Feierliche Übergabe der Gedenk- und Informationstafel zum Durchgangsheim Alt-Stralau

Pressemitteilung Nr. 33 vom 21.04.2016

Donnerstag, den 28. April 2016 um 18 Uhr | Aula der Thalia-Grundschule | Alt-Stralau 34, 10245 Berlin-Friedrichshain

Die neu errichtete Gedenktafel erinnert an das frühere Durchgangsheim Alt-Stralau 34, welches sich in den Räumen der heutigen Thalia-Grundschule auf der Halbinsel Stralau in Berlin-Friedrichshain befand. Zwischen 1952 und 1989 diente dieser Ort der vorübergehenden Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen.

Das Durchgangsheim Alt-Stralau war eine Einrichtung der Jugendhilfe und somit Teil des Erziehungssystems der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Die Einlieferung der Kinder und Jugendlichen erfolgte durch die Volkspolizei oder Jugendhilfe. Nach Entscheidung der zuständigen Behörden wurden sie später in Normalheime oder Jugendwerkhöfe verlegt, an Pflege- und Adoptiveltern vermittelt, oder sie kamen wieder zurück zu ihren Eltern. Die Dauer der Unterbringung variierte zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten. Eingewiesen wurden Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren, die sich dem Menschenbild der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – des SED-Staates – nicht anpassen konnten oder wollten, gegen Gesetze verstoßen haben oder Hilfe benötigten.

Das Durchgangsheim war ein geschlossenes Heim. Jugendliche ab 14 Jahren wurden zur Arbeit gezwungen. Isolationszellen, Essensentzug, Prügel, militärischer Drill und Zwangsarbeit gehörten dort zum Alltag. Die Erziehung war auf Unterordnung und Einschüchterung ausgerichtet. Fluchtversuche, Arbeitsverweigerung und „Renitenz“ wurden mit Arrest in Isolationszellen bestraft. Als dies war in den staatlichen Vorgaben so vorgesehen und verletzte Menschenrechte.

Die Gedenktafel soll sowohl die Erinnerung an das geschehene Unrecht und die Opfer wachhalten als auch zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Durchgangsheims anregen. Am authentischen Ort soll an die Persönlichkeits- und Menschenrechtsverletzungen in dieser Einrichtung der DDR-Jugendhilfe erinnert werden und so ein Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit geleistet werden.

Die Gedenktafel ist gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

PROGRAMM

Begrüßung
Wolfgang Kirschstein, Schulleiter der Thalia-Grundschule

Musikalische Umrahmung
Schüler*innen der Thalia-Grundschule

Grußworte
Kirstin Fussan, Leiterin der Abteilung Jugend und Familie, Landesjugendamt

Rainer Buchwald, stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.

Anna von Arnim-Rosenthal, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Martin Gutzeit, Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen

Detlef Krenz, Redaktionsgruppe
Doris Nithammer, Bürgerforum Stralau

Jana Borkamp, Stadträtin für Finanzen, Facility Management, Kultur und Weiterbildung, Friedrichshain-Kreuzberg

Tanzperformance Golde G.
Choreographie: Golde Grunske; Tanz: Juliane Bauer, Romy Schwarzer; Musik: Andy Gutzeit

Der Eintritt ist frei.

Wir bitten um eine redaktionelle Ankündigung der Veranstaltung.

Kontakt:
FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Martin Düspohl und Stefanie Deutschmann
Adalbertstr. 95A
10999 Berlin
E-Mail: info@fhxb-museum.de
Tel. +49-30-50585235
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