24. Juni: Straßenbenennung an Rummelsburger Bucht nach Friedrich Jacobs

Pressemitteilung vom 18.06.2010

Jüdischer Arzt, Pionier der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Lichtenberg
Im durch Namen von verdienten Ärzten geprägten Quartier an der Rummelsburger Bucht wird mit Friedrich Jacobs ein weiterer Arzt gewürdigt, der sich um das Lichtenberger Gesundheitswesen verdient gemacht hat. Die Mittelpromenade zwischen der Hildegard-Marcusson- und der Georg-Löwenstein-Straße, die von der Hauptstraße zum Uferbereich des Sees verläuft, erhält am 24. Juni um 11 Uhr den Namen Friedrich-Jacobs-Promenade.
Zur feierlichen Namensverleihung und Enthüllung des Straßenschildes laden Kulturstadträtin Katrin Framke (Die Linke) und Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) gemeinsam ein. Auch Verordnete der Bezirksverordnetenversammlung, Anwohner und Schülerinnen und Schüler beteiligen sich. „Bis 1933 lebten vermutlich 3.000 bis 4.000 jüdische Ärzte in Berlin. Wie viele von der systematischen Vertreibung, Verfolgung und Ermordung von den Nazis betroffen waren, ist bis heute nicht exakt bekannt. Wir wollen an die Opfer erinnern. Indem wir Straßen und Plätze nach ihnen benennen, holen wir sie in das Gedächtnis der Stadt und ihres ehemaligen Wirkungs- und Wohnumfeldes zurück“, begründet Katrin Framke, Stadträtin für Kultur und Bürgerdienste in Lichtenberg (Die Linke), die Namensgebung insbesondere an diesem Ort, von dem aus auch Deportationen erfolgten.

Biographie Friedrich Jacobs
Friedrich Jacobs wurde am 11. Mai 1889 in St. Petersburg geboren und gelangte nach Approbation und Promotion über Straßburg und Göttingen 1914 als Assistenzarzt an die Universitäts-Frauenklinik der Charité nach Berlin. Mit seiner jüdischen Frau Dr. Toni Jacobs, die sich der Kinderheilkunde verschrieben hatte, wohnte er in der Möllendorffstraße 7–8, ab 1928 in der Frankfurter Allee 230, wo Toni Jacobs auch praktizierte.
Als sich um 1920 die medizinische Auffassung durchsetzte, Entbindungsabteilungen in den Krankenhäusern einzurichten, übernahm Dr. Friedrich Jacobs am 1. April 1920 als Stationsarzt die erste Entbindungsstation im Städtischen Lichtenberger Hubertus-Krankenhaus. Seit 1924 war Jacobs in dem späteren Oskar-Ziethen-Krankenhaus dirigierender Arzt der Entbindungsanstalt. Manche Zeitzeugin entsinnt sich noch heute der guten Fürsorge durch Dr. Jacobs. 1933 traf die sogenannte „Säuberung“ der Nazis auch das Oskar-Ziethen-Krankenhaus. Jacobs galt als Beamter mit Pensionsberechtigung, dennoch versetzten ihn die Nazis wegen seiner jüdischen Herkunft im April 1933 in den Ruhestand. Das Ehepaar Jacobs konnte sich 1937 glücklicher Weise der weiteren Verfolgung durch die Nazis nach England entziehen und kehrte nach dem Krieg nach Berlin zurück. Dr. Friedrich Jacobs wirkte von 1945 bis 1948 als Ärztlicher Direktor im Oskar-Ziethen-Krankenhaus und ging danach in sein Exilland Großbritannien zurück. Leider ist über sein weiteres Schicksal nichts bekannt. Auch die Spur seiner Frau, Dr. Toni Jacobs, hat sich nach 1959 verloren. Bis dahin lebte sie in Berlin–Neukölln.

Weitere Informationen:
Bezirksamt Lichtenberg
Kultur und Bürgerdienste
Dr. Thomas Thiele
Tel.: 030-90296 37 01
Mail: Thomas.Thiele@lichtenberg.berlin.de