtumbau Ost in den Sanierungsgebieten Rosenthaler Vorstadt und Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte vor.

Seit 2002 fördert das Land Berlin im Rahmen des Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost vielfältige Projekte zur nachhaltigen Aufwertung der Sanierungsgebiete Rosenthaler Vorstadt und Spandauer Vorstadt. Das Bezirksamt Mitte setzt die Fördermittel insbesondere zur Erneuerung von sozialen und kulturellen Einrichtungen, zur Neuanlage von Parks und Spielplätzen und zum Rückbau nicht benötigter Infrastruktureinrichtungen ein. In der fünfjährigen Förderperiode wurden insgesamt neun Projekte fertig gestellt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellte bisher rund 4,5 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung, die vom Bezirksamt Mitte mit eigenen Mitteln beträchtlich aufgestockt wurden.

Die Förderprojekte sind Bestandteil der umfassenden Erneuerung der beiden Sanierungsgebiete. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Rosenthaler Vorstadt und Spandauer Vorstadt zu attraktiven Wohnorten in der Mitte Berlins entwickelt haben. Auch durch den Einsatz zusätzlicher Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz oder aus dem Umweltentlastungsprogramm ist der Erneuerungsprozess inzwischen weit voran geschritten. In der Spandauer Vorstadt ist die Sanierung mit einem Durchführungsstand von etwa 85 % nahezu abgeschlossen. In der Rosenthaler Vorstadt beträgt der Durchführungsstand etwa 77 %.

Ein deutliches Zeichen des Sanierungserfolges ist das dynamische Wachstum der Einwohnerzahl . Während sich die Einwohnerzahl im gesamten Ortsteil Berlin-Mitte seit 1991 nicht erhöht hat, leben in den Sanierungsgebieten heute wieder deutlich mehr Menschen als zur Wendezeit. In der Spandauer Vorstadt waren im Jahr 1996 7.040 Einwohner gemeldet. Dies markierte den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Seitdem wächst die Einwohnerzahl kontinuierlich. Ende 2006 waren 8.719 Einwohner gemeldet. Dies entspricht einer Steigerung um 24 %.
In der Rosenthaler Vorstadt wurde 1999 der niedrigste Stand mit 5.452 Einwohnern verzeichnet. Auch hier erfolgt seitdem ein kontinuierlicher Einwohnerzuwachs. Ende 2006 waren bereits 7.092 Einwohner gemeldet. Dies entspricht einer Steigerung um etwa 30 %. In beiden Gebieten ist die Dynamik des Zuwachses bisher ungebrochen.

Überproportional wächst inbesondere die Anzahl der Kleinkinder im Alter von bis zu 6 Jahren. Ende 2006 lebten in der Spandauer Vorstadt 592 und in der Rosenthaler Vorstadt 543 Kinder. Im Vergleich zu den niedrigsten Einwohnerständen in den Jahren 1996 bzw. 1999 bedeutet dies eine Steigerung um 66 % in der Spandauer Vorstadt und um 113 % in der Rosenthaler Vorstadt. Unabhängig davon, ob es sich um Zuzüge von Familien handelt oder ob Familien im Gebiet gegründet wurden – in beiden Fällen ist es ein Beleg für ein kinderfreundliches Wohnumfeld. Junge Familien entscheiden sich bewusst für die Rosenthaler und Spandauer Vorstadt als Wohnort mit langfristiger Bleibeperspektive.

Der „Kinderboom“ stellt den Bezirk Mitte vor neue Herausforderungen. Angesicht der aktuellen Entwicklungsdynamik verstärkt er seine Bemühungen, den Bewohnern der Sanierungsgebiete auch zukünftig eine bedarfsgerechte Versorgung mit Grün- und Freiflächen sowie Betreuungsplätzen in Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen zu bieten. Auch mit Unterstützung des Programms Stadtumbau Ost soll das Infrastruktursanierungsprogramm fortgesetzt werden. Dafür wird das Bezirksamt weitere Fördermittel bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beantragen. Darüber hinaus prüft das Bezirksamt Mitte die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten an Grundschulen und Kitas.

