Kinderarmutsprävention

„Jedem Kind eine Perspektive“

Kinderzeichnung von 4 fröhlichen Kindern als Strichmännchen die in die Luft springen
Bild: VRD / Fotolia.com

Kinderarmut – nicht mit uns!

Je früher und je länger ein Kind Armutserfahrungen macht, desto gravierender sind die Folgen für seine gegenwärtige Lebenssituation und seine Zukunftschancen.
Deshalb hat der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Michael Grunst eine bezirkliche Gesamtstrategie zur Kinderarmutsprävention ins Leben gerufen. Ziel ist eine umfassende Präventionsstrategie – primär, sekundär, tertiär -, die Erleichterung und Verbesserung von Übergängen innerhalb der Bildungsinstitutionen, im Gesundheitswesen, in Fragen der sozialen Teilhabe und existenziellen Versorgung im Lebensverlauf eines Kindes bzw. Jugendlichen spielen. Lichtenberg macht sich auf den Weg, eine lebenslagenbezogene, sozialraumorientierte und kindgerechte/jugendgerechte Armutsprävention aufzusetzen und diese konzeptionell in bestehende Ansätze und Strategien der Landes- und Bundesebene einzubetten.
Eine umfassende kommunale und integrierte Armutspräventionsstrategie bedeutet die Entwicklung und Etablierung einer Präventionskette.

Was ist eine Präventionskette?

Kinderzeichnung - helfen!
Bild: motorradcbr - Fotolia.com

Das Konzept einer so genannten Präventionskette richtet sich darauf aus, ein umfassendes und tragfähiges Netz für Kinder und Jugendliche und ihren Eltern im Bezirk Lichtenberg unter Beteiligung aller zu entfalten. Es geht darum, bestehende Netzwerke, Angebote und Akteure so zusammenzuführen, dass ein untereinander abgestimmtes Handeln möglich wird. Hierzu ist es wichtig, bedarfsweise neue Angebote zu entwickeln bzw. Vorhandenes gemeinsam umzustrukturieren und niedrigschwellig den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen anzupassen. Eine Präventionskette fokussiert alle Kinder und Jugendlichen und ihrer Familie unabhängig vom sozialen Status, wenngleich sozial benachteiligte Kinder eine erhöhte Aufmerksamkeit erhalten.

Der Weg ist, dass bisher voneinander getrennt erbrachte Leistungen und Angebote in der Präventionskette sinnvoll aufeinander abgestimmt und koordiniert werden sollen, um eine durchgängige und lückenlose Förderung und Unterstützung zu ermöglichen. Dabei ist es sehr wichtig, dass
gerade funktionierende Übergänge von einer Entwicklungsphase
oder Setting (Familie, Kita, Schule) in die nächste beachtet werden müssen.

Die Fachliche Steuerung der Kinderarmutsprävention

Die fachliche Gesamtsteuerung der Kinderarmutsprävention im Bezirk Lichtenberg übernimmt Dr. Sandra Born. Der Aufgabenbereich ist vielfältig und umfasst die Planung, Konzeption, Auf- und Ausbau und Entwicklung des bezirklichen Netzwerkes Kinderarmutsprävention. Es fallen zahlreiche steuernde und koordinierende Tätigkeiten an wie Projektleitung des Steuerungsgremiums zur Kinderarmutsprävention, des Fachbeirats Kinderarmutsprävention und die fachliche und organisatorische Unterstützung der Arbeitsgruppen „Armut und Bildung“, „Armut und soziale Teilhabe“, „Armut und Gesundheit“ und „Armut und existenzielle Versorgung“.

Die Sicherstellung der gesamten Prozessverantwortung für die Handlungsfelder durch die Arbeitsgruppen-Mitglieder liegt ebenso in der Verantwortung wie auch die Entwicklung und Koordination in der Abstimmung von Angeboten entsprechend aktueller Anforderungen und Bedarfen in den Sozialräumen sowie Monitoring und Datenanalyse.

