Familienbildungsgutschein für jedes Neugeborene in Marzahn-Hellersdorf – ein Novum in Berlin – erste Übergabe heute

Pressemitteilung vom 06.01.2010

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle, der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Dr. Bodo Müller, und weitere Fachleute stellten heute im Vivantes Klinikum Hellersdorf den neuen Familienbildungsgutschein vor. Im Anschluss übergab Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle in der Klinik den ersten Familienbildungsgutschein an Frau Ina Fischer (29) und ihre zwei Tage alte Tochter Thora. Frau Fischer hatte bereits nach der Geburt ihres jetzt sechsjährigen Kindes gute Erfahrungen mit der Babymassage gemacht. Den Gutschein will sie nach Möglichkeit für einen Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge einsetzen. (Ein Foto liegt in der Pressestelle vor und kann gemailt werden.)

In der größten Geburtsklinik des Bezirks kommen jedes Jahr etwa 1.100 Babys zur Welt. Chefarzt Dr. Bodo Müller betonte, dass die Hellersdorfer Geburtsklinik im Netzwerk Rund um die Geburt sehr engagiert ist und Eltern auch nach der Geburt unterstützt: „Im Vivantes Klinikum Hellersdorf haben wir mit der Elternschule, dem Stillcafé und der Babymassage nach Leboyer bereits kostenlose Angebote, die Eltern nun mit dem Familienbildungsgutschein sinnvoll ergänzen können.“ Einem Vorschlag des Netzwerkes Rund um die Geburt folgend, beschloss das Bezirksamt die Finanzierung. „Wir wollen mit diesem Gutschein gemeinsam mit allen Akteuren den jungen Eltern finanziell ein wenig unter die Arme greifen und sie bei der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen unterstützen“, erläuterte die Bezirksbürgermeisterin.

Berlin Marzahn-Hellersdorf ist ein kinderfreundlicher Bezirk, in dem jedes Jahr etwa 2.000 Kinder geboren werden. Ab sofort erhalten alle Eltern, die in Marzahn-Hellersdorf wohnen, anlässlich der Geburt eines Kindes oder der Aufnahme eines Säuglings zu dauernder Pflege oder Adoption einen Gutschein für Bildungsveranstaltungen zur Förderung der Kompetenzen für Erziehung in der Familie im Wert von 40 Euro, den sie für die Gebühren der jeweiligen Veranstaltung einlösen können. Der Gutscheinwert für Alleinerziehende und Elternpaare ist gleich.

Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Bezirksamtes übersendet den Eltern nach der Geburtsmeldung den Gutschein und weitere Informationen, die für das Leben mit Neugeborenen wichtig sind. Sie wollen den jungen Eltern damit auch vermitteln, dass es keineswegs ehrenrührig ist, die Angebote zu nutzen, sowie den Gedankenaustausch mit Dritten außerhalb der Familie zu suchen, zeugt das doch von hohem Verantwortungsbewusstsein. Außerdem möchten die Akteure die Bildung von Elternnetzwerken anregen.

Frühe Hilfen, wie Unterstützung von Eltern, Früherkennung und Frühförderung im Kindesalter, Prävention in verschiedenen Lebenswelten und rechtzeitige Beratung und Behandlung der Eltern und Kinder können wesentlich zum Schutz und zur Förderung der heranwachsenden Generation beitragen.

Der Familienbildungsgutschein soll

• Schwellenängste von Eltern vor Inanspruchnahme außerfamiliärer Hilfen senken,
• den Stellenwert von Bildungsarbeit zur Förderung elterlicher Erziehungskompetenz betonen,
• und die Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen mit anderen professionellen Diensten und Angehörigen freier Berufe, die für die Gesundheit der Familien Sorge tragen, Kinder betreuen, erziehen und bilden sowie vor Missbrauch und Gewalt schützen, vertiefen.

Ausgangslage
Die Anforderungen an Eltern, die ihre Kinder gut ins Leben geleiten wollen, steigen ständig. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
• Eltern stammen zunehmend aus Familien mit wenigen oder gar keinen Geschwistern und die beruflich erforderliche Mobilität verhindert zusätzlich alltägliche Hilfe und Erfahrung in größeren Familienverbänden.
• In Folge der steigenden Lebenserwartung prägt die proportional immer kürzer werdende aktive Familienphase des Zusammenlebens mit Kindern die Lebensplanung insbesondere der Frauen weniger als früher. Die Erhaltung beruflicher Fähigkeiten tritt als wichtige Aufgabe neben die Familienarbeit.
• Flexible Arbeitszeiten und Veränderungen innerfamiliärer Aufgabenteilungen erfordern neuartige Lösungen bei der Strukturierung von Zeitabläufen mit Kindern.
• Eine technisierte Umgebung mit schwindenden Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und medienvermittelten Phantasiewelten erschwert Erziehung.
• Auch kulturelle Vielfalt erfordert Anpassung und bringt Verunsicherung mit sich.
• Die Erwartungshaltung an die Qualität der Erziehung von Kindern steigt.
• Lebenskonzepte von Eltern entwickeln sich häufiger und rascher auseinander als früher, Partnerschaftserhaltung oder Erhaltung gemeinsamer Verantwortung für Kinder werden zu einer besonderen Aufgabe.
Eltern brauchen Orientierung und Gelegenheiten, sich über ihre Unsicherheit im Umgang mit Kindern auszutauschen. Ihre Kompetenzen, kindgerecht zu betreuen, zu erziehen und zu bilden, können durch frühzeitige Bildungsveranstaltungen erhöht und gefestigt werden.