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Lichtenberger Gesundheitskonferenz verabschiedete Resolution

Pressemitteilung vom 23.12.2014

Zur Situation von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen in Lichtenberg fand Anfang Dezember eine sehr gut besuchte Gesundheitskonferenz im Festsaal des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge statt.
Die Idee zu dieser Fachkonferenz war von einer gemeinsamen interdisziplinären Arbeitsgruppe in Kooperation mit allen demokratischen Fraktionen der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung, den zuständigen Fachabteilungen des Bezirksamtes und den beiden Lichtenberger Kliniken entwickelt worden. Die fachliche Vorbereitung dauerte ein halbes Jahr. Die Konferenz wartete mit hochkarätigen Fachvorträgen und Praxiserfahrungen aus verschiedenen Bereichen auf.
Die Teilnehmenden der Konferenz stimmten darin überein, dass psychiatrische und psychosomatische Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen an Schwere und Komplexität zunehmen, was deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränkt. Mit der Verabschiedung einer Resolution sind das Land Berlin, Krankenkassen, die Kassenärztliche Vereinigung und weitere Akteure daher zum Handeln zugunsten dieser Kinder und Jugendlichen aufgefordert worden. Die am 11. Dezember durch den Gesundheitsausschuss per Beschlussempfehlung in die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg eingebrachte Resolution soll zudem in mehreren Fachausschüssen beraten werden. Lesen Sie nachfolgend die Resolution im Wortlaut:

Resolution der Gesundheitskonferenz vom 2. Dezember 2014 zur Situation von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen in Lichtenberg:

Die Anzahl psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher ist in den letzten Jahren stetig steigend. Diese Tatsache zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Inanspruchnahme von stationärer Behandlung und Betreuung in Einrichtungen der Jugendhilfe. Zudem erhöhte sich die Anzahl der stationären Aufenthalte in der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Krankenhauses KEH erheblich. Die Lichtenberger Erfahrungen belegen, dass die psychiatrischen und psychosomatischen Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen in jüngster Zeit an Schwere und Komplexität zugenommen haben. Das bedeutet neben den körperlichen und psychischen Belastungen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zugleich eine zum Teil erhebliche Einschränkung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, einschließlich des Schulbesuches. Diese Entwicklung wollen wir so nicht akzeptieren. Vordringlich sollten folgende Probleme gelöst werden:

1. Die Versorgung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen kann nur durch Akteure des Sozialgesetzbuches V (Leistungen der Krankenversicherung) und des Sozialgesetzbuches VIII (Leistungen im Rahmen der Kinder- Jugendhilfe) gemeinsam erfolgen. Die
Kooperation des Bezirksamtes mit der AOK-Nordost zeigt am Beispiel des Projektes Tan.go, wie es funktionieren kann: Jugendhilfeträger und Krankenhaus leisten die Betreuung gemeinsam, Krankenkasse und Jugendhilfe übernehmen die jeweiligen Kosten. Die
Krankenkassen müssen ihren Widerstand gegen gemeinsam betriebene Versorgungsangebote aufgeben. Zu diesem Zweck muss der Senat aktiv werden!

2. Die ambulante Versorgung durch niedergelassene Kinder- und JugendpsychiaterInnen und –PsychotherapeutInnen in der Region Nordost ist zu verbessern! Gerade diese Kinder können nicht in andere Bezirke fahren, eine bezirksbezogene Vergabe von Praxissitzen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in ausreichender Zahl ist deshalb notwendig!

3. Schulen müssen in die Lage versetzt werden, auch besonders schwierige Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen angemessen zu beschulen. Eine Klassifizierung als „nicht beschulbar“ ist nicht hinnehmbar. Modellprojekte – auch in Lichtenberg – zeigen, wie es gehen kann. Lehrerinnen und Lehrer müssen in Aus- und Weiterbildung befähigt werden, mit psychisch kranken, aber vor allem mit der Vielzahl im weitesten Sinne verhaltensauffälliger Schülerinnen und Schüler umzugehen. Im Sinne einer gesundheitsfördernden Schule muss es Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht werden, Arbeitszeit für fallbezogene Beratung, Intervision und Supervision zu nutzen.

4. Neue flexible Modelle der Beschulung für psychisch kranke und/oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche sollten auf der Grundlage einer Mischfinanzierung gemeinsam vom Schulbereich, den Krankenkassen und den Trägern der Jugendhilfe entwickelt und erprobt werden.

5. Die ersatzlose Streichung der 1. und 2. Klassenstufen an Förderzentren kann nicht akzeptiert werden. Die unbefriedigende Situation in der Schulanfangsphase in Regelklassen bei der Beschulung von Kindern mit unterdurchschnittlichem kognitivem Niveau führt in vielen Fällen zu schweren Anpassungsstörungen. Grundschulen müssen auch diesen Kindern gerecht werden. Es muss für diese Schülerinnen und Schüler wieder Klassen für das 1. und 2. Schuljahr an Förderzentren geben! Inklusion muss einhergehen mit Wahlfreiheit und Differenzierung bei der Beschulung.

6. Auf die zunehmenden Flüchtlings- und Einwandererzahlen muss reagiert werden: Willkommensklassen, in denen den Schülerinnen und Schülern basale Deutschkenntnisse als Einstieg für die Regelschule vermittelt werden, müssen an ausreichend vielen Grund- und weiterführenden Schulen eingerichtet werden. Die beteiligten Bereiche von Gesundheit, Jugendhilfe und Schule fordern die Entwicklung und Umsetzung von ganzheitlichen Konzepten, die die notwendigen Ressourcen und Angebote zur Behandlung, Betreuung und Beschulung von teilweise schwer traumatisierten Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien sicherstellen.

7. Die Jugendhilfe gewährt Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfen besonders häufig für psychisch kranke Kinder und ihre Eltern. Ohne ausreichendes Personal in den Regionalen Sozialpädagogischen Diensten (RSD) der Jugendämter können die Steuerung von Hilfen und die aufwändige Kooperation über die Systemgrenzen hinweg nicht gelingen, die Familien nicht angemessen unterstützt werden. Berlin muss eine Fallzahlobergrenze je MitarbeiterIn festsetzen und Personal bedarfsgerecht sichern.

8. Die regelhafte Betreuung der Kinder und Jugendlichen in Maßnahmen und Projekten der Jugendhilfe entspricht mit zum Teil deutlich eingeschränkter Stundenzahl nicht dem Bedarf der Kinder und Jugendlichen mit psychiatrischen Störungen, die eine intensive pädagogische Betreuung erfordern. Die zuständige Senatsverwaltung wird aufgefordert, ihre Aufgabe durch Setzung angemessener Standards bezüglich adäquater Betreuungsumfänge wahrzunehmen.

Weitere Informationen:
Bezirksstadträtin und Leiterin der Abteilung Jugend und Gesundheit
Dr. Sandra Obermeyer
Telefon: 90296 6300 Fax: 90296-776300
E-Mail oder und im Internet