Aber auch der weitere Netzwerkauf- und ausbau gehören dazu. So müssen Vernetzungen mit Unternehmen und Firmen vorangetrieben werden, die dieses Vorhaben unterstützen wollen als auch die Kommunikation mit anderen Verwaltungen auf der Bezirks- und Landesebene mit den relevanten Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Vertretung der Fachlichen Steuerung der bezirklichen Kinderarmutsprävention in allen relevanten Gremien ist zudem unabdingbar und daher zu organisieren. Im Rahmen der Armutspräventionsstrategie findet eine jährliche Konferenz mit relevanten bezirklichen und überbezirklichen Akteuren statt, die regelmäßig dokumentiert wird.

Die Sensibilisierung und Enttabuisierung der Themen Kinderarmut und Kinderarmutsprävention werden auch durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit begegnet.

Nach dem Aufbau der strukturellen Gremien im Jahr 2019 wird es ab 2020 stärker um deren inhaltliche Weiterentwicklung gehen. Dazu ist geplant:
  • Eine öffentlichkeitswirksame PR-Strategie mit einer Botschafter*in
  • Die Erstellung des ersten Lichtenberger Kinderarmutsberichtes
  • 2. Kinderarmutskonferenz
  • Qualifizierung des Bezirkes Lichtenberg zum Thema Präventionskette mit der Benennung von 3 Wirkungsbeauftragten

Kinderarmutskonferenz

Kinderarmutskonferenz
Bild: S. Rabendsorf

Gremien

Zwei Köpfe im Profil aus Puzzleteilen zusammengestetzt. Sie blicken in entgegengesetze Richtungen und sind durch ein einzelnes Puzzleteil verbunden
Bild: JorgeAlejandro / Fotolia

Bericht

Statistische Aufbereitung auf Blatt mit Kugelschreiber und einem Tablet darüber liegend
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Archiv

Hängeregister
Bild: jayrb - Fotolia.com

Bisherige Maßnahmen (BA Vorlagen, BVV Beschlüsse ect.)

Was ist Kinderarmut?

Diverse Definitionen von Armut sind im Umlauf. Die Armutsdefinitionen im engeren Sinn beziehen sich vorwiegend auf die materiellen Verhältnisse. Wenn also von Kinderarmut gesprochen wird, geht es vor allen Dingen um Familienarmut, denn Kinderarmut wird anhand der finanziellen Verhältnisse der Familie beschrieben.

Nach häufig verwendeter Auffassung leben Kinder in Kinderarmut, die in Familien mit Sozialleistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) zum Lebensunterhalt beziehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Hartz-IV-Leistungen oder Leistungen zum Aufstocken des Arbeitsaufkommens erhalten. Auch der Begriff relative Armut wird im Kontext häufig verwendet. Haushalte gelten als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des mittleren Einkommens vergleichbarer Haushaltskonstellationen verfügen. Hierbei werden alle Einnahmequellen berücksichtigt, auch staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Kindergeld. Der Begriff der absoluten Armut spielt in diesem Kontext keine gesonderte Rolle.

Etabliert hat sich auch der Begriff des sozioökonomischen Status. Darunter versteht man neben dem Einkommen auch das Bildungsniveau (Schulabschlüsse etc.) und die Erwerbstätigkeit der Eltern. Je nach Erhebung umfasst er auch Eigentums- und Wohnverhältnisse, Beruf, Teilhabe am kulturellen Leben.

Die 4 Dimensionen der Armut

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Was bedeutet Kinderarmut?

Das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Armut ist grundsätzlich eine schwere Hypothek. Für arme Kinder kann die materielle Unterversorgung der Normalfall sein, ebenso eine Benachteiligung an sozialen und kulturellen Aktivitäten, Ausgrenzung mit Stigmatisierungserfahrungen die Folge.

Da sich Kinder aus eigener Kraft nicht helfen können, spüren sie oft im weiteren Lebenslauf die Folgen ihrer prekären Lage: schlechtere Bildungschancen, gesundheitliche Beeinträchtigungen, geringes psychisches Wohlbefinden, weniger Selbstbewusstsein.

Armut hat demnach viele Facetten und bedeutet mehr als materielle Unterversorgung, wenngleich Geld der Ausgangspunkt bleibt. Armut drückt sich daher auch aus in den Dimensionen der gesundheitlichen Ungleichheit, in Bildungsungerechtigkeit oder in fehlenden Chancen rund um die soziale Teilhabe.

Beengte Wohnverhältnisse, kleinere Freundschaftsnetzwerke, ein schlechtes Familienklima, seltene gemeinsame Familienaktivitäten können sich insgesamt negativ auf das Sozialverhalten der Kinder auswirken. Wenig Erfahrungen sozialer Wertschätzung könnten dabei die Folge sein. Auffällig sind in armen Familien häufig die Abwesenheit der Väter bzw. die seltenere Übernahme einer aktiven Rolle im Familienleben.

Kinderarmut in Lichtenberg

Grafische Darstellung der Kinderarmut in Lichtenberg von 2008-2016
Grafische Darstellung der Kinderarmut in Lichtenberg von 2008-2016
Bild: Dr. S. Born

Der prozentuale Anteil von betroffenen Kindern ist seit 2008 gesunken – sowohl in Lichtenberg als auch in der gesamten Stadt Berlin (in Lichtenberg 2008 40,1%, 2016 30,5 % Kinder in Kinderarmut). Durch die in den letzten Jahren stark angestiegene Zahl an Kindern in Lichtenberg ist die tatsächliche Zahl von Kindern in Kinderarmut jedoch weiterhin im Anstieg begriffen. Für den Bezirk bedeutet das aktuell insgesamt rund 12.000 betroffene Kinder! Das Problem der Kinderarmut ist demnach insbesondere im Bezirk Lichtenberg von steigender Brisanz.

Ziele bezirklicher Prävention gegen Kinderarmut

Grafische Darstellung einer Kindbezogenen Armutspräventionsstrategie
Bild: Dr. S. Born

Ziel ist der Aufbau einer kindbezogenen Armutspräventionsstruktur nach dem Modell der bezirklichen Präventionskette. Der Auf- und Ausbau einer konkreten auf eine 0 – 18 Jahre angelegte Strukturplanung im Sinne eines kindbezogenen integrierten Handlungsansatzes wird breit angelegt. Dies betrifft die Bereiche soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheit und existenzielle Versorgung. Die Präventionskette bedeutet öffentliche Verantwortung, armutssensibles Handeln und verständigende Zusammenarbeit der beteiligten sozialen Instanzen bei den Übergängen Krippe, Kita, Grundschule, weiterführende Schule und Berufsausbildung. Für ein gemeinsames Verständnis wurden grundlegende Leitbilder abgestimmt:

Leitbilder der Kinderarmutsprävention

Kind schaut auf das Wort Zukunft
Bild: Lassedesignen/Fotolia.com
  • Armut und soziale Teilhabe
    Armutsgefährdete Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit, entsprechend ihrer Interessen und Talente an gesellschaftlichen (und kulturellen) Angeboten teilnehmen zu können. Kinder und Jugendliche werden in allen sie betreffenden Angelegenheiten altersgerecht informiert und beteiligt, um ihr Selbstwirksamkeitsgefühl zu stärken.
  • Armut und Bildung
    Armutsgefährdete Kinder und Jugendliche erhalten von Anfang an Zugang und Unterstützung auf ihrem für sie bestmöglichen Bildungsweg, um Perspektiven
    entwickeln zu können
  • Armut und Gesundheit
    Armutsgefährdete Kinder und Jugendliche erhalten die für sie notwendige Unterstützung, um sich unter Berücksichtigung ihrer speziellen Bedürfnislage körperlich und seelisch gesund entwickeln zu können.
  • Armut und existenzielle Versorgung
    Armutsgefährdete Kinder und Jugendliche erhalten eine besondere Aufmerksamkeit. Bereits stark von Armut betroffene Familien erhalten eine besondere Unterstützung.