Die Projekte in der Spandauer Vorstadt

Auf der gut 7 500 m² großen Blockinnenfläche zwischen Krausnickstraße, Oranienburger Straße und Große Hamburger Straße entstand in den Jahren 2004-2007 der Krausnickpark . Nach intensiver Bürgerbeteiligung und mehreren Workshops wurde die bis dahin verwilderte und unzugängliche Fläche zu einer sehr gut angenommenen öffentlichen Grünanlage mit zwei Kinderspielplätzen umgebaut. Die Planung lag in den Händen des Bezirksamts Mitte. Der Park hat separate Zugänge zu den angrenzenden Grundstücken. Anwohner können so den Park direkt von ihrem Hof erreichen und auf kleinen Mieterbeeten ihren individuellen Gartentraum verwirklichen. Bei der Pflege des Parks wird ein neuer Weg des Bürgerengagements beschritten. Ein aus Anwohnern bestehender Verein pflegt die Fläche seit der Fertigstellung im Jahr 2007 eigenverantwortlich.

Auf dem Gormanndreieck zwischen der Rosenthaler Straße und der Gormannstraße wurde die vorhandene Grünanlage in den Jahren 2004/2005 nach den Planungen des Landschaftsarchitekturbüros Wittling Benninghoff umgestaltet und erweitert. Der bereits vorhandene Bolzplatz erhielt einen neuen Belag. Es wurden Wege neu angelegt und Pflanzungen vorgenommen. Auf der hinzugewonnenen Fläche ist heute ein betreuter Spielplatz beheimatet. In den optisch markanten Containern stehen auch Bastel- und WC-Räume zur Verfügung.

Eine wesentliche Aufwertung erhielt der südliche Teil des Schendelparks zwischen der Alten Schönhauser Straße und der Max-Beer-Straße. Die abgenutzte Grünanlage wurde nach Entwürfen des Landschaftsarchitekturbüros Becker Giseke Mohren Richard neu gestaltet und mit attraktiven Spielangeboten sowie einem Bachvolleyball-Feld ausgestattet. Eine große Wiese sowie neue Bänke laden zum Verweilen ein.

Auf den Grundstücken Auguststraße 3a bis 5 entsteht Schritt für Schritt ein neuer Spielplatz für die kleinsten Bewohner der Spandauer Vorstadt. Inspiriert vom benachbarten Postfuhramt planten die Landschaftsarchitekten der S.T.E.R.N. GmbH eine phantasievolle Anlage unter dem Motto „Hier geht die Post ab“. Zum Klettern steht eine Postkutsche nebst Pferd zur Verfügung. Gesessen und gespielt wird auf Postpaketen und Schatztruhen. Nach der Realisierung des 1. und 2. Bauabschnitts in den Jahren 2003 bzw. 2007 soll der noch fehlende Mittelteil des Spielplatzes 2008 errichtet werden. Dann werden insgesamt 1 400 m² für die Kinder zur Verfügung stehen.

Das heute als Theaterprobenhaus Mitte bekannte Gebäude am Koppenplatz 12 beherbergte bis zum Jahr 2000 eine Grundschule. Nach der Schließung der Schule aufgrund damals rückläufiger Schülerzahlen wurde das vom Architekten Hoffmann erbaute Gebäude dem Kulturamt zur Zwischennutzung für kulturelle Zwecke überlassen. Die erforderliche Instandsetzung der Gebäudehülle erfolgte mit Mitteln des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz. Mit den Mitteln aus dem Programm Stadtumbau Ost wurden Maßnahmen zur Herstellung der Brandsicherheit und zur Erneuerung von Elektroanlagen, Fußböden und Wänden durchgeführt. Das Erneuerungskonzept wurde so angelegt, dass grundsätzlich eine Reaktivierung als Schulstandort möglich ist.

