Gedenktafel für Erich Ollenhauer

Pressemitteilung vom 06.12.2013

Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD) lädt zur Einweihung ein

Eine Gedenktafel für den SPD-Politiker Erich Ollenhauer (1901 – 1963) wird am

Freitag, 13. Dezember 2013 um 11 Uhr
in der Trautenauer Str. 6, 10318 Berlin-Karlshorst,

eingeweiht.

Zu der feierlichen Übergabe lädt Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD) herzlich ein. Namhafte Gäste haben ihre Teilnahme zugesagt.
Am 14. Dezember jährt sich der 50. Todestag des ehemaligen Partei- und Fraktions¬vorsitzenden der SPD im Deutschen Bundestag.
Ab Mitte der Zwanzigerjahre bis zu seiner Emigration 1933 hatte der damalige Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiterjugend Erich Ollenhauer seinen Wohnsitz in Karlshorst.

Als Redner werden aus diesem Anlass Frank Walter Steinmeier , gegenwärtiger SPD-Fraktionsvorsitzender im Deutsche Bundestag, Jan Stöß , Landesvorsitzender der Berliner SPD und Andreas Geisel (SPD), Bezirksbürgermeister von Lichtenberg erwartet.
Zu den besonderen Gästen zählen unter anderen der Sohn und die Enkelin von Erich Ollenhauer , ebenso werden Ralf Wieland , Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin sowie weitere Vertreter von Parteien erwartet.

Die Gedenktafel wurde bereits in der vergangenen Legislaturperiode über eine BVV-Initiative angeregt und mit Mitteln des Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur finanziert.

Informationen zur Person
Der am 27. März 1901 als Sohn eines Maurers in Magdeburg geborene Erich Ollenhauer übte nach seinem Volksschulabschluss und einer kaufmännischen Lehre sofort politische Tätigkeiten aus. SPD-Mitglied seit 1918 wurde er schon 1920 zweiter Sekretär beim Hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands (VAJV). Nach der Vereinigung des VAJV mit der Sozialistischen Proletarierjugend (SPJ) der USPD entstand 1922 die Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ). Ollenhauer wurde zunächst unter dem Vorsitzenden Max Westphal deren Sekretär und 1928 ihr Vorsitzender. Er führte die SAJ als eine SPD-loyale Jugendorganisation. Im April 1933 wurde Ollenhauer in den SPD-Vorstand gewählt, im Mai ging er mit dem Auftrag, einen Exil-Parteivorstand zu gründen, ins Ausland, zunächst nach Prag, dann nach Paris und Lissabon. Seit 1941 war er in London engster Mitarbeiter des SoPaDe-Vorsitzenden Hans Vogel, von hier aus bereitete er den Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg vor.
Von dort 1946 nach Deutschland zurückgekehrt wurde er Stellvertreter von Kurt Schumacher. Als „perfekte Nummer 2“ übernahm er nach dessen Tod 1952 die Ämter als Parteivorsitzender, Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer. Zweimal kandidierte er für das Amt des Bundeskanzlers. Grundsolide in seiner Arbeit, blieben ihm Wahlerfolge im Schatten des Über-Kanzlers und CDU-Vorsitzenden Konrad Adenauer jedoch verwehrt.
Sein großer und bis heute wirksamer politischer Verdienst war es jedoch, weite Teile der traditionellen SPD-Mitgliedschaft mit dem sog. „Godesberger Programm“ von 1959 in die programmatische und organisatorische Neuorientierung der SPD einzubeziehen. Mit dieser Ausrichtung einer vom klassenkämpferischen Sozialismus befreiten Partei konnten in der Folgezeit deren Protagonisten Willy Brand, Fritz Erler und Herbert Wehner das Ziel der Übernahme von Regierungsverantwortung in der Bundesrepublik Deutschland erreichen.
Erich Ollenhauer war an der Ernte der Früchte auch seines Handelns nicht mehr beteiligt. Er starb am 14. Dezember 1963 an einer Lungenembolie in Bonn. Seine Nachfolger als Parteivorsitzender wurde Willy Brandt, den Fraktionsvorsitz übernahm Fritz Erler.
Drei Monate vor seinem Tod wurde Erich Ollenhauer zum Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale gewählt. Mit einem Staatsakt im Plenarsaal des Bundestages würdigte die Bundesrepublik Deutschland am 19. Dezember 1963 den nur scheinbar erfolglosen, tatsächlich jedoch nachhaltig prägenden SPD-Politiker, über den Der Spiegel 2007 schrieb, seine primäre Begabung sei es gewesen, zweiter Mann seiner Partei zu sein.

Weitere Informationen:
Bezirksamt Lichtenberg
Abteilung Bildung, Kultur, Soziales und Sport
Büro der Bezirksstadträtin | Koordinatorin für Weiterbildung und Kultur
Katharina Luh | Tel: 90296-8002 | Email