Bei der in den 80er Jahren erbauten Plattenbau-Kita Kleine Auguststraße wurde unter Berücksichtigung umweltgerechter Standards und mit zusätzlichem Einsatz von Mitteln aus dem Umweltentlastungsprogramm eine umfassende Modernisierung und Instandsetzung der Gebäude gefördert. Der erste Bauabschnitt wurde 2006 fertig gestellt, der zweite Bauabschnitt folgt ab 2007. Damit steht zum Ende des Sanierungsprozesses eine moderne Kita mit über 200 Plätzen zur Verfügung. Bereits zuvor wurde mit EFRE-Mitteln der Kita-Vorplatz umgestaltet. Er wird von der Wasserskulptur „Der kleine August“ geschmückt. Ein Wandbild und eine Gedenktafel erinnern an den ehemaligen Standort einer Synagoge.

Die Projekte in der Rosenthaler Vorstadt

Nahezu fertig gestellt ist die Neugestaltung der zuvor vernachlässigten Schulhöfe des Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gymnasiums in der Rheinsberger Straße 4-5. Die Neugestaltung der Landschaftsplanerin Britt Stordeur wurde intensiv mit den Lehrern und Schülern abgestimmt. Sie folgt dem pädagogischen Konzept und den besonderen Anforderungen der hochspezialisierten Musikschule. Jeder der fünf Höfe thematisiert die Welt der Musik auf individuelle Weise, ob als Brunnen mit „Besonderer Note“ oder als „Grünes Musikzimmer“.

Für die Kleinkinder des dicht bebauten Wohngebietes wurde im Juni 2007 der neue Spielplatz Strelitzer Straße 5, 6 eröffnet. Zuvor wurden die brachliegenden Grundstücke beräumt, enttrümmert und neu gestaltet. Inspiriert von der dort auslaufenden Hangkante des Barnims entwarf das bezirkliche Amt für Umwelt und Natur ein bespielbares „Archäologencamp“. Die Spielgeräte sind im „eiszeitlichen“ Design mit hölzernen Mammutzähnen, versteinerten Saurierknochen und Fabeltieren gestaltet.

Ein Schwerpunkt des Fördermitteleinsatzes ist die städtebauliche Neuordnung des ehemaligen Standortes der Hemingway-Oberschule an der Elisabethkirchstraße. Nach dem Umzug der Schule auf einen besser ausgestatteten Standort an der Gartenstraße wurde das nicht mehr benötigte Schulgebäude in Plattenbauweise 2007 abgerissen. Zur Finanzierung stellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Fördermittel aus dem Programmteil Rückbau zur Verfügung. Auf dem ehemaligen Schulareal sollen in den nächsten Jahren eine Kita-Erweiterung, eine öffentliche Grünfläche sowie Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet werden.

Das Kita-Neubauvorhaben Elisabethkirchstraße 19-20 erweitert die bestehende evangelische Kita Elisabethkirchstraße 21 um 60 zusätzlichen Plätze. Der Bauherr, der evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte, erhält eine Förderung im Programm Stadtumbau Ost. Die Architektur des Neubaus wurde in einem Wettbewerb entschieden. Als Sieger ging der moderne Entwurf des Berliner Architekturbüros Meyer Grosse Hebestreit Sommerer hervor. Die Hochbauarbeiten werden im April 2008 beginnen. Mit dieser Neubau-Maßnahme wird das bestehende Kita-Platzdefizit im Sanierungsgebiet Rosenthaler Vorstadt reduziert.

Direkt neben der geplanten Kita soll 2009/2010 eine neue öffentliche Grünfläche an der Elisabethkirchstraße entstehen. In einem ersten Workshop mit Anwohner wurden die grundlegenden Planungsziele abgestimmt. 2008 soll in einem Verfahren mit mehreren Landschaftsarchitekturbüros die Planung weiterentwickelt und anschließend mit den Anwohnern diskutiert werden.

In den Jahren 2008/2009 werden die schadhaften Gehwege in der Anklamer Straße zwischen der Brunnenstraße und dem Arkonaplatz mit Fördermitteln instand gesetzt. Um die Querung der Straße, insbesondere für die Kinder auf dem Weg zur Grundschule sicherer zu gestalten, erhalten die Kreuzungsbereiche Gehwegvorstreckungen. Darüber hinaus soll der lückenhafte Straßenbaumbestand ergänzt und die Straßenbeleuchtung erneuert